Schluß mit Schwarzmalerei!

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Ort neuer, großer Erfolge: Der Borussia-Park

Borussia Mönchengladbach – das kann man jetzt sagen – ist ordentlich in die Saison gestartet. Nach dem 4:1 gegen Schalke wird klar, dass die Mannschaft in dieser Saison wieder das Potential besitzt, im vorderen Drittel der Liga eine Rolle spielen zu können. Sogar selbst mit der vielzitierten “Dreifachbelastung” von Liga, Pokal und EuropaLeague. Aber das ist er nun einmal, der Preis des Erfolges. Es gibt inzwischen kaum Gründe, mit Skepsis auf die kommenden Aufgaben zu blicken. Es sei denn, man heißt Lucien Favre und hat das große Ganze im Blick.

Der Schweizer Trainer hatte nämlich mal wieder vor der großen Konkurrenz gewarnt. In der “ZEIT” malte er sein Bild von der Borussia. Was sich anfangs sympathisch las, schlug gen Ende des Textes in ein leichtes Kopfschütteln um. Bis dahin hatte Favre nämlich fast alle Bundesliga-Clubs aufgezählt, die potentiell besser aufgstellt sind als sein Team, so dass der Borussia eigentlich nur noch der Gang in die Relegation bleibt. Hoffenheim? Hat jetzt endlich einen Torwart, der seinen Namen verdient, und somit ein wahrnehmbares Abwehrverhalten! Hertha? Einen Investor, mit dessen Hilfe man noch jeden holländischen Ex-Star bekommt. Stuttgart? Armin Veh ist da und der war ja mal Meister mit denen! Und zur Garnierung noch Wolfsburg und Hamburg, die ja (angeblich) Transfer-Kohle haben, wie Heu! Dass sich zu dieser Liste Bayern, Dortmund, Leverkusen und Schalke gesellen ist zudem selbstverständlich. Nur an dieser Stelle war es noch nachvollziehbar, wenn Favre eine gewisse Unmöglichkeit erkennt, die Borussia vor diesen Clubs zu platzieren.

Um es kurz zu machen: Nach diesem Artikel hatte ich das Gefühl, der Laden in Gladbach kann auch gleich geschlossen werden. Keine Kohle, keine Spieler, keine Perspektive. Die anderen machen es um so vieles besser. Und genau das stimmt nicht! Gut, man könnte zu Favres Ehrenrettung sagen, dass hier mal wieder die bösen, bösen Medien am Start waren und ein Gespräch mit ihm dann schön zugespitzt haben. Aber so leicht ist das in diesem Fall nicht. Die Kollegen haben mit Favre lange gesprochen, er kam in dem Text häufig zu Wort, es klang eindeutig nach dem Schweizer. Dass dieser nicht erst seit heute mit penetranter Akribie immer ein Haar in der Suppe findet, ist jetzt nicht überraschend. Aber das war schon ein ganzes Büschel Haare, wenn nicht gar das gesamte Kunsthaar eines Horst Köppels, das dieses Mal im favreschen Suppenteller lag.

Und damit sollte er vorsichtig sein. Denn die Fakten sagen was anderes. Nur mal ein paar Beispiele: Borussia hat in den vergangenen drei Jahren zwei Mal aus eigener Kraft – ohne großen Gönner und Sondereffekte – einen dreistelligen Millionenumsatz gemacht. Statt Verluste macht der Verein Gewinne. Wo andere mehr als zehn Millionen Euro für einen (nicht immer guten) Spieler hinblättern, zahlen die Gladbacher überschaubare Summen für Spieler mit deutlich höheren Marktwerten. Erinnert seien an die jeweils 2,5 Millionen Euro, die für Andre Hahn und Max Kruse gezahlt wurden. In Gladbach ärgert man sich noch heute über einen de Jong-Transfer, bei dem man einmal auf die Kacke gehauen hat, während andere Vereine auf ähnliche Art und Weise ihr Geld im Halbjahrestakt verbrennen, ohne sich groß aufzuregen. Und hinzu kommt das Jugendleistungszentrum, dass zielgenau sehr ertragreichen Nachwuchs produziert. Um es kurz zu machen: Seit Max Eberl Sportdirektor in Gladbach ist, wird ganzheitlich gearbeitet.

Eigentlich müssten daher die anderen Clubs jammern. Denn machen sie mal was besser als die Gladbacher, dann ist die Borussia ihnen in anderen wichtigen Feldern weit überlegen. Klar hat zum Beispiel der HSV einen Geldgeber. Der ist aber derart alte Schule, dass er Namen mit Leistung verwechselt, seine Nachwuchsvorstellung kilometerweit hinter der Borussia liegt und außerdem einen Verein unterstützt, der ohne ihn keine finanziell gesunde Basis hat. Mit Ausnahme von Bayern München, in Ansätzen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen, braucht die Borussia mit keinem Verein den Vergleich mehr zu scheuen. Eine Entwicklung die wir alle wollten, seit der Verein in den vereinseigenen(!) Borussia-Park gezogen war.

Jetzt darüber zu jammern – gerade wenn man einen derart brilliant durchgeplanten Kader zusammen gestellt hat – kommt deshalb nicht demütig daher, sondern ist  überheblich. Es gibt diesen Punkt, an dem ein Verein erkennen muss – ohne deswegen gleich komplett großkotzig in Dortmund-Manier abzuheben – dass er zu den stärkeren Vereinen in Deutschland, wenn nicht Europa gehört. Und selbst, wenn man am Ende mal “nur” auf dem achten Platz landet. Man hat aufgrund der vorhandenen Anlagen zumindest in den nächsten Jahren immer die Chance, wieder das obere Drittel anzugreifen, wenn man nicht irgendwann überdreht. Und davon sind mehr Clubs weit entfernt, als Lucien Favre glauben will. Man bedenke nur, welchen Wert die Borussia hat, wenn tatsächlich irgendwann einmal die 50+1-Regel in Deutschland fallen sollte, da Vereine wie Dortmund, Bayern, Leipzig, Hoffenheim und Wolfsburg sie ausgehöhlt haben und sie somit nicht mehr zu halten ist. (cu)

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