Wie in Freialdenhoven wird’s nicht mehr

Foto: DüsseldorfCongress

Es gab wohl wenig Jahre in der Vereinshistorie von Fortuna Düsseldorf, unter die sich ein so positiver Schlussstrich setzen ließ, wie das Vergangene: Bundesliga-Aufstieg, Zweitliga-Meister, zum Jahresabschluss Dortmund Zuhause besiegt und den Bayern wie im Rausch auswärts einen Punkt abgerungen. 2018 hat Spaß gemacht wie kaum ein rot-weißes Jahr. Gleichzeitig zeugt der Katastrophenstart in 2019 davon, dass weder Verein noch Fans so recht eine Antwort auf die Frage wissen: Was will Fortuna?

Funkels Funkstille

Fortunas Vorstandsvorsitzender, Robert – deoxyribonucleic acid – Schäfer, ließ sich vor genau einem Jahr in der WZ mit den Worten zitieren: “Unsere Fortuna-DNA gibt die repräsentative Meinung unserer Fans wieder und wurde als Leitlinie für unser Handeln nach vielen Jahren endlich verabschiedet.“ So wirklich hatte man in Fan-Kreisen dem Volljuristen die Ernsthaftigkeit dieser Worte eh nie abgenommen. Mit der Entscheidung, Friedhelm Funkel maximal bis Saisonende beschäftigen zu wollen, lieferte er dann auch endgültig den Beweis, dass ihm Eigeninteressen (hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich in Vereins-Kreisen bereits seit Monaten, dass zwischen Funkel und Schäfer Funkstille geherrscht habe, weil der Trainer sich nicht an den Maulkorb des Vereinsbosses gehalten habe und das auch groß in den Medien propagiert hatte) wichtiger sein könnten, als den Verein an den Werten und Interessen der Tribünen orientiert in die Zukunft zu führen.

Plumpheit der Begründungen

Dabei hat es durchaus Sinn, in Zeiten, da der Trainerposten von jemandem besetzt wird, der nicht müde wird, zu erwähnen, dass er nach diesem Job in Rente gehen wird, immer mal wieder nach einem Nachfolger Ausschau zu halten. So ein Vorgehen entspricht sogar ganz klassisch den Aufgaben eines Vorstandsvorsitzenden und seiner neuen sportlichen Leitung. Trotzdem lässt Schäfers Überraschung über den vehementen Protest angesichts der Plumpheit der Begründung der Nicht-Vertragsverlängerung mit Funkel doch die Fortuna-Anhängerschaft unisono noch heute fassungslos zurück. Glaubte das Duo Schäfer-Pfannenstiel wirklich, dass niemals herauskommen würde, dass Friedhelm Funkel den Bogen mit seinem Drängeln auf eine vorzeitige Verlängerung zwar überspannt hatte, sein Angebot, erstmal nur einen Erstligavertrag zu unterzeichnen durchaus ein faires war?

Robert Schäfer will Erfolg. Das ist klar. Doch will er den nur für sich oder auch für den ganzen Verein? Sollte ihm an Letzterem gelegen sein, wäre es wohl an der Zeit, zu erfahren, wie sich Schäfer den Erfolg in Rot-Weiß vorstellt: Reicht der Klassenerhalt oder muss es kurz- bis mittelfristig dann doch schon die Champions-League sein? Und woher zieht er diese Ambitionen? Hat ihm das das Genlabor, das die Fortuna-DNA analysiert hat, alles verraten?

Melancholie ist in der Trainersuche deplatziert

Und was will das sowas von überhaupt nicht homogene Fortuna-Publikum? Will es sich im bloßen Schein des Aufstiegshelden Funkel suhlen, sich selber für die erfolgreiche Intervention in Sachen Vertragsverlängerung weiter feiern und darauf hoffen, dass es bald mal wieder Grund für einen Platzsturm gibt? Oder muss man sich vielleicht auch mal damit abfinden, dass man nun endgültig im Big-Business Fußball angekommen ist? Akzeptieren, dass die Art und Weise, wie mit Friedhelm Funkel umgegangen wurde, zwar absolut nicht in Ordnung war; dass sich langfristiger Erfolg – egal wie dieser definiert sein mag – aber nur dann einstellen wird, wenn man sich als Vorstandsvorsitzender bei seinen Entscheidungen von nicht allzu viel Melancholie leiten lässt?

Ob Robert Schäfer nach den vielen Widersprüchen, in die er sich in der Causa Funkel verstrickt hat, noch der richtige Mann auf seinem Posten ist, sei dahin gestellt. Ein erfolgsorientierter Nachfolger an der Spitze des Vereins würde in der gleichen Situation wohl aber wenig anders handeln. Daran müssen viele Fortuna Fans sich künftig wohl gewöhnen. So sehr sich das noch mancher von uns wünscht – so wie in Freialdenhoven wird es niemals mehr.

2 Kommentare

  1. Wie Schäfer die Causa FF verhandelt hat war ein großer Fehler. Weil es aber ein solcher war, darf man auch mal verzeihen. Schäfer ist 42 Jahre alt, also noch jung genug daraus zu lernen. Schäfer ist ein top Talent in dieser Branche, der das Business ( das ist Erstligafussball nun mal ) kann und trotzdem sich deutlich für 50+1 ausspricht und unsere Erste (noch) nicht ausgegliedert hat. Selbst Fussballromantiker, denen es wichtiger ist, ihre alte, erfolglose Fortuna zu haben , als in der ersten Liga zu spielen,müssen zugeben dass es schlimmere Exemplare gibt als Schäfer. Ich liebe meine Fortuna seit dem ich mich zurück erinnern kann ( und das sind immerhin auch über vier Jahrzehnte) , gehe ins Stadion wann immer ich kann, egal in welcher Liga, die Toten Hosen Trikots bleiben auf immer die Schönsten, und trotzdem wünsche ich mir nichts mehr als den Klassenerhalt zu schaffen und uns in der ersten Liga zu etablieren. Dass dafür mehr Kommerz einzieht nehme ich in Kauf , auch wenn mich die gesamte Entwicklung im Fußball genauso ankotzt, wie dem Capo auf dem Zaun. Und zum Abschluss: was mich stört an der ganzen FF Diskussion: Hätte es nicht diese „magische“ englische Woche gegeben und wir hätten alle Spiele verloren, hätte Schäfer FF entlassen und keinen hätte es gestört. Also ist es nun FF oder den aktuellen Erfolg den wir Fans und Medien versuchen zu verteidigen?!

    • Ne war Dat schön Freialdenhov, Bocholt, Remscheid, Wuppertal,Jülich, Aachen usw. Das sind einige Jahre her und immer schöne Touren.

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