Sportstadt in Flammen

Vikings, Quelle: Esbjergfreak

Eigentlich begann die Spielzeit in der selbsternannten Sportstadt Düsseldorf mit Voraussetzungen, die so gut waren, wie lange nicht: Fortuna Düsseldorf ist wieder Bundesligist, die städtische Arena, in der die Fortuna spielt, wurde zumindest für den Sport insgesamt gut vermarktet. Der “Gauselmann-Deal” brachte zwar den Fußballern kein Geld, aber dafür profitierten die anderen. So freute sich zum Beispiel die Düsseldorfer EG über Gelder aus dem Geschäft, ebenso wie die Zweitliga-Handballer Rhein Vikings, die einen weiteren Schritt Richtung Bundesliga unternehmen wollten.

Der Gauselmann-Deal und die Fortuna

Doch die Vermarktung des Arena-Namens zugunsten aller anderen löste bei der Fortuna Entsetzen aus. Seitdem beschwert sich der Verein über die Stadt. Vorstandschef Robert Schäfer steht im offenen Konflikt mit den Verantwortlichen der Stadt und deren Töchterfirmen. Kaum eine Woche vergeht seit Bekanntwerden des Deals mit Forderungen beider Seiten. Vonseiten der Stadt argumentiert man, dass der Club mit der Arena über die Jahre sehr viel Hilfe bekommen hat, Fortuna sieht sich im Wettbewerb mit anderen Vereinen benachteiligt. Sie hole nicht genug eigenes Geld aus dem städtischen Stadion, heißt es.

Diese vereinfachte Variante des Konflikts hat die Stimmung zwischen Rathaus und dem Fortuna-Vorsitzenden Robert Schäfer nicht besser werden lassen. Der Politik dürfte die peinliche Posse um die Vertragsverlängerung des Fortuna-Trainers Friedhelm Funkel nicht ungelegen kommen. Seit der Vorgänge im Trainingslager ist Schäfer angezählt, seine Tage scheinen gezählt. So vermischt sich dann wieder – für Düsseldorf seit den Tagen des ehemaligen Oberbürgermeisters Joachim Erwins nicht unüblich – der Sport auf unrühmliche Art und Weise mit der Politik.

Das Vikings-Desaster 

Doch die Fortuna bietet noch nicht einmal die brisanteste Baustelle. Die findet sich im Handball. Dort eskaliert ein Streit, dessen Folgen massiv sein könnten. Als vor anderthalb Jahren das Kunstprodukt “Rhein Vikings” gegründet wurde, klopfte man sich – entgegen aller Kritik – auf die Schulter. Der Zusammenschluss der zweitklassigen Handballer aus Neuss mit den viertklassigen aus Düsseldorf sollte der Anfang einer Erfolgsstory werden. Doch bei den Vikings verloren sich im Düsseldorfer Castello selten genug Zuschauer, der Club wirtschaftete zudem schlecht. Das Produkt kam nie wirklich an. Bei der Stadt schaute man sich längst nach Alternativen um. Mit Heimspielen des Bergischen HC (BHC), der Erstligist aus Solingen und Wuppertal, sollte ein paar Mal der Dome gefüllt werden.

Die Stadt bat daraufhin die Vereine für die Gastspiele des BHC zu werben. Als ein Vikings-Verantwortlicher öffentlich kritisierte, dass es dem Verein nicht möglich sei, auch noch für die BHC-Spiele in Düsseldorf zu werben, während man selber um jeden Besucher kämpfe, war der längst angeschlagene Zweitligist endgültig geliefert. Der Vertrag zwischen Stadttochter D.Live und Vikings wurde außerordentlich gekündigt, das entsprechende Schreiben liegt uns vor. Darin heißt es unter anderem: “In den letzten Wochen waren der Presseberichterstattung interne, vertrauliche Details zu entnehmen, die auch unsere Zusammenarbeit betreffen und die ausgeschiedenen Personen – jedenfalls teilweise – nicht bekannt sein konnten.” Mit diesen Worten neigt sich ein Text dem Ende entgegen, der für die Vikings wohl der Todesstoß ist.

Schadenersatzklage gegen Stadt und Verantwortliche

Und das ruft den Mann auf den Plan, der die Neusser Handballer einst nach Düsseldorf brachte: Thomas Koblenzer. Der Jurist war einer der Hauptverantwortlichen für die Fusion seiner Neusser Handballer mit denen aus Düsseldorf. Auch er gehört zu denen, die mit dem Projekt jetzt gescheitert sind. Er ist der Grund, warum dieses Scheitern jedoch nicht geräuschlos vonstattengehen wird. Koblenzer hat die Sportstadt auf Schadenersatz verklagt. Seiner Meinung nach haben die Verantwortlichen in der Stadt Zusagen nicht eingehalten. Vor allem Peter Kluth, der omnipräsente Vertraute des Düsseldorfer Oberbürgermeisters, scheint für Koblenzer mitverantwortlich zu sein. Auch gegen Kluth ist die Klage gerichtet.

