Schubert, Elvedi und der England-Plan

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Künftige England-Kohle?

Max Eberl gilt als Manager mit einem Plan – das konnte man vor dem Dortmund-Spiel wieder deutlich sehen. In der “Süddeutschen Zeitung” gab er ein Interview. In diesem skizzierte er, wie die Bundesliga im allgemeinen und die Borussia im speziellen gegenüber der englischen Premier League wettbewerbsfähig bleiben könne. Man müsse das Geld des neuen Fernsehvertrages, der England einen Geldregen bringt, abgreifen. Laut Eberl geht das am besten, indem man junge Spieler ausbildet, sie wettbewerbsfähig macht und für teures Geld nach England verkauft. Und dann das Eingenommene in weitere, noch bessere, junge Spieler stecke, die dann weitere Rendite bringen.

Der nächste, der diesen Plan zu einem funktionierenden machen könnte, ist Granit Xhaka. Er wäre – nach Reus, ter Stegen und Kruse – ein weiterer Spieler der von Eberl erbauten Borussia, der ordentlichen Gewinn bringt. Und nicht nur das: Die im Raum stehende Summe von 40 bis 50 Millionen Euro machen einen schwindelig und lassen die bisherigen Geschäfte wie Peanuts aussehen. Erst recht, wenn man weiß, dass mit Mo Dahoud ein weiterer Profi bereit steht, der ähnliches Geld bringen könnte, muss man sich also um die Finanzen keine Sorgen machen. Und sollten Spieler wie Dahoud und Xhaka gehen, stehen schon die nächsten Spieler aus dem Jugendinternat bereit oder gar im aktuellen Kader, wie das Beispiel Nico Elvedi zeigt.

Elvedi – der nächste große Scheck aus England?

Der 19-Jährige Schweizer kam für kolportierte vier Millionen aus Zürich, ausgestattet mit einem langfristigen Vertrag. Schon Lucien Favre sprach von einem guten Spieler, André Schubert ist von Elvedi scheinbar so richtig überzeugt. In den letzten Partien – auch zum Rückrundenauftakt – schmiss Schubert den Schweizer in die Startelf (sogar beim taktischen Coup gegen Bayern München), meist an der Seite des ebenfalls 19-Jährigen Andreas Christensen, der jedoch nur von Chelsea ausgeliehen ist, und somit keine großen Summen einspielen wird. Elvedi dagegen wäre ein Kandidat, der aus vier Millionen schnell mal das vierfache machen könnte, wenn sich ein englischer Verein in den kommenden drei Jahren bemüht, Kohle in Gladbach zu parken.

Somit wäre der Plan von Max Eberl dann ein weiteres Mal aufgegangen. Doch neben der Komponente des prognostizierten Karriereverlaufs und der erwarteten Rendite gibt es noch einen nicht ganz unwichtigen Faktor: die sportliche Gegenwart. Und die rechtfertigt eine Aufstellung des jungen Schweizers inzwischen nicht mehr. Schlimmer noch – die mutigen Entscheidungen André Schuberts könnten dazu führen, dass er einen jungen Spieler komplett verunsichert – noch übler gar, eine ganze Defensive und so die dringend notwendige (und auch gegen Dortmund vermisste) defensive Stabilität aufs Spiel setzt.

Keine voreilige Planerfüllung bitte

Elvedi braucht nämlich noch eine Menge Anleitung. Und die bekommt er auf dem Feld aktuell nicht. Andreas Christensen ist für eine solche Rolle – bei allem Potential – noch nicht reif. Ebensowenig ein junger Außenverteidiger wie Julian Korb. Der vierte Fixpunkt in der Abwehr, Oscar Wendt, ist aufgrund seiner Offensivausrichtung auch kein Stabilitätsanker für einen Spieler wie Elvedi. Und so passieren Stellungsfehler, wie sie gegen Dortmund oder Darmstadt. Das hohe Pressing der Gladbacher bedingt nun einmal, dass der Gegner zu schnellen Gegenstößen kommen kann, dementsprechend braucht es Verteidiger mit Erfahrung, Spielintelligenz und dem daraus resultierenden Stellungsspiel. Ein Profil, dass Nico Elvedi mit absoluter Sicherheit bald – jedoch noch nicht aktuell, erfüllen kann.

