Keine Panik vor der Hertha-Halbangst

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Düsseldorf hat einen neuen Oberbürgermeister. Andernorts, wo das für den Profi-Sport eine Meldung am Rande wäre, ist dies in Düsseldorf traditionell eine nicht ganz unwichtige Sache, besonders für die Fortuna und die DEG. Denn nirgends sonst – mit Außnahme vielleicht in Köln – sind Profisport und Politik so verwoben wie hier. Daher konnte man bei dem Sieg Thomas Geisels gegen Amtsinhaber Elbers auch leicht sorgenvolle Töne hören. Ein Schwabe, der Hertha-Fan ist, scheint für einige ein Tabu zu sein. Doch ist das wirklich so schlimm?

Natürlich weiß in Düsseldorf – seit der Halbangst-Relegation 2012 – jeder um das Nicht-Verhältnis der Fortunen zur Hertha. Und auch in anderer Sache ist Thomas Geisel jemand, der einen auf den ersten Blick kritisch nach Berlin schielen lässt. Wird Düsseldorf – ähnlich wie die Bundeshauptstadt – jetzt zur schwäbischen Enklave mit Kehrwoche und allem Spießbürger-Drumherum? Natürlich ist das alles etwas plump gedacht, aber aus manchem schnellen Gedanken spinnen sich ja nun auch mal schnell weitere. Da gibt es zum Beispiel die Angst, dass die Fortuna jetzt von der Stadt nichts mehr zu erwarten hat, und die DEG jetzt noch weiter ins Abseits gedrängt wird. Und was wird aus Handball und Tischtennis? Und wo wir schon einmal dabei sind: ohne einen Tennis-verliebten OB wie Dirk Elbers: Was wird aus dem Rochusclub?

Doch wer so denkt, bei dem hat die “Wir-Düsseldorfer-gegen-nicht-Düsseldorfer-Kampagne” von Dirk Elbers und der CDU gepunktet. Die Penetranz dieser Heimattümelei hatte zwischenzeitlich eine fremdenfeindliche Attitüde, dass man sich eher deswegen Sorgen um die Stadt machen musste, als um den Fakt, dass der Gegenkandidat nun mal kein Rheinländer ist. Ob als Alternative zu Geisel jedoch dieses “Weiter so des Klüngeligen” gut gewesen wäre, ist mehr als zu bezweifeln. Schauen wir daher mal auf die Fakten: Fortunas Stadion gehört der Stadt. Die zuständige Arena-Gesellschaft arbeitet allerdings weiterhin defizitär. Nur eine prosperierende Fortuna in einer der beiden Profi-Ligen kann Defizite ausgleichen. Daher kann auch einem “Hertha-Schwaben” wie Geisel das Geschehen der Fortuna nicht am Allerwertesten vorbei gehen. Vielleicht ist der Blick von außen gar nicht so schlecht für die Fortuna, hat Geisel doch angekündigt, sich für eine professionelle Infrastruktur am Flinger Broich einzusetzen. Und das ist auch dringend nötig. Denn – siehe oben – nur eine erfolgreiche Fortuna zwischen Platz sechs in der zweiten Liga und Platz zwölf in der ersten verspricht Arena-Einnahmen. Daher sollte man die Sorgen nicht haben, dass jetzt die späte Rache der Hertha folgt. Kritisch im Auge behalten sollte man eher, wenn Geisel auf einmal zum großen Fortuna-Fan mutieren würde. Das wäre ein Verlust an politischer Glaubwürdigkeit. Er ist nun mal Hertha-Mitglied und ist gut beraten, dass auch zu bleiben. Sympathien für die Fortuna darf er haben. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber ansonsten sollte er es halten wie Hannelore Kraft. Die Ministerpräsidentin von NRW weiß ganz klar, was es Fußballfans bedeutet, dass man nur einen Verein haben kann, der einem gegeben wird. Daher ist sie absoluter Fan von Borussia Mönchengladbach. Und das hält sie hoch, selbst wenn ihr halbes Umfeld in der Staatskanzlei zu Hause nach Dienstschluss im Köln-Trikot rumläuft.

