Wer ist eigentlich dieser Eventy?

Bild von einer Klatschpappe und einer Sponsorenfahne
Eventy-Werkzeuge: Sponsorenfahne und Pappe
Bild von einer Klatschpappe und einer Sponsorenfahne
Klassische Eventy-Werkzeuge

Die leidige Diskussion um die Eventys, sie darf wieder von vorne anfangen. Dieses Mal geht es nicht um Fortuna, die auf einmal die Massen mobilisiert. Es ist die Düsseldorfer EG, die zum Auftakt des Playoff-Halbfinales mit einem ausverkauften Dome rechnen muss. 13.400 Zuschauer – so viele kamen in den vergangenen Jahren noch nicht einmal gegen die Kölner Haie (das Wintergame davon ausgenommen). Und schon ist er wieder da: der Streit um den Düsseldorfer, der bei Erfolg bereit ist, mehr zu tun als eine streunende Katze vor einem Fischladen.

Doch handelt es sich bei denen, die am Sonntag (29.03.2015) nur des Erfolges wegen in den Dome kommen, um Eventys? Nicht zwingend. Es wird Zeit, das von uns verhasste Wesen “Eventy” mal genauer zu definieren; zumindest, welche Art von Stadiongänger wir hier bei Halbangst kritisieren und als Eventy bezeichnen würden.

Optisch schwer zu erkennen

Zunächst einmal gibt es keine klaren Erkennungsmerkmale. Es soll sogar Hipster geben, die absolut treue Fans eines einzigen Clubs sind, der sogar mehrfach abgestiegen ist. Manch einer aus der Riege der Oberliga-Allesfahrer bei der Fortuna würde heute optisch als Hipster durchgehen. Trotzdem ist er kein Eventy. Auch kann ein abgerockter Kutten-Träger ein Eventy sein, nachdem er seine bei Ebay ersteigerte Ekel-Fan-Jacke erstmals ins Stadion ausführt und dadurch Hardcore-Fan-Sein heuchelt. Es ist also optisch schwer möglich, einen Eventy zu bestimmen.

Auch die vielen Menschen, die jetzt wieder nach Jahren in den Dome gehen, sind nicht zwingend Eventys. Viele von ihnen haben sich aus guten Gründen einst entschieden, nicht mehr zur DEG zu gehen. Ob schlecht geplanter Umzug von der Brehmstraße, Umbenennung in einen Sponsorenverein oder die schlimmen letzten zwei Jahre, in denen man nur in der DEL blieb, weil es keinen sportlichen Aufstieg gibt. Bei all diesen Gründen darf man jedoch nicht vergessen: viele von denen, die nicht mehr zu den Spielen gekommen sind, haben auch weiterhin nur diesen einen Eishockey-Club. Sie schielen und schielten bei aller Enttäuschung wahrscheinlich montags in die Zeitung nach den letzten Ergebnissen der Düsseldorfer EG. Fielen diese positiv aus, war man zufrieden. Diese Menschen mögen den Sport, haben Ahnung und vermissen vielleicht alte Zeiten, die sie jetzt zurück wähnen. Auch bei der Fortuna wird es den ein oder anderen in der Erstliga-Aufstiegssaison 2011/2012 wieder zurück geholt haben.

All diese Menschen als Eventy zu bezeichnen, wäre fahrlässig. So wäre auch der Autor dieser Zeilen einer, weil er erst wieder zur DEG ging, als endgültig feststand, dass der Name METRO bald verschwinden würde. Seitdem habe ich gemeinsam mit meiner Freundin (die erst vor drei Jahren Eishockey für sich entdeckte) kaum ein Heim-Spiel verpasst, zusammen haben wir die ein oder andere Auswärtstour unternommen. Wo andere Familien spazieren gehen oder den Sonntagskuchen backen, zieht es uns nach Düsseldorf-Rath zum Eishockey, oder nach Straubing, Köln, Krefeld oder Iserlohn. Egal, wie scheiße es gerade läuft, wir sind da. Ein Zustand, der dem Event-Gucker fremd sein dürfte.

