Selbstverliebte Kopfnoten

tumblr_inline_nggwjbXBP21qzy7zaVielleicht bin ich einfach zu naiv. Zu romantisch. Zu sehr in der Vergangenheit verhaftet. Und zugegeben: Wenn ich montags den Sportteil aufschlage, schaue ich nie auf diese angeblich bei den Lesern so beliebte Rubrik der Spielernoten. Der Grund für diesen Text begründet sich für mich ausschließlich in dem von BILD-Düsseldorf-Sportredakteur Kitsch gezeigtem Verhalten nach den beiden jüngsten Fortunaspielen. Die waren tatsächlich zum davonlaufen gruselig. Unfassbare Patzer in der Abwehr und ein mangelhafter Spielaufbau konnte man für die Spiele gegen Sandhausen und in Aalen zusammenfassend mindestens festhalten.

Für die Pleite beim damaligen Abstiegskandidaten Aalen verteilte BILD-Redakteur Christian Kitsch fünf Sechser als Kopfnoten. Als am Folgetag die Noten der Kicker-Redaktion für das selbe Spiel erschienen, wunderte er sich noch, dass man in Nürnberg viel weniger heftig bewertet hatte:

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Die Hashtag-Setzung lässt vermuten, dass Herr Kitsch dem “Fachmagazin” Kicker wohl die Fähigkeit abspricht, ein Spiel ordentlich zu benoten.

Fünf Tage später folgte der nächste rot-weiße Mistauftritt und diesmal ließ Herr Ktisch niemanden mehr vermuten. Als er nach Abpfiff ankündigte, er habe sogar noch zwei Sechser mehr verteilt als am vorangegangenen Spieltag, wurde klar: Der Kerl haut gerne ungenügende Noten raus.

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Jetzt könnte man sagen, ja, ist doch die BILD, was erwartest Du von denen? Nicht viel, das ist klar. Und ja, vielleicht bin ich einfach zu naiv und erinnere mich noch zu gut an die Diskussionen über den Umgang mit Fußballspielern nach dem Freitod von Robert Enke. Da drehte sich ja auch vieles um die Wirkung schlechter Noten auf den Profifußballer. Ich fand gut, dass die “Hannoversche Allgemeine” anfangs ganz auf Kopfnoten verzichtet hatte. Denn mal ehrlich, wem bringen die etwas? Wird ein Spieler besser oder schlechter spielen, weil er am Wochenende mit “ausreichend” bewertet wurde?

Bei der HAZ hatte man die Kopfnoten dann aber auch ganz schnell wieder eingeführt. Angeblich, weil die Leser sie so sehr vermisst hatten. Was müssen das für Fans sein, denen elf bedeutungslose Noten wichtiger sind als eine ehrbare redaktionelle Entscheidung nach dem Tod eines lokalen Sporthelden?

Und in welcher Position sieht sich eigentlich der Redakteur Kitsch, wenn er sich bei Twitter öffentlich dafür abfeiert, dass er und seine Kollegen diesmal sogar noch zwei “ungenügend” mehr rausgehauen haben? Vielleicht ist es ja bloßer Stammtisch-Populismus, der auf eine große Schnittmenge zwischen seiner Leserschaft und den Heerscharen von Zuschaueren blickt, die nach dem dritten Sandhausener Treffer vorzeitig das Stadion verließen. Es ist aber auch schlicht verantwortungsloser Journalismus.

Nach Enkes Tod hieß es immer wieder: “Es darf auch mal ‘ne Fünf sein”. Und, ähnlich wie bei der Kicker Bewertung nach dem Aalen Spiel, wären ein paar “mangelhaft” vergangene Woche gegen Sandhausen durchaus vertretbar gewesen. Und den Unterschied zwischen einer Fünf und einer Sechs auf dem Platz muss mir auch einer erstmal erklären. Totale Arbeitsverweigerung und aktiv-dem-Gegner-den-Ball-zuspielen kämen für mich einer Sechs gleich. Zum Vergleich: Eine schulische Sechs ist ein abgegebenes, leeres Blatt. Nichts davon war allerdings am letzten Freitag auf dem Spielfeld zu beobachten. Und irgendwie lässt das doch vermuten, dass bei diesen Spielernoten vielmehr um die Selbstgefälligkeit der benotenden Redakteure geht und nicht wirklich um Journalismus und um Objektivität…

Vielleicht ist es ja auch einfach an der Zeit, dass wir anfangen, hier montags die Düsseldorfer-Fußball-Journalisten-Kopfnoten zu verteilen … Na, wie wäre das, Herr Kitsch? (bw)

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