Chaos-Schlümpfe in Düsseldorf

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War ja klar: Wenn es für die Fortuna noch einmal eng wird, dann hat der Boulevard sein gefundenes Fressen! Dass der Verein nicht ganz unbeteiligt an dieser Entwicklung und seiner Situation ist, haben wir ja schon unlängst beschrieben. Dennoch ist es für die größte Boulevard-Zeitung des Landes kein Grund von jetzt auf gleich die “Chaos-Keule” auszupacken.

Zugegeben, in den vergangenen Wochen haben wir nicht mit Kritik gegeizt: Norbert Meier und Wolf Werner sind dabei nicht gut weggekommen. Hat nicht jedem gefallen. Aber wir haben stets versucht es zu begründen und die Argumente unserer Ansicht darzulegen. Wir bleiben auch – egal wie die Saison ausgeht – bei unserer Einschätzung, dass der Verein mit den beiden eine schwere Zukunft vor sich haben wird. Auch werden wir uns weiterhin über die Berichterstattung des von uns gescholtenen RP-Redakteurs Bernd Jolitz wundern. Ein guter Journalist arbeitet eben nicht auf YPS-Niveau und legt zu jedem Artikel ein Gimmick bei: seine Fanbrille, den imginären Mitgliedsausweis oder seinen Fortuna-Schal. Das ist zwar nette Folklore, jedoch nur bedingt guter Journalismus. Aber um so etwas zu thematisieren, gibt es ja schließlich Blogs wie unseren. (Uns darf, muss und soll man übrigens auch kritisieren, das gehört dazu.)

Unseriös hoch zwei

Da wäre aber noch die “Bild”. Die hat in dieser Woche nun endlich richtig Fahrt aufgenommen!  Das Blättchen schreibt von einem “Chaos in Düsseldorf”. Dabei nutzt es jede Kleinigkeit für ein Störfeuer – wie gewohnt – schamlos aus. Was uns ärgert, sind die fehlenden Argumente! Auf einmal gibt es einen Plan den Trainer vor einer eventuellen Relegation zu schassen. Der Sportdirektor wird als heillos überfordert bezeichnet und die für eine eventuelle Relegation getroffenen Ticketregelungen werden kritisiert. Und auch – dazu später – ein Aufsichtsrat wird auf einmal via Twitter genaustens beäugt. Was bei diesen Aussagen fehlt, sind die Begründungen für die Chaos-These. Denn für den ”Meier-Plan” gibt es keinen Beleg in dem Artikel, es wird einfach irgendetwas behauptet. Erst ein anderer Artikel bringt einen gewissen Mike Büskens ins Spiel. Jedoch auch hier fehlt jede Quelle, welche diese Spekulation haltbar machen würde. (“Frymuth war mal sein Jugendtrainer” ist Murks!).

Von einer Kontinuität in der Berichterstattung kann da keine Rede sein. Bis April wurde vor allem Coach Meier als “cool” bezeichnet – bis auch die Bild kritischer wurde. Jetzt jedoch wird der Schlaghammer rausgeholt und der Versuch gestartet, eine kritische Stimme zu sein. Sorry, das ist unseriös, selbst wenn man die Kritikpunkte teilen mag.

