Vorfreude auf Bayern?!

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Irgendwie bin ich ja schon erleichtert, wenn ich in den letzten Tagen lese, dass Manager, Trainer und Spieler der Borussia gegen Bayern tatsächlich was reißen wollen. Keine Sprüche à la “gut aussehen gegen die beste Mannschaft der Welt” oder “unsere Punkte müssen wir anderswo holen”. Alles schon gehört in dieser Saison von den diversen Bayern-Gegnern, die sich scheinbar schon vor dem Anpfiff damit abgefunden haben, gegen die Millionen-Truppe von der Isar aber auch so gar keine Chance zu haben.

Ganz schlimm wird es, wenn darüber fabuliert wird, die Partie gegen die Bayern sei doch das “einfachste Spiel des Jahres, in dem wir gar nichts zu verlieren haben”. Wer so salbadert, hat schon verloren: meistens das Spiel, dazu aber auch noch ein gutes Stück von sportlicher Ernsthaftigkeit.

Nur wer an sich glaubt, hat eine Chance. Eine Allerweltsweisheit, die nichtsdestrotz richtig bleibt. Wer aber vor lauter Bewunderung für die Überbayern schon vor Anpfiff seine eigenen Ambitionen kleinredet, der bekommt diese Chance erst gar nicht. Und wer als Fan vor Bewunderung erstarren will, der gehe nicht ins Stadion sondern kaufe sich Tickets für die Show-Basketballtruppe Harlem Globetrotters.

Ich nehme mich selbst da übrigens gar nicht aus. In den spielfreien Wochen habe ich mich nämlich selbst gefragt, warum ich mich eigentlich gar nicht so richtig auf den Rückrundenstart freue. Warum ich viel enthusiastischer bin, wenn es gegen Freiburg oder Hoffenheim geht und ich die Partie gegen Bayern irgendwie anders angehe – fast so wie ein Freundschaftsspiel. Und bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass auch ich selbst mich in dieser Falle verfangen hatte – nach dem Motto: “Denen ist sowieso nicht beizukommen.” Angesichts der allzu häufigen haushohen Überlegenheit der Bayern, die ja selbst in Dortmund locker mit 3:0 gewonnen haben, ja auch kein allzu abwegiger Gedanke.

Die Lust aufs Spiel ist eigentlich erst wiedergekommen, als ich gelesen habe, dass die Borussia trotz allem mit der Einstellung in die Partie geht, gewinnen zu wollen. So muss das sein, egal, wie es dann tatsächlich ausgeht. Der Wille zählt und muss auf dem Spielfeld sichtbar werden.

Früher war daseine Selbstverständlichkeit. In den achtziger Jahren waren Heimspiele gegen die Bayern immer Festtage. Jede Mannschaft holte dann wirklich das Letzte aus sich heraus – es war eine Frage der Ehre, Bayern zu schlagen. Dafür war man Fußballer geworden, von solchen Siegen zehrten Truppen wie etwa MSV Duisburg oder Bayer Uerdingen noch nach Jahren – selbst wenn sie zwischenzeitlich abgestiegen waren. Es gab Fans (auch der Schreiber dieser Zeilen zählt dazu), die durch die nordrhein-westfälischen Stadien zogen, um – wo auch immer – die arroganten Bayern verlieren zu sehen.

Da fehlt mir inzwischen übrigens auch in Gladbach noch etwas: diese Abneigung den Bayern gegenüber. Gut, die letzten beiden Jahre mit Jupp Heynckes, da konnte man eine gewisse Grundsympathie empfinden. Damit ist aber Schluss. Bayern München ist keine unantastbare Wundertruppe sondern ein Gegner. Und den will und kann man schlagen… (ks)

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