Am Verhalten zeigt sich der Eventy

Warum? Eventys zeichnen sich durch eine unfassbare Anspruchshaltung aus, das beißt sich natürlich mit Misserfolgen. Machen wir dies doch einmal an einem Beispiel fest, was ein klassischer Eventy ist und tun so, als würde gerade das erste Halbfinal-Heimspiel gegen Ingolstadt laufen. Die DEG hat da sicher wieder ein paar Probleme mit der Masse an Menschen. Als staatlich anerkannte Pommesbude sorgt der Ordnungsdienst verlässlich für Frust. Diejenigen, die so tun, als wären sie Könige, deren Kronen gerade Schrammen bekommen, stehen schon einmal unter verschärftem Eventy-Verdacht. Wenn sie dann feststellen, dass zum Kauf von Speisen und Getränken eine Plastikkarte gekauft werden muss, werden die Umherstehenden mit einer Spaß befreiten Diskussion darüber beglückt, die zuletzt vor fünf Jahren mal geführt wurde (“dieses Zahlsystem ist Scheiße!” – “Ach was?”) Dazu gehört natürlich das völlige Unverständnis darüber, dass einem die anderen Menschen drumherum nur genervt angucken (“Ich würde das nicht so hinnehmen!”).

Womit wir beim Spiel wären. Der klassische Eventy beschwert sich nach dem ersten Drittel mit allem, was er hat. Die DEG liegt 0:3 gegen Ingolstadt hinten, bisher hat man für das Ticket leider nur Leergeld gezahlt. In der Pause folgen Belehrungen, warum es ein Fehler war, zu kommen. Das ist alles eine Frechheit. Zudem kommen Beschwerden darüber, warum die angreifenden Spieler immer hinter die blaue Linie fahren, wenn der Puck aus dem Angriffsdrittel in die neutrale Zone gespielt wird (“Und die Idioten brechen permanent ihre Angriffe ab!”). Doch damit nicht genug. Natürlich dreht die Düsseldorfer EG das Spiel, haut in der dritten Overtime (“Gibt es kein Elfmeterschießen?”) das Ding zum 6:5 Serienausgleich rein.

Für den Eventy ist nun der Moment gekommen, das Ruder an sich zu reißen (“Bei den Ahnungslosen, die hier immer sind!”). Vor dem Stadion, auf der Rückfahrt, werden gegnerische Fans bepöbelt (“Ist doch beim Fußball genau so!”), den Einheimischen Tipps gegeben (“Warum hat der Trainer nicht früher reagiert!?”). Zuhause angekommen ist noch nicht Schluss. Facebook (und nur Facebook) wird hochgefahren. Zeit für ein paar Beobachtungen. Besonders beliebt ist die Beschwerde, auf den Stehplätzen von Dauerstehern vertrieben worden zu sein (“Ich stand hier schon seit zehn Minuten!” – “Schleich dich, ich seit fünf (!) Jahren!”) Parallel wird der Online-Shop der DEG leer gekauft und zum nächsten Spiel werden die neu erstandenen Artikel ausgeführt. Natürlich mit deutlich potenziertem Verhalten und Anspruchsdenken. Man war ja schon einmal da, und so lange es erfolgreich ist, bleibt man dabei.

Eventys ruinieren den Ruf anderer

Genau das alles macht den Eventy aus. So übertrieben das klingen mag, es gibt in Düsseldorf leider sehr viele, die sich derart beim Sport benehmen. Auf diese Menschen haben viele Groll, sie sind Mittelpunkt einer seit Jahren laufenden Diskussion. Wisst ihr auch warum? Weil sie den immer gehenden Fans die Laune verhageln können. Und, was noch schlimmer ist, weil sie ehrlich interessierte Neuankömmlinge in eine Ecke drängen, in die sie nicht gehören. Denn wenn ich mir eines wünsche, dann ist es, dass die DEG in diesen Playoffs wieder ganz viele neue Fans bekommt, die in guten wie in schlechten Zeiten bleiben und diesen Sport für sich entdecken. Von daher eine aufrichtige Bitte: Wenn Ihr an Euch bei Fortuna, Borussia Dortmund oder dem FC Bayern München solche Eventy-Verhaltensweisen wie oben beschrieben schon einmal beobachtet habt: Bleibt in den Playoffs zu Hause. Es wird sich sicher jemand finden, der Euer Ticket mehr verdient hat.

 

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