Die Relegation und der Aufsichtsrat

Vor allem zwei Geschichten stoßen sehr übel auf. Punkt eins: Der Umgang mit einer Twitter-Äußerung von Aufsichtsrat Marcel Kronenberg. Der “zwitscherte” unmittelbar nach der Niederlage gegen Nürnberg seinen Frust über die unterirdische Leistung von Offensivspieler Robbie Kruse: Kann mich hier leider nicht so äußern wie ich möchte. Aber Kruse sollte vielleicht schon jetzt den Bus nach Leverkusen nehmen.” Für einen Aufsichtsrat, der ja nun mal auch Spielerverträge absegnet, durchaus unglücklich. Aber auch wohltuend. Kronenberg ist offenbar kein Geheimniskrämer, das hat er auch schon uns gegenüber bewiesen und teilte uns einmal via Kommentarspalte öffentlich seine Sicht der Dinge mit. Fair, freundlich und aus seiner Sicht nachvollziehbar. Das er scheinbar so ist, kann man als Bild-Journalist, der mehrfach in der Woche an Trainingsplatz und Geschäftsstelle sein sollte, durchaus wissen. Das jedoch Kronenberg keine Chance bekommt, was zu dem Tweet zu sagen, zeigt, dass hier augenscheinlich eine Schlagzeile durchgequetscht werden sollte. Denn die sympathische Reaktion des Aufsichtsrates bei Twitter – und leider nicht in der Bild – legt den Schluss nahe, dass es kein übermäßiges Chaos gibt. Oder warum darf Marcel zwitschern: “Mein Vorschlag zur Güte: Robbie Kruse darf mir die Haare abrasieren (auf dem Kopf) wenn wir drin bleiben!” Diese Antwort hätte die Schlagzeile natürlich relativiert. Genau wie, dass es wohl keine große Aufregung innerhalb des AR gibt, weil da mal einer enttäuscht war.

Punkt zwei: die Relegation. Die Fortuna hat die Kartenvergabe geregelt. Gute Sache, das hat Gladbach vor zwei Jahren nicht so organisiert hinbekommen. Es soll nämlich Chaos vermieden werden. Für die Bild jedoch ein Indiz, dass Panik herrscht: “An den direkten Klassenerhalt glaubt Fortuna offensichtlich nicht. Fans können schon jetzt Relegations-Tickets reservieren…” Dass es jedoch einfach nur ein Ausdruck von Professionalität bei Fortuna ist, gilt bei den Bild-Machern nicht. Im Gegensatz zu einem Gericht taugen im Boulevard anscheinend Indizien für eine Verurteilung.

Vielleicht ein Autorenproblem?

Dabei verfügt die Bild in Düsseldorf über viele sehr fähige und nette Kollegen, die einen mit der “Zeitung” sogar etwas versöhnen könnten. Über das Image des Blattes muss hier kein Wort verloren werden. Aber werfen wir doch mal einen Blick auf einen der Berichterstatter dieser “Chaos-Tage in Düsseldorf”. Da schreckt jeder Gladbacher sofort auf: Jörg Zschoche! Noch vor Jahren in Mönchengladbach im Einsatz. Als Liebling der Massen ist er dort nicht in die Geschichte eingegangen. Man frage nur Hans Meyer, den damaligen Trainer und jetzigen Vize-Präsidenten. Unter Zschoche kassierte die Bild sogar eigene Spruchbänder im Fanblock. Unvergessen ist der Spruch, “Eine Zeitung, die uns verachtet, hat unseren ganzen Hass gepachtet.” Die Atmosphäre war stark erhitzt, gar gefährlich. Auf dem Höhepunkt griffen dem Vernehmen nach ein paar Schlümpfe auf einer Karnevalsfeier ein. In Folge dieses für alle unrühmlichen Vorfalls war die “Ära Zschoche” einige Zeit später vorbei. Auch wenn man über einen Zusammenhang nur spekulieren kann und sollte …

Was jedoch hängen bleibt: Schon damals war in Krisensituationen keine Gemeinheit gemein genug, um an niedere Instinkte zu appelieren. Der Boulevard in Gladbach galt einer losen Kanone auf dem Schiffsdeck. Spannend und amüsant zu lesen, als Fan aber oft mit der Sorge verbunden, was damit alles zerstört werden kann. Inzwischen ist es bei der Borussia ruhiger geworden. Express und Bild machen ihren Job, ohne dabei die großen Störfeuer zu inszenieren. Auch weil es in der mutmaßlich an Auflage stärkeren Landeshauptstadt ja inzwischen einen Erstligisten gibt. Ob Kollege Zschoche mit ein paar weiteren steilen Thesen jedoch den Erhalt des Standortes fördert, bleibt zu bezweifeln. Wäre vielleicht nicht in seinem Sinne. Ein Zweitligist bringt nämlich weniger Reichweite. (cu)

Screenshot: Halbangst/Ullrich

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