Zwischenruf: Ciao, SC Paderborn

Möbelhaus von innen
Möbelhaus von innen
Möbelhaus von Innen

Der SC Paderborn hat es also nicht geschafft – der Verein ist aus der ersten Liga abgestiegen. Das war erwartbar und ist daher keine überraschende Nachricht. Am Ende ist das dann doch alles eine Nummer zu klein, um sich dauerhaft mit den Großen messen zu können. Und wenn ich ehrlich bin: Gut, dass der Spuck vorbei ist.

Denn es gibt zwei Bilder des SC Paderborn: Das, des kleinen, süßen Underdogs, der sich durch die Liga mit ganz viel Herzblut kämpft, während eine Vereins-Oma den Pausentee aufbrüht und ihr inzwischen verrentete Ehemann die dreckverschmierten Trikots wäscht. Soviel medienkonstruierte Realität glaubten nicht wenige, die sich nicht so intensiv mit Fußball beschäftigten. Aber umso mehr Fußball-Liebhaber und etablierte Sportreporter bekamen während der Erstligazeit des SC Paderborn einen gepflegten Würgreiz, wenn mal wieder jemand die tollen, kleinen Kämpfer vom SCP lobte und romantisierte.

Der SC Paderborn ist aber nichts anderes als die TSG Hoffenheim in unseriös. Nicht viel an dem Club ist auch nur im Ansatz sympathisch. Der Verein ist kein Underdog (diesen Namen hat übrigens nur das Maskottchen von Rot-Weiss Oberhausen verdient) sondern ein Produkt, das kaum jemand kaufen würde, würde man es im Supermarkt anbieten.

Gehen wir das doch einmal Stück für Stück durch. Der Verein wird von einem Präsidenten geführt, der offen zugibt, dass er das Meiste entscheidet. Klar, Möbelhersteller Wilfried Finke ist ja auch der Hauptgeldgeber des Clubs, der überhaupt keine Tradition hat, sondern ein reines Fusionsgeschäft war. Ist Finke auch egal – Hauptsache das Spielzeug spielt bundesweit mit und man hört dem Mann zu. Dass sich das nicht lohnt, sah man am vorletzten Spieltag, als Finke den Bayern Wettbewerbsverzerrung vorgeworfen hat. In München wird man herzlich gelacht haben. Und sicher nicht nur da. “Wilfried wer…?”

Ganz ehrlich: Allein deswegen ist das mit der medial erzeugten Sympathie für den SCP mehr als unverständlich. Wer Finkes Auftreten sieht, fühlt sich vielleicht an die alte, aus dem Bundestag geworfene FDP erinnert. Zumindest kam zuletzt Halbangst-Autor Klaus Scheffer im WDR zu diesem Befund. Den mag man teilen – so gingen der alten FDP einkommensschwächere Menschen nämlich gerne Mal am Arsch vorbei. Und den Eindruck konnte man vom SC Paderborn vor der Saison ebenfalls haben. Viele, die den kleinen süßen Verein lobten, sollten sich vielleicht mal an den Dauerkarten-Preisaufschlag vor Beginn der Spielzeit erinnern: Ein Saison-Ticket in Ostwestfalen war im Schnitt deutlich teurer als in München. Vor allem die gnadenlose Behandlung der Fans mit schmalerem Geldbeutel auf den Stehplätzen war eine Schweinerei.

Noch lustiger wird es jetzt, wenn man direkt den Wideraufstieg anpeilen will. Präsident Finke kündigt dazu einen Spieleretat von bis zu neun Millionen an. Natürlich kann man sich selber einreden, dass man damit zu den dicken Fischen in Liga Zwei gehört. Aber das wird man nicht – da gibt es potentere Clubs. Und noch einmal – wie in der Aufstiegssaison – wird man den Retortenclub von der Pader nicht unterschätzen. Zumal: mit dem Ziel „möglicher Wiederaufstieg“ geht der SC Paderborn nicht besonders demütig zurück in die Zweite Klasse. Daran sind schon andere Clubs gescheitert und dann direkt weiter nach unten durch gereicht worden. Man sollte mal den Blick nach Unterhaching werfen, dass sich jetzt in die Regionalliga verabschiedet hat. Aber, das ist nicht mehr das Problem der ersten Liga – der Spuk mit dem vermeintlich sympathischen Underdog aus Paderborn, ist zum Glück vorbei.

Foto: Markus Unger, veröffentlicht unter Creative Commons, bearbeitet mit Pixlr-Express

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