Das gelingt allerdings nur wenn er Sicherheit in seine Aktionen bekommt. Die bekommt er – das haben die Partien gegen Darmstadt und dann zum Rückrundenauftakt gegen Dortmund gezeigt – eben nicht an der Seite eines Spielers wie Andreas Christensen. Besonders gegen Darmstadt war das deutlich: Als Roul Brouwers neben Christensen verteidigte, wirkte die Abwehr, trotz hohem Pressings, mit einem Schlag souveräner und stabiler. Etwas, was gegen Dortmund fehlte. Diese Erkenntnis sollte daher in die kommenden Spiele einfließen: Die beiden hoch veranlagten Verteidiger brauchen noch einen verlässlichen – nicht zwingend besseren – Nebenpart. Und diese Rolle erfüllen wohl eher Roul Brouwers und Martin Stranzl, als Wendt, Nordtveit, Korb, aber auch Neuzugang Martin Hinteregger. Da ist es egal, dass die beiden brauchbaren Kandidaten – qua Alter – kein Teil des Eberl-Plans sind, Spieler mit Renditepotential zu fördern. Brouwers wie Stranzl helfen weiter, wenn sie Spieler wie Elvedi und Christensen auf dem Platz stützen – da ist der Wunsch nach überschneller Planerfüllung vielleicht der falsche Ansatz, den Schubert mit Elvedi und Christensen gewählt hat.

3 Kommentare

  1. Guter Kommentar!
    Schubert muss in der Tat aufpassen das er nicht zu weit nach vorne sieht und nicht zu Star an der Planerfüllung festhält.
    Die erste Prio ist, wie schon unter Favre eine Stabile defensive zu stellen. Da ist Martin Stranzl alls Lehrmeister unumgänglich.
    Nicht das uns zum Schluß das Torverhältnis um den Einzug in Interntionale bringt!!!

  2. Schöner Text, der die Situation gut zusammenfasst, allerdings kommt mir Elvedi (in allen Spielberichten) zu einseitig schlecht weg. Die Fehler, die zu den Gegentoren geführt haben, gehen genauso auf die Kappe der Vorderleute und derer, die den Ball vorne verloren haben. Gerade in diesem Spiel hätte ich mir z.B. von Nordtveit mehr Führungsstärke erhofft, aber er blieb blass und fehlerhaft in seinem Spiel.
    Das Problem ist im Moment wohl wirklich die Konstellation. Es gibt mit Elvedi und Hinteregger nur zwei gesunde Innenverteidiger für die linke Position. Weil Hinteregger noch nicht für 90 Minuten fit ist, entschied sich Schubert für Elvedi, das erscheint mir nachvollziehbar. Ob es mit Hinteregger besser läuft, zeigt sich ja vielleicht schon im nächsten Spiel. Ich bin davon noch nicht überzeugt. Das Spiel in Bochum hat gezeigt, dass Stranzl noch nicht wieder bei 100 Prozent ist und Christensen hatte als linker Innenverteidiger einige Probleme. Dass Xhakas Sperre die Option mit Howie verhindert, spielt natürlich noch zusätzlich eine Rolle.

  3. Meiner Meinung nach ist Borussia fussballerisch einfach nicht gut genug aufgestellt wenn Nordtveit im Mittelfeld spielen muss. Ich sehe ihn schon seit langem in der Abwehr, entweder als rechter Verteidiger, weil er wirklich dynamisch ist und auch einen guten Torabschluss hat, oder präzise Flanken schlägt. Oder, und das hat er meiner Meinung nach diese Saison bewiesen, in der Innenverteidigung. Er ist deutlich schneller als Elvedi und – wie ich finde – auch kopfballstärker. Wenn Nordtveit gespielt hätte, hätten wir diese Schnelligkeitsdefizite nicht gehabt. Elvedi braucht wahrscheinlich noch ein bisschen Zeit, um seine wohl fehlende Schnelligkeit mit besserem Stellungsspiel auszugleichen. Er ist ein guter Spieler, braucht aber noch ein bisschen Zeit. Ich bin trotzdem ganz froh, dass die Jungen eine Chance bekommen. So, wie Borussia unter Schubert spielt sehe ich sowohl für Stranzl, asl auch für Browers allenfalls Einsätze als Einwechselspieler, wenn es darum geht, ein Ergebnis zu sichern. Da fehlt ganz einfach die Schnelligkeit! So sehr ich das auch irgendwie bedauere, weil die beiden als Typen unglaublich sind – beide! Ich sehe jedenfalls überhaupt nicht schwarz für diese Saison und ich freue mich auf die nächsten Spiele!

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