Wieder bei sich selber angekommen

Eckball für Charleroi im Testspiel bei Fortuna DüsseldorfFortuna Düsseldorf hat ein paar lausigere Jahre hinter sich. Diese Saison soll alles anders werden – erstmals seit Jahren strebt man eine positive Ergebnisbilanz an.

Irgendwie war man in den vergangenen vier Jahren – nach dem Abstieg aus der ersten Liga – nie wirklich berauschend unterwegs: Die Düsseldorfer waren letztlich zu gut, um in die Dritte Liga abzuschmieren. Aber eben auch deutlich zu schlecht, um irgendwas mit dem Aufstieg am Hut zu haben. Natürlich war das am Ende der Cinderella-Story der Jahre 2001 bis 2012 erst einmal enttäuschend. Speziell in der vergangenen Spielzeit wirkte es noch zusätzlich so, als hätte man sich allmählich in der grauen Nische des unteren Zweitligamittelmaßes eingenistet.

Zumindest soll es in der jüngeren Vergangenheit Phasen gegeben haben, in denen der biedere Fußball eines Friedhelm Funkels keine komplette Spielzeit überlebt hätte. In stetiger Ungeduld, es immer besser zu können als man tatsächlich ist, wäre dieser Trainer zwischen 2012 und 2015 vom WernerJägerKallAzzouziSchulteKronenberg-Gebräu schon längst entlassen worden.

Trotz Zuschauerschwund – die Basis ist breiter geworden

Nach diesen Wirrungen einiger Hipster- und Altfunktionäre mit Konzept- und Heimattrainern ist die Fortuna nun also bei der Langeweile angekommen. Der neue Vorstand ist mal eben mit klinischen Reinigungstüchern durch die Leitungsetagen des Clubs gefeudelt, hat dem Trainer ein längeres Arbeitspapier gegeben und dem Club sein unruhiges, teils größenwahnsinniges und derbes Gebaren ausgetrieben. Nicht wenige in Düsseldorf wimmerten ein “Ach, wie öde” und wendeten sich weiter ab. Von 35.349 sank der Zuschauerschnitt – wenn auch am Ende sehr langsam – auf zuletzt 26.615.

Das wirkt dramatisch, ist es aber nicht. Wer in den vergangenen beiden Jahren bei der Stange geblieben ist, wird es auch weiter tun. Dieses Publikum ist nicht mehr das durchgedrehte Operettenpublikum vergangener Zeiten. Wo ein deutlich kleinerer Kern in den Aufstiegsjahren von Modefans überlaufen und genervt wurde, ist dieser Stamm der inzwischen eher Genügsamen nun deutlich größer. Für eine deutlich erfolgreichere Fortuna kann genau dies das Fundament sein, in einem neuen Fall des Erfolgs nicht wieder zum Gespött der Bundesligawelt zu werden (ihr wisst schon – Lasershow und so…).

Weniger Wahnsinn, mehr Realismus

Womit wir komplett in der Gegenwart angekommen sind. In der hatte der nicht überall beliebte Vereinschef Robert Schäfer einen Platz unter den ersten Sechs ausgegeben. Das allgemeine Kopfschütteln ist verständlich. Ebenso ist es aber auch Schäfers Sicht auf die Dinge. Die Fortuna spielt in einer Liga ohne Hierarchie. Es gibt nicht die geborenen Aufsteiger wie designierten Absteiger. Alles ist möglich. Und damit auch für die Fortuna. Schaut man dazu auf den Kader (abzüglich des vielleicht wechselwilligen Ihlas Bebou), ist es dann doch wieder nicht ganz falsch, einen Druckpunkt auf das Saisonergebnis zu setzen. Unseriös wäre es, würde Schäfer den Aufstieg als Ziel ausgeben. Dagegen bedeutet Platz sechs lediglich, dass dem Verein eine positive Saisonbilanz gut tun würde – was so falsch sicher nicht ist, nachdem man dreimal in Folge nur um Haaresbreite einem richtigen üblem Abstiegskampf entkommen ist.

Wenn es dann am Ende zu mehr reicht, ist das natürlich kein Problem. Sollte es weniger werden, ist nichts passiert. Dann ist die Fortuna wieder da wo sie seit einigen Jahren ist – was allerdings kaum jemanden von denen nachhaltig stören würde, die eh zu ihrem Verein gehen. Wie schon angesprochen: Die Basis bei den Fans ist breiter geworden und auch beständiger. Das tut dem Verein sichtlich gut. Während in der Bundesliga die Saisoneröffnungen nicht selten zu Kirmesturnieren führen (aka Ex-Staatsmonopolfunker-Cup) war die der Fortuna wohltuend. Bratwurst, Bier Werbemeile und Testspiel gegen belgische Mittelklasse. Ein angenehmes Fest ohne Aufregung.

Graue Maus mit Dreierkette

Soviel Normalität ist wichtig. So werden fußballerische Momente wieder bedeutungsvoller, verdrängen den „Event Profifußball“. Die erste Partie der neuen Spielzeit war gerade in dieser Hinsicht mehr als eine Überraschung. So setzte der eigentlich biedere Friedhelm Funkel auf die Dreierkette. Die gilt in progressiven Taktikkreisen als der offensive Mega-Scheiß, aber auch als risikoreich und nicht unbedingt das beste Mittel für technisch schwächere Mannschaften (wie Braunschweig mit dem klassischen Dreiecksdirektpass beim 1:2 zeigte). Eigentlich prädestiniert, von einem wie Friedhelm Funkel verdammt zu werden.

Stattdessen wirft er diese Option ein und weiß damit zu gefallen. Das 2:2 gegen Braunschweig war eines der schönsten Spiele der vergangenen Jahre und brachte auch eine Erkenntnis: Mannschaften mit Dreierkette werden in dieser zweiten Liga zwar hin und wieder Spektakel bieten, aber auch weniger Stabilität. So konnte keine der fünf Mannschaften, die am ersten Spieltag auf diese Abwehrreihe setzten, gewinnen.

Und trotzdem ist es für die Düsseldorfer ein erfolgreiches Experiment: ist es doch ein Signal an das Publikum, verstanden zu haben. Man will zumindest versuchen, einen schöneren Fußball zu spielen. Der wird zwar nicht zum Aufstieg reichen – dazu ist die Truppe nóch zu sehr auf Understatement unterwegs. Aber die Spielzeit könnte das Fundament dafür sein, vielleicht dauerhaft in der zweiten Liga vorne dabei zu sein und auch hier und da mal im Rahmen der eigenen Möglichkeiten erstklassig zu spielen. Die Fortuna 2017/18 – sie hat nun endgültig nichts mehr mit den Wirren rund um das Erstligajahr 2012/2013 zu tun. Der Verein ist wieder bei sich angekommen, auch wenn das ziemlich langweilig ist. Für die Fortuna ist es gut.

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