Wenn keiner den DFB sehen will

IMG_0140Das Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Finnland ist ein Ladenhüter. Obwohl es das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger ist – in Mönchengladbach interessiert es kaum einen. Was auch wenig verwunderlich ist.

18.000 Tickets im Vorverkauf – das ist eine traurige Bilanz. Als diese Zahl in der Pressekonferenz vor dem Finnland-Spiel ruchbar wird, kriegen das die wenigsten Fans von Borussia Mönchengladbach mit. Sie hängen, die Aktualisierungstaste drückend, im Ticketportal ihres Clubs, um eines der begehrten Billets für die Champions-League zu bekommen. An den DFB denkt in dem Moment kaum einer.

Und so sinnieren sie nun beim DFB, woran es liegen könnte. Bundestrainer Löw spricht sinngemäß von einer Übersättigung der Fans nach einem großen Turnier – er sei daher nicht überrascht. Andere führen die hohen Preise an, andere die Bedeutung von Testspielen, selbst wenn sie das Abschiedsspiel eines verdienten Akteurs des DFB sind. Aber vielleicht ist ein ganz anderer Punkt ausschlaggebend: Mönchengladbach ist einfach auch einer der wenigen Orte, an denen die Nationalmannschaft den meisten Fans am Allerwertesten vorbei geht.

Warum Gladbacher nominieren, wenn man Kölner Clowns hat

Wieso das so ist? Vielleicht liegt es an der beharrlichen Verweigerung Löws, Mönchengladbacher Spieler zu nominieren. Seit Jahren schon haben selbst auf dem Zenit ihrer Form befindliche Spieler keine Nominierung bekommen. Es ist tatsächlich ein Wunder, dass Patrick Herrmann nur zwei und Tony Jantschke noch keine Länderspiele haben. Es gab Spielzeiten, da diese beiden die besten deutschen Spieler auf ihrer jeweiligen Position waren.

Und während ein André Hahn nach einer schweren Verletzung Tore um Tore schießt, darf statt seiner ein Lukas Podolski in der deutschen Nationalmannschaft im DFB-Team weiterblödeln und das “Kölsch Jefööhl” im Team hochhalten. Ebenfalls zur Freude niederrheinischer Gladbach-Fans. Und auch Köln-Mütze nach dem gewonnen EM-Viertelfinale gegen Italien, die er und Jonas Hector durch das Stadion trugen, war sicher kein großer Anreiz, die Herzen der Gladbacher höher schlagen zu lassen.

Gut war nur Christoph Kramer

Selbst vermeintliche Erfolgsgeschichten sind eigentlich keine: Marco Reus und Marc-André ter Stegen boten zwar Leistungen, die ein Ignorieren schwer machten, wurden aber in ihrer Gladbacher Zeit beim DFB-Team nicht glücklich. Einzig die Cindarella-Story des am WM-Höhepunkt geistig abwesenden Christoph Kramer war ein positiver Moment in der langen Serie Gladbacher Missverständnisse seit Joachim Löw im Amt ist (Über das Kapitel Max Kruse wollen wir uns hier nicht auslassen.). Ob jedoch Kramer jetzt, als fest verpflichteter Borusse, noch einmal dabei sein wird? Manch einer hat da sicher eine skeptische Haltung. Erst recht, wenn man sieht, wie schnell gerne mal Hoffenheimer Talente mitgenommen werden, während ein Mo Dahoud der ganzen Liga Knoten in die Beine spielt (zumindest in der vergangenen Spielzeit).

Die Krone der Entfremdung zwischen Fans und dem DFB-Produkt

Insofern ist es wenig verwunderlich, dass es keinen schlechteren Ort für ein Testspiel gibt als Mönchengladbach. Nur es scheint niemandem beim DFB sonderlich zu stören. Vielleicht passt es den Verantwortlichen der Nationalmannschaft sogar gut in den Kram. Hat man doch dann einen guten Grund, warum es Sinn ergibt, das renitente Volk in Gladbach nur im Notfall zu würdigen. Mit einem Satz wie “Seht her, selbst zum Schweinsteiger-Abschied kommen die nicht”, könnte man sich das ganze schönreden.
Sollten sie wirklich so beim DFB denken, selbst das wäre den Leuten in Gladbach wohl Wurscht. Im Gegenteil: ein Pflichtspiel weniger für die stark geforderten Borussia-Spieler ist mehr Zeit für Regeneration. Die Ausreden, die man sich so beim DFB vielleicht parat legen will, können einem dann gestohlen bleiben – Erfolg hat man gerade sowieso. Da braucht es keinen DFB. Und an der zuletzt gestiegenen Entfremdung zwischen Fans des DFB und ihrem Marketing-Produkt ist sicher niemand aus Mönchengladbach schuld. Dafür sind in der Regel zu wenige Akteure des Clubs in die Belange des DFB eingebunden.

8 Kommentare

  1. Ich stimme Dir im Großen und Ganzen zu. Warum ein Poldi nominiert wird, ein Hahn in Hochform aber nicht, erschließt sich mir auch nicht. Allerdings stimmt deine Aussage, Herrmann hätte noch kein Länderspieleinsatz gehabt, nicht. Er debütierte ausgerechnet in Köln am 10. Juni 2015 im Testspiel gegen die USA. Er war der Beste und gab eine fantastische Vorlage zur 1:0-Führung durch Mario Götze.
    Umso erstaunlicher, dass er danach keine Gladbacher nominierte.

  2. Stimme dem Artikel zu. Nachdem ich mich in der Vergangenheit öfter mal geärgert habe, dass kein Gladbacher für die Nationalmannschaft spielen durfte (darf)… Heute denke ich: Die Jungs sollen besser für Gladbach spielen und unseren Verein voranbringen, anstatt bei irgendeinem bedeutungslosen Länderspiel die Knochen hinzuhalten. Und in der Sommerpause besser Regeneration als Turnier… Mittlerweile sehe ich das ganz pragmatisch. Die Spieler sind zunächst und zuerst Angestellte des Clubs Borussia Mönchengladbach und da liegt für mich auch die Priorität. Soll Herr Löw doch die Kölner, Hoffenheimer, Bayern, Dortmunder nominieren… passt scho!

  3. Ich finde es klasse, das keiner unserer Spieler zu dieser unsäglichen Veranstaltung eingeladen wird. Hoffentlich bleibt das so. So lange sich „Die Mannschaft“ und „Ihre Fans“ weiter so rasant von der ursprünglichen Idee – es geht um eine Fußballspiel – und nicht um ein Event entfernt; muss man sich nicht wundern, dass sich die eigentlichen Fußballfans abwenden! Das sind alles nur noch „Kirmesveranstaltungen“!

  4. Ich denke, unabhängig vom Spielort Mönchengladbach spielt auch die Tatsache eine nicht zu vernachlässigende Rolle, dass man den seit „Urzeiten“ bestehenden Namen der DEUTSCHEN NATIONALMANNSCHAFT in diesen wohl von neumodischem Gedankengut geprägten Namen „Die Mannschaft“ umgewandelt hat. Die Identität des feinfühligen deutschen Fussball-Fans mit seiner eigenen Nationalmannschaft ist aus meiner Sicht schon immer ein sehr wichtiger Faktor…, leidet diese Identität durch solche hirnrissigen Namensänderungen, müssen sich die Herren vom DFB nicht wundern, wenn das Interesse am Produkt „Die Mannschaft“ sukzessive nachlässt! Und dieses auch unabhängig vom Spielort Mönchengladbach…

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*