Zusammen, was zusammen gehört

tumblr_inline_nbmqh1orQT1ru7r4tNein, beim Deutschen Fußball Bund waren sie nicht glücklich, als RTL von der UEFA den Zuschlag für die Übertragung der Nationalmannschafts-Qualifikationsspiele bekommen hatte. Trotz aller Kommerzversuche rund um die Löw-Elf wusste man doch, was man an den Öffentlich-Rechtlichen hatte. Wirkte in ARD und ZDF die Kommerzspirale, die unter Sportdirektor Bierhoff eingesetzt hatte, doch zumindest freundlicher, als auf einem Privatsender, der ein Produkt ebenso ausschlachten kann wie der DFB. Jetzt hat man den Salat. Und er schmeckt großartig!

Um mal ganz in Helmut Kohlscher Realitätsverweigerung zu bleiben: “Endlich gibt es blühende Werbelandschaften!” Inzwischen haben wir ja alle die Unterschiede gesehen, wenn sich der Kölner Privatsender dem Produkt “Nationalmannschaft” annimmt. Bei ARD und ZDF gibt es zum Beispiel Anweisungen an Mitarbeiter, wie man mit den Sponsorennamen bei den Stadien umgeht und welche Sprachregelung zum Beispiel für das ehemalige Westfalenstadion in Dortmund gilt (heißt “Arena in Dortmund”). Bei den Öffentlich-Rechtlichen gibt es zudem trotz Halbzeitnachrichten eine Analyse des Gesehenen. Auch kommen hier nicht Typen wie der Friseur von Joachim Löw zu Wort, sondern eher alte Weggefährten aus dem sportlichen Leben des Trainers. Und bei ARD und ZDF nimmt man sich die Freiheit (die sich Journalismus nennt), einen Spieler auch mal deutlich zu kritisieren (auch bekannt als der “Wundliege-Vorfall” um Mario Gomez). Auch wenn die Kommentatoren oft nicht den Nerv der Masse treffen, wird bei den bisherigen Rechteinhabern maximal über einen Rückgang an Journalismus diskutiert, nicht aber über dessen Abschaffung im Umfeld der Spiele.

Bei RTL dagegen heißt es: “Drauf geschissen!” Stadionname? Nennen wir gerne und unbedingt mit Sponsor! Live-Interviews? Werden gefaked, damit noch ein Werbeblock dazwischen passt! Halbzeit-Analyse? Wieso? Gibt doch so herrlich viele schöne Produkte, die man – statt quälender Nachfragerei – präsentieren kann! So stellt sich Oliver Bierhoff doch auch eine handelsübliche Pressekonferenz des DFB vor, oder hatten wir den Artikel von Dirk Kurbjuweit vor zwei Jahren falsch verstanden, als dieser sich darüber lustig machte, wie traurig die DFB-Verantwortlichen versuchen, Journalisten während ihrer Fragen die Bedeutung der Werbepartner unter zu jubeln? Im Grunde macht RTL nichts anderes als der DFB. Der Event ist nun einmal mehr als wichtig! Da darf man vor dem Beginn eines Spiels gegen die bessere Thekentruppe aus Schottland gerne mal eine Reminiszenz auf Herbert Zimmermann machen. Ist ja ein Länderspiel! Und die sind halt alle gleich “eventig”. Oder etwa nicht?

Blöd also für den DFB, dass der übertragende Sender sich nun also genauso verhält, wie man selber. Ohne ARD und ZDF ist man da aber schnell an dem Punkt der Übersättigung. Nicht auszumalen, was vor dem Spiel gegen Gibraltar passieren soll. Ich wette auf überbordende David-gegen-Goliath-Vergleiche. Und wenn wir Glück haben, dann ist vor dem Spiel noch ein Formel-1-Rennen. Dann kann Co-Kommentator Christian Danner noch schnell anteasern, dass es ja am Abend noch ein super-spannendes Spiel gegen Gibraltar gibt. Um sich dann der alten Volksweise hinzugeben, dass es im Fußball ja keine Kleinen mehr gibt. Dass diese inzwischen selbst der Sport-1-Windmaschine Jörg Dahlmann zu blöd sein dürfte, ach egal.

Am Ende dürfte diese Show dazu führen, dass der DFB ein Imageproblem bekommt. Wenn die immer gleichen Geschichten erzählt werden, nur in ganz dämlich, dann droht Gefahr bei der Kundschaft. Denn die ist trotz Eventsucht schnell weg, wenn es selbst ihr zuviel wird. Eventies können da gnadenlos sein. Das ist eben der fundamentale Unterschied zwischen ihnen und diesen überkritischen Fußballromantikern, die dummerweise dem Sport trotzdem treu bleiben. Wird das Eventvolk also irgendwann gelangweilt von den immer gleichen Märchen der Sportvermarktung, und ist deshalb irgendwann ein Länderspiel so gut besucht wie neulich das Spiel zwischen England und Norwegen (20.000 in Wembley!), fallen wieder verstärkt die Asis auf, die sich leider immer noch bei einem Deutschland-Spiel tummeln dürfen. “Mexiko ‘86” wieder als Schlachtruf bei den Heimspielen? Viel Spaß! Das Problem konnte man nämlich durch die Masse der Schland-Gucker bisher kommod ignorieren. Kommen weniger, ist das nicht mehr ganz so leicht zu übersehen. Daher, ganz ehrlich: Ich konnte (und wollte) eine klammheimliche Freude über das am Sonntag Gesehene nicht verhehlen. Vielleicht versteht man jetzt endlich bei den Herren des DFB, dass Fußball mehr als nur ein “Produkt” ist, sondern auch gesellschaftliche Aufgabe über Image-Kreatinen hinaus. Schade nur, dass RTL dabei unverschuldet und ungewollt der Till Eulenspiegel ist. Ein bisschen schnellere Selbsterkenntnis wäre schon vor Jahren schön gewesen, und nicht erst wenn nach dem x-ten, von RTL überhöhtem und kaputt beworbenen Länderspiel, keiner mehr das langweilige Gekicke dieser EM-Qualifikation sehen will … (cu)

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