#VARscheinlich egal

Borussia Mönchengladbach steht von den Punkten her nicht so schlecht da. Und trotzdem ist die Stimmung mau, es ist erstaunlich Trist – wie unser Autor nach der unsäglichen 0:1-Niederlage in Freiburg anmerkt.

Mensch war ich frustriert. Steht ja alles auf Twitter. Oder doch nicht? Nein. Der Frust ist nicht mehr als eine Patina, die die rundlederne Belanglosigkeit überzogen hat.

Erst kam die Liga: Begegnungen, die wie die Aktenkammer des Einwohnermeldeamtes Bad Salzuflen riechen und so unterhaltsam wie Improvisations-Comedy mit Chris Tall sind. Verschieben, alles raushauen, Mentalitätsmonster. Monstermentalität. IngolWolfHoffen olé. Dann kam, aus den gedimmten Muff-Katakomben Kölns, die Verheißung: Der Videobeweis. Endlich lieferte jemand dem Volkssport Nummer eins, was Max Frisch und Heinrich Mann literarisch souffliert hatten. Perfektion, Kontrolle. Besserer Fussball, richtigere Fußballmenschen. Damit setzte nun jedoch eine dramatische Beschleunigung dessen ein, was sich wie die Rückkehr zum alten Uni-’Kultschuppen’, in dem man immer so toll gefeiert hatte, anfühlte. Zehn Jahre später. Nüchtern. Da zuckt man halt mit den Schultern. #VARscheinlich Elfmeter. Sicher Elfmeter, sagt ja auch der Marder mit der Edelgasstimme. Aber mir egal. Belanglos.

Nicht jedoch meine Borussia. Niemals. Dort, wo alles Mythos ist, ‘Netzer, Heynckes’ aus der Eickener Erde flüstert wie der Birnbaum des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck, wo immer wieder locker mit den rheinischen Großstädten in der nicht-elitären Kunstform des Scheiterns gleichgezogen wird. Oder doch nicht? Ich weiss nicht mehr, wann sich die Emotionen ins Volatile verzogen haben. Ins Momentane, nicht das alles Durchdringende von früher, wie die auftauenden Oberschenkel unter der Dusche nach 90 Minuten Kreisligakick im Winter. Irgendwo, irgendwann 2017. Und ich merke in diesen verschenkten Ligaspielen zum Jahresausklang, dass uns Gladbachern nur der Spiegel vorgehalten wird. Fohlenelf, das ist natürlich auch bieder, auch belanglos. Der #VAR ist da nur das Brennglas auf der Sonnenterrasse, das einen aufzucken lässt. Schmerz des Absurden.

Das Absurde der Gladbacher ist jedoch nicht schmerzhaft, sondern entwöhnend: Es ist kompliziert, sich mit dieser Mannschaft 2017 zu solidarisieren, Emotionen zu empfangen: Weil man merkt, dass eine Diskrepanz herrscht zwischen Potential und Ausführung (siehe auch: #VAR). Mit einem Kader, in dem viel feiner Fußball haust, nicht mehr Birnen aus der Eickener Erde herauszukloppen, sondern ganz benebelt zwischen den Verwaltungsfachkräften herumzudriften, zieht einem den Rausch aus den Adern. Wir haben in den 90ern und 00ern die limitierte Borussia nach vorn geschrien, weil wir ihr die Absicht abgenommen haben. Wir haben die Renaissance-Fohlen unter Lucien Favre bewundert, weil wir gesehen haben, was mit dem Ball so oft so schön passierte. Aber wofür steht der Fußball von Borussia Mönchengladbach heuer? Macht es den Spielern Spaß? Warum rennt der SC Freiburg 50 Stunden nach dem letzten Pflichtspiel mehr, gewinnt mehr Zweikämpfe und schießt 17mal mehr aufs Tor als die Borussia, die sich doch tabellarisch an die Champions League-Plätze krallen sollte? Warum sieht das alles so egal aus, bei uns? Manchmal, häufig, zu oft? Warum kann man nur mehr polemisch sein, Phrasen dreschen – wie die Anderen, die Belanglosen? Wer hat Raffa, Fabian und Yann mit egal-Klonen ausgetauscht? Kann das einer in Köln sehen, auf den Schirmen? Jetzt hilf mir endlich, #VAR. Es ist sonst so egal geworden.

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