Zwischenruf: Seltsame Nationalmannschaftskritik

Fußball-Platz in Wegberg-Beeck

Aufmerksame Leser unseres Blogs haben sicher bemerkt: In den Monaten seit der Sommerpause halten sich unsere kritischen Beiträge über die Nationalmannschaft in Grenzen. Im Bezug auf das ganze Getue rund um die Bierhoff- Löw-Truppe haben wir nichts anderes hinzuzufügen außer Gleichmut. Dabei klangen wir vor vier Jahren noch so:

 

“Wenn Oliver Bierhoff dann noch angeschmiert wie ein kleiner beleidigter Marketing-Angestellter redet, dessen Werbethema nicht den Weg in den redaktionellen Teil geschafft hat, dann verabschiede ich mich.”

 

Inzwischen schweigen wir in der Regel. Lohnt sich nicht mehr. Weil der normale Fußballfan – den wir zur Zielgruppe des Blogs zählen – sowieso nicht mit solchen Texten erreichen. Der geht nun mal nicht zur #dieMannschaft und konsumiert was das Zeug hält. Und dem hier lesenden Event-Fan, der eben zur #dieMannschaft geht und konsumiert was das Zeug hält, den kriegen wir nicht mehr missioniert. Insofern sagen wir unsern Lesern dann auch nichts Neues, wenn wir uns über die x-te Nominierung eines Hoffenheimers aufregen, der sportlich zwar nicht taugt, aber schön in die Produktlinie passt. Oder alles rund um Oliver Bierhoff doof finden. Und ganz ehrlich: Es ist uns inzwischen einfach Wurscht.

Wir nehmen nur amüsiert zur Kenntnis, wie frühestens nach dem Max-Kruse-Vorfall aber spätestens nach der Niederlage gegen England auf einmal das von Bierhoff kreierte Sponsoren-Event #dieMannschaft ins Schussfeld geraten ist und die Fans Kunden der Nationalmannschaft für ihr Schweigen ausgelacht werden.

Von Rheinischer Post, über 11Freunde bis zum Spiegel über die FAZ hinüber zum Kicker. Auf einmal sind sie alle dabei. Natürlich gab es auch in den vergangenen Jahren immer wieder mal kritische Einwürfe zum Gebaren rund um #dieMannschaft #dasProdukt. Aber der Grundtenor war in der Regel gleich: GötziSchweiniPoldiJogi holen dem WM-Cup, Juhuhuhuhu. Es wurde viel mehr unkritisch für toll befunden, was für den Fußballliebhaber natürliche Kotzreflexe sind. Oliver Pocher singt den Song zum #dasProdukt, LaOla-Welle bei Testspielen, obwohl es 0:0 steht, Nominierungen, die kein Mensch so wirklich versteht. Egal – solange der Sport es hergibt ist der Eventy dabei, während der Fußballfan, trotz gutem Spiel, kotzend über der eigenen Balkonbalustrade hängt.

Nun aber – vor der anstehenden Europameisterschaft – scheint es so, dass die DFB-Elf eben nicht in der Form ist, eine gute EM zu spielen. Zumindest, wenn man auf die eher durchwachsenen Ergebnisse in dieser Saison schaut. Ein frühzeitiges Scheitern wäre also drin, und auch nicht schlimm – auch wenn das Produkt dann sicher nicht mehr ein ganz so heißer Marketing-Scheiß wäre. Aber unterm Strich bliebe man auch nach einer versauten EM immer noch für zwei weitere Jahre Weltmeister. Passt also alles noch so, das man kann es weiter gut verkaufen.

Da bringt es auch nichts, jetzt das schon seit Jahren Offensichtliche und Nervige zu kritisieren. Es sei denn, man will bei einem Scheitern in Frankreich schnell behaupten können, man war ja von Anfang an gegen diese #dieMannschaft dieses #dasProdukt. In solchen Fällen ist jedoch die Kritik an der #die Mannschaft  #dasProdukt unangebracht, sondern vielleicht einmal die Einsicht fällig, dass man am Ende vielleicht ziemlich blöd mit seiner opportunistischen Kritik dastehen könnte. Denn auch wir hier wissen, neben allen dümmlich, dämlichen Dingen bei #dieMannschaft: Joachim Löws Stamm besteht immer noch aus verdammt guten Fußballern. Nur weil die Ergebnisse im Vorfeld nicht gestimmt haben – den EM-Titel kann man trotzdem irgendwie holen. Und dann wird es schwer, wenn man wieder mitjubeln will.

1 Kommentar

  1. „… solange der Sport es hergibt ist der Eventy dabei, während der Fußballfan trotz gutem Spiel kotzend über der eigenen Balkonbalustrade hängt.“

    Ich löse das bei den großen Turnieren bisweilen so, dass ich selbst bei geplanten, geselligen Runden im Freundes-/Nachbarschaftskreis erst wenige Minuten vor Anpfiff vor dem TV Platz suche.
    Denn obgleich das ganze Drumherum in den letzten Jahren für mich nahezu unerträglich geworden ist, kann ich dennoch sehr große Freude an einem wirklich guten Fußballspiel entwickeln.

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