Was läuft da mit den Pyros?

Da brent nichts im Aalen-BlockNach gefühlten hundert Wochen war es am Wochenende soweit – der Profifußball ist gestartet. Zumindest für mich, da wir hier in Düsseldorf umgeben sind von Zweitliga- und Viertligaclubs. Also stand das Programm fest: Freitag Oberhausen, Samstag Bochum und Sonntag Duisburg. Denn so uninteressant waren die Gegner mit Essen, Dresden und Aalen nun mal nicht. Neben sportlich interessanten Duellen boten die Partien auch die Gelegenheit zu schauen, wie die Fans der Clubs mit der “Gewaltdebatte”, Entschuldigung, “Gewaltorgiendebatte”, ähh, ne besser “Blutgewaltmassakerorgiengewaltdiskussion“ umgehen. Und siehe da, nicht passiert.

Zwei mal Gästefans, die Lichtjahre vom Friedensnobelpreis entfernt sind, ein Auswärtsblock prall gefüllt mit überhormonisierter Dorf-Disco-Ultra-Gruppierung (Aalen) und was ist die Bilanz: Nicht ein Pyro! Vor allem die Lager von Rot-Weiß Essen und Dynamo Dresden sind ja eigentlich immer für ein kleines Feuer gut. Nicht zu unrecht sind sie Teil der “Blutgewaltorgienmassakergewaltexzessendiskussion”. Aber, dass am ersten Spieltag nichts kommt, dass wundert schon sehr. Dass selbst die kleinen Dorfjungs aus Aalen ihre Gelegenheit ungenutzt liesen, auf größerer Bühne mal richtig BÖSE zu sein, hat mich dann schon überrascht. Und genau in diesem Spiel, was jenseits aller Feuerwerksbedenken lag, lieferte Aufschluss: In der 60. Minute, beim Stand vom 1:4 gegen den MSV, stimmte die Duisburger Kurve ein nettes “Fußball-Mafia DFB” an, was mit Spruchbändern gegen den Vereinsvorstand(?!) optisch untermalt wurde. Daraufhin fingen auch die Aalener “Disco-Boys-Hörer” an, mit in den Anti-DFB-Gesang einzustimmen. Es scheint mal wieder so, dass sich die Ultras untereinander abgesprochen hätten, die Fakeln zu Hause zu lassen. Auch wenn die Forenrecherche nichts dergleichen zu Tage führte.

Ich hoffe allerdings, dass es nicht schon wieder so einen Kuhhandel, wie in der vergangenen Saison gibt. Damals hatten sich die Fans der Clubs mit DFB und DFL darauf verständigt, an den ersten fünf Spieltagen keine Pyros zu schmeißen. Zur Belohnung sollte es dann Gespräche darüber geben, ob ein kontrolliertes Abbrennen irgendwann einmal erlaubt sein kann. Nach dem vierten Spieltag erklärten die Verbände jedoch, offiziell habe es nie eine solche Vereinbarung gegeben. Womöglich weil die “gut unterrichteten” Sportausschüsse von Landtagen und Bundestag Alarm geschlagen haben. (Trendsportarten in diesen Ausschüssen übrigens: Wichtig gucken am Bankett, VIP-Logen-Hopping ohne angemeldeten geldwerten Vorteil und Fordern was das Zeug hält)

Die Folgen sind bekannt: Mit dem DFB-Pokal-Spiel Dortmund gegen Dresden ging das Zündeln los – geworfene Pyros en masse und zum Finale das unrühmliche Verhalten der Hertha-Fans in der Relegation. Jetzt also ein neuer Deal? So naiv werden die Ultras hoffentlich nicht sein? Denn so sehr es der Traum eines jeden Ultra bleibt: politisch ist ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik im Fußballstadion nie durchsetzbar. Sollte es jedoch ein Statement dazu sein, dass es auch ohne Feuerwerk geht, ist das kein verkehrter Ansatz. Dann aber sollten die Gruppen drauf achten, sich nicht von Verbänden und Politik vereinahmen zu lassen. Ich seh die “Offiziellen” nämlich schon vor mir, wie sie behaupten, dass die Ultras ja lernfähig seien und auf die klugen Ratschläge gehört haben. Aber eigentlich sind es die Offiziellen, die endlich mal von den Fans (und dazu gehören auch die Ultras) lernen könnten. Erste Angebote hat es ja am Wochenende gegeben.(cu)

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