Ganz überraschend ist das nicht. Kluth gilt als einflussreicher Manager in der Stadt. Ehrenamtlich (laut eigener Aussage) versucht der handballaffine Jurist den Profi-Sport in der Stadt zu verbessern. So ist er in großen Teilen verantwortlich dafür, dass vor zweieinhalb Jahren die DEG vor dem Ruin gerettet wurde. Kein größeres städtisches Sport-Projekt läuft ohne ihn. Kluth agiert offiziell im Hintergrund, der aber eigentlich keiner ist. Jeder in der Stadt weiß um seine Rolle, Verdienste aber auch Schwierigkeiten. Seine Befürworter loben, dass er eine große Rolle dabei gespielt hat, die finanziell maroden Event-Hallen der Stadt so gut auszulasten wie nie. Seine Gegner kritisieren seine scheinbar unkontrollierbare Machtfülle, die ihm das Rathaus einräumt und sein Auftreten. Wenn Dinge nicht so laufen, wie es sich Kluth vorstellt, folgen nicht selten unsouveräne Auftritte in Sozialen Medien. Für Kluth könnte die öffentliche Auseinandersetzung mit Koblenzer unangenehm werden. Zumindest hat die einstige Neuss-Düsseldorfer Handball-Ehe nun endlich das Prädikat “Rosenkrieg”.

Unangenehme Fragen um den Bergischen HC

Aber auch Düsseldorfs neustes Handball-Projekt wird in den kommenden Wochen sicher die ein oder andere Frage aufwerfen. Handball-Erstligist Bergischer HC spielt ab der kommenden Saison dauerhaft mehrere Heimspiele im nördlichen ISS-Dome, die bisher lose Zusammenarbeit wird enger. Die Stadt will sich über ein nicht genauer bekanntes Konstrukt am BHC beteiligen, der Verein soll – laut uns vorliegenden Entwurf für die Kooperation – 37.500 Euro Nettomiete pro Spiel zahlen. Experten halten dies für sehr günstig. Außerdem garantiere die städtische Tochter D.Live eine Millionen Euro für den Etat der Handballer. Mit städtischen Geldern wird damit ein Handballverein aus einer anderen Stadt mitfinanziert? Eine Darstellung, der D.Live inzwischen entgegen Tritt: Dieser Passus sei längst erledigt. Es gebe keine Garantiesumme, das habe der BHC auch akzeptiert, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung. Trotzdem: Ein durchaus kritischer Punkt, der da zeitweise auf dem Tisch lag. Zumindest stellen sich Fragen danach, welchen finanziellen Vorteil die Stadt Düsseldorf von den Auftritten der Erstliga-Handballer aus dem Bergischen haben wird.

Einzig bei der DEG herrscht Ruhe

Aktuell bereitet also einzig die Düsseldorfer EG bereitet sportlich wie organisatorisch Freude. Die Mannschaft von Harold Kreis überzeugt seit Beginn der Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga, hat sich im vorderen Tabellenbereich festgesetzt und gute Aussichten, mehr als nur die Play-offs zu erreichen. Im Umfeld steigt die Zahl der Sponsoren, Leistungsträger wie Bernhard Ebner können gehalten werden und so bleibt es insgesamt sehr ruhig auf der in der Vergangenheit immer wieder brodelnden Geschäftsstelle.

Trotzdem wird auch die DEG von den Unruhen um den Handball  nicht verschont bleiben. So ist auch Geschäftsführer Stefan Adam in den Streit um die Vikings involviert. Wenn auch nur am Rande. So fällt auf dem Höhepunkt der “Vikings-Krise” mehrfach der Name des ehemaligen Handballers (unter anderem beim LTV Wuppertal, wo er auch nach der Fusion zum Bergischen HC als Funktionär tätig war). Adam soll – so steht es in einem Protokoll – Verhandlungen mit den Spielern und deren Beratern führen. Laut eines 21-Punkte-Plans der Stadttochter DCSE zur “Professionalisierung der Vikings” kommt es aber nicht dazu. Zwischen Vikings und Stadt besteht Klärungsbedarf, wer am Ende bei Verhandlungen das sagen hat. Auch Adam selber sieht das scheinbar so. In dem Papier heißt es, dass er selbstverständlich im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten zur Verfügung stehe. Adam könne diesen Punkt aber keinesfalls so wie beschrieben leisten. “Er bestätigt, dass dort auch logischerweise die Geschäftsführung involviert sein muss”, schreibt ein Vikings-Vertreter.

Schlammschlacht mit Folgen?

Unabhängig davon, dass es am Ende wohl nicht dazu kommt, dass Stefan Adam auch noch die Rhein Vikings stabilisiert, der DEG-Chef spielt scheinbar eine zentrale Rolle in den Handball-Planungen der Stadt. Angesichts seiner Vita nichts Ungewöhnliches – aber ob man bei der DEG aktuell gewillt ist, den durchaus erfolgreichen Adam zu teilen? Wohl eher nicht. Zumal man an der Brehmstraße jetzt wohl alles unternehmen wird, nicht in den Strudel mitgerissen zu werden. Der Januar hat nämlich viele unangenehme Dinge im Düsseldorfer Profi-Sport offengelegt. Schlammschlacht inklusive. Dabei hatte die Saison der Landeshauptstadt NRWs doch so gut begonnen. Jetzt steht sie im Fußball aber vor allem im Handball vor schwerwiegenden Turbulenzen, die nicht folgenlos bleiben sollten.

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