Wohin treibt Rot-Weiß?

Verein sucht Führung.
Verein sucht Führung.
Verein sucht Führung.

Quo vadis Fortuna? Eine kleine und doch nicht so simple Frage für alle Anhänger von Fortuna Düsseldorf. Nach zehn Spieltagen mit Frank Kramer als Trainer ist mehr als nur Ernüchterung beim Zweitligisten eingetreten. Darüber hinaus ist Dirk Kall weg vom Zweitliga-Fenster. Seine Aufgaben übernimmt nun ein anderer Kopf. Ob der Fisch aber nur vom selbigen stinkt, wage ich zu bezweifeln. Hier wird in fleißiger Fortuna-Mentalität wieder Posten-Roulette gespielt. Und das hat ja bekanntlich bei F95 schon Tradition.

Vermutlich ist Kall ein Opfer seiner selbst. Manche sagen, er sei ein (weiteres) Baueropfer. Nicht nur wegen der Zusage zur Werbe-Aktion mit dem DFL Ärmel-Sponsor und dem Boulevard-Blättchen von Kai Diekmann, dessen öffentliche Rechtfertigung zwar von Paul Jäger getrieben gewesen sein soll, Kall in seiner Funktion aber mitgetragen haben wird, fiel er vom Stuhl. Es war nicht das erste Mal, dass Kall zur Disposition stand. Bisher blieb er aber der Vernunft folgend – um Ruhe zu bewahren. Dabei waren die unliebsamen Personalentscheidungen zu Beginn des Jahres wohl nur kleine Stolpersteine für den Ex-Manager aus Aachen. Dabei kam Kall doch als “Professionalisierer”. Nun ist er wieder weg: Wahrscheinlich wurde dabei intern so lange nach einem Fehler beziehungsweise einer Fehlerkette gesucht, dass schließlich der Kopf des Gesamtstunkes sein übelriechendes Fähnchen nahm und nach mehr als 10 Jahren – in den verschiedensten Positionen – bei F95 gehen durfte. Trotzdem stinkt es noch gewaltig. An vielen Ecken und Enden.

Fortuna wirft mit solchen Aktionen Fragen auf. Immer! Nicht nur die Fragen, die auf dem Platz zu beantworten sind. So wirkt zum Beispiel der Urlaubsgruß, den Aufsichtsratsvorsitzender Marcel Kronenberg zur Bild-Aktion aus Italien in aller Öffentlichkeit sendete, noch immer nach. Dieser kam für alle handelnden Personen, die sich zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits intern auf die Teilnahme an der Bild-Aktion verständigt hatten, einer Blutgrätsche gleich. Vereinsarbeit ist eben harte Politik. Geschlossenheit und gemeinsam an einem Strang ziehen, sieht allerdings anders aus. Als Außenstehender bleibt vor allem ein Eindruck: Schade, Fortuna, die Chance habt ihr (mal wieder) verpasst!

Der Abschied Kalls, der der Öffentlichkeit als  „gemeinsamer Entschluss“ verkauft werden soll, wirft gleichzeitig mehr Fragen auf als er beantwortet. Oder muss man den Abtritt Kalls wirklich als Antwort dafür verstehen, dass F95 nicht einmal annähernd in Kombination mit Spielern und Trainer-Team an die gestellten Erwartungen herankommt? War der Umbruch zu groß? Die (vielen) Rufe nach Kalls raus in der Arena habe ich noch gut im Ohr.

Klar ist: Alle sind unzufrieden. Von den Spielern bis zu den Trainer und auch zu den Verantwortlichen in Vorstand und Aufsichtsrat. Aber vor allem macht sich Unmut unter den Fans breit. Auch die Gespräche von Rachid Azzouzi mit den mitgereisten 95ern in Kaiserslautern täuschen darüber nicht hinweg: Es läuft etwas falsch im Staate Dänemark. Auch die Pfiffe nach Ende des letzten Heimspiels hallen noch nach. Der Deckmantel der sportlichen Talfahrt der ersten Mannschaft ermöglicht dabei Entscheidungen, die anderntags stärker hinterfragt werden würden. Das heutige Zeitungsecho schreibt dabei mehrheitlich Konsens, dass der Abtritt des vermeintlich unliebsamen Weggefährten Kall aus dem Vorstand zwar nicht sauber ablief, aber in der Sache unumgänglich war. Und vermutlich stimmt das auch. Vor allem wenn man vereinsinternen Quellen Glauben schenken darf, dass man zuletzt einander nur so wenig vertraute, dass eine weitere Zusammenarbeit in der Führungsebene schwierig bis unmöglich gewesen wäre. Das macht die Positionen und die Koalitionen klar, zwischen denen Kall sich bewegte: lange im Verein in Aufgaben eingebunden oder neu dabei und selbst heran gezogen. Das Mittelkind Kall war dagegen wenig geliebt und nicht emanzipiert genug. Immer die Prügel einsteckend.

Übers Sportliche spricht keiner mehr.

Und so spielt sich in Düsseldorf die nächste Farce ab – nur leider nicht im Schauspielhaus. Die ältesten Gesichter bei Rot-Weiß bleiben weiterhin in auf Positionen. Das Schiff segelt weiter – mal wieder unter Interimskapitän Jäger. Im Stadion bleiben derweil, nicht nur weil wir in Düsseldorf mal wieder ohne richtige Führung auf Deck einer Vereins-Havarie entgegenfahren, die Zuschauer weg. Denn denen, die nicht kommen, ist die Besetzung des Postens der Vorstandsvorsitzenden vermutlich eh herzlich egal. Was aber nicht heißen soll, dass dem Rest die sportliche Lage der Mannschaft nicht auch am Herzen liegt. Der Abtritt Kalls hat dabei bisher nur eines geschafft: Die F95-Mitgliederversammlung am 21.10. vor mehreren Stunden Redebeiträgen verschont. Die brennendste Frage ( Wohin treibt Fortuna sportlich?) bleibt gleichzeitig weiter unbeantwortet. Und so muss sich auch das Gremium, das “nur Empfehlungen aussprechen darf” und keine Entscheidungsgewalt im Operativen hat, mit seinen Streufeuern der vergangenen Tage anderes bezwecken wollte, als Dirk Kall abzusägen. Mannschaft und Trainer wurde das Leben damit nur noch schwerer gemacht. Ohne wirkliche Veränderungen spielen wir so bald wieder gegen Wolfsburg II oder in Bremen II auf diesem Nebenpl…

2 Kommentare

  1. Fortuna schafft sich ab.
    Ich dachte immer es geht um Sport und gemeinsamen Spaß in einer großen Fortuna Familie.
    Aber nun habe ich das Gefühl Fan von einem großen Konzern zu sein wo es nur um Machtspiele und schwarze Zahlen und falsche Eitelkeit geht.

    • Nun, leider ist jede Vereinsmeierei immer auch tiefste Politik, Andreas. Da kann man gerne seine Augen vor verschließen und Friede-Freude-Eierkuchen spielen. Hilft aber alles nichts. Warum sonst werden wohl diese tollen Gewinn-Benachrichtigungen publiziert? Weil es auch – wie in einem Dax-Konzern – hier um Zaster geht – und die Zahlen eher Schwarz statt Rot sein sollten/müssten. Falsche Eitelkeiten sind halt leider auch Gift für jede Zusammenarbeit …

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  1. Erreicht Trainer Kramer seine Mannschaft | Halbangst Blog

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