Und schon wieder eine neue Liga für NRW

Fan von Rot-Weiß Oberhausen möchte man in den letzten zwei Jahren nun wirklich nicht sein. Grad noch auf dem Weg, sich in der zweiten Liga als feine Alternative im Ruhrgebiet zu etablieren, findet sich der Verein auf einmal in der Vierten wieder. Aber beim diesjährigen Abstieg hatten die Oberhausener wenigstens ein bisschen Glück, mag der ein oder andere meinen. Statt in die irgendwie seltsam zusammengewürfelte Regionalliga West/Südwest ging es in die neu gegründete Regionalliga West. Und diese neue Liga soll ja für den Zuschauer attraktiver werden. Doch wer genau guckt: Die Regionalliga West ist von der eingestellten NRW-Liga so weit entfernt wie Twix von Raider. Und die landesweite Staffel wurde ja eben erst zum Rohrkrepierer erklärt, weil sie zu unattraktiv und im Endeffekt unrentabel gewesen sei.


Aber was soll es – die NRW-Liga war die fünfthöchste Spielklasse, die Regionalliga West ist jetzt die Vierte. Das wird schon genug Zuschauer anziehen, so die Hoffnung. Und als wollten die Verantwortlichen Verbandsherren jeden Zweifel an der neuen Klasse zerstreuen gab es am ersten Spieltag gleich mal nen “Kracher” zum Auftakt: Zwei Mal Ruhrgebiet Rot-Weiß, Oberhausen gegen Essen – das nach Pflichtspielen gierende Fußballfachpublikum an Rhein und Ruhr hatte seinen “Place to be” – ab ins Niederrheinstadion. Und zumindest dieses Spiel gab Anlass dazu, dass es vielleicht doch etwas werden könnte mit dieser Liga. Mehr als 13.000 Zuschauer, ein Oberhausener Stadion so voll wie wahrscheinlich in den vergangenen zwei Jahren nicht und ein Spiel, dass sich sehen lassen konnte: Ein besseres Oberhausen verliert gegen ein gut eingestelltes Essen mit 2:4. Anscheinend hat die „RevierSport“ recht mit der These, dass RWE ein aufstrebender Club ist, der bald mal wieder ein paar Ligen höher auflaufen dürfte. Es haben aber wohl auch die Recht, die RWO-Trainer Mario Basler unterstellen, dass er taktisch nicht zu den besten zählt. Denn spielerisch war Oberhausen überlegen, aber taktisch genauso dumm, wie zuletzt in der dritten Liga.

Jedoch sind wir nach dem ersten Spieltag weit davon entfernt, wirklich sagen zu können, wer in der Regionalliga-West wirklich gut oder schlecht ist. Unter den 20 Teams sind jede Menge, die sich zu höherem Berufen fühlen. Teils berechtigt, teils begründet durch die eigene Geschichte: Die beiden gestrigen Kontrahenten zum Beispiel oder Teams wie Viktoria und Fortuna Köln sowie Lotte, Wuppertal und Siegen. Sportlich sicher interessant, nimmt man die Zweitvertretungen von Mönchengladbach, Düsseldorf oder Schalke dazu. Aber am Ende wird die Perspektive entscheiden. Und die ist für die Liga mehr als schlecht, aus einem folgenschweren Geburtsfehler. Denn so spannend die Runde auch sein könnte, der Kampf um die Meisterschaft ist nicht gleich mit dem Aufstieg verknüpft. Wer Meister wird, der muss noch durch eine Aufstiegsrunde mit den anderen Regionalligameistern. Und da wird sich dann am Ende bestimmt der ein oder andere süddeutsche Mäzen oder österreichische Dosenhersteller im Osten finden lassen, der dem Meister der „NRW-Liga“ den Gang in die Dritte verwehren wird. Und solange das so ist, kannste dir RWO gegen RWE inner Vierten irgendwie nicht schön reden. (cu)

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