Etwas anders verhält es sich mit der DEG. Hier kann man ruhig noch Fan werden. Das gilt auch jetzt noch, selbst wo sich im Verein wieder etwas bewegt, als derart irre, dass niemand von opportunistischen Motiven sprechen mag. Im Gegenteil: Die Düsseldorfer EG braucht weiterhin jeden Fürsprecher den sie kriegen kann. Immer noch ist Deutschlands faszinierendster Eishockeyclub weit entfernt von seiner alten Strahlkraft. Da die Stadt auch hier auf Umwegen Träger der Spielstätte ist, tut ein frischer Wind im Rathaus der Sache vielleicht ganz gut. Fragt man nämlich im Eishockey-Umfeld nach Dirk Elbers, gibt es kaum mehr als ein müdes Lächeln. Wohlgelitten war der Mann dort nie. Daher ist ein Neustart im Bezug auf die Verwaltung vielleicht ganz sinnvoll, um zum Beispiel endlich mal wieder ruhig und sachlich über die Anbindung per Straßenbahn an den ISS-Dome zu reden. Nach Jahren des Stillstandes könnte sich hier vielleicht eine Lösung ergeben.

Bliebe noch der nicht so populäre Spitzensport: Aus diesen Reihen kam zuletzt viel Kritik am Rathaus. Der Name “Sportstadt Düsseldorf” sei ein “Treppenwitz”, lies zum Beispiel Peter Kluth erklären. Im Wahlkampf war dies eine höchst erstaunliche Äußerung. Kluth ist nämlich einer der handelnden Personen beim ART Düsseldorf, dessen Handballer versuchen die Trümmer dieser Sportart in der Stadt aufzukehren. Außerdem engagiert er sich für die Leichtathletik in der Stadt. Er war von Elbers mehr als enttäuscht, was er auf unserer Facebook-Seite dokumentiert hat. Und dass, obwohl er – nach eigener Aussage – nie SPD-Wähler gewesen ist. Als Kanzleipartner des Rechtsanwaltes Robert Orth, der für die Düsseldorfer FDP als Abgeordneter im Landtag sitzt und ein großer Unterstützer der Schwarz-Gelben Politik im Rathaus war, schon eine bemerkenswerte Haltung. Es scheint in dieser Stadt wirklich viel Porzellan zerschlagen worden zu sein. Anders ist dieses Abwenden von der Stadtspitze kaum zu erklären.

Unterm Strich bleibt daher nur eins: Als Fortuna-Fan sollte man keine allzu große Angst vor einem schwäbischen Herthaner haben. Eher hätte ein “Weiter-So” mit einem rein repräsentationssuchenden OB Elbers den Spitzensport wahrscheinlich in noch ärgere Nöte geführt. Denn es ist nun mal so, wie es ist: In Düsseldorf funktioniert Sport ohne die Stadt nun einmal (noch) nicht. Und eine Neuausrichtung in Sportfragen, weg vom Publicity-Gedanken hin zum unterstützten Leistungsprinzip, kann so schlecht nicht sein. Schauen wir es uns also wohlwollend, aber auch kritisch erst einmal an, was der neue Rat und Thomas Geisel so vorhaben.

P.S.: Eine – sagen wir mindestens beobachtenswerte – Nachricht darf bei aller positiver Erwartungshaltung dann doch nicht unter den Tisch fallen: Wir waren erstaunt, dass selbst Christina Begale zumindest als wohlwollende Beobachterin von Thomas Geisel im Wahlkampf aufgefallen ist. Aber wie heißt es so schön in dem Buch “Per Anhalter durch die Galaxis”: “No Panic!” Das sollte auch im Bezug auf die ehemalige Büroleiterin des verstorbenen Oberbürgermeisters Joachim Erwin gelten. Hoffentlich!? (cu)

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