Die letzte Chance für die DEG

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Die DEG-Retter

Im Grunde war der 18.05.2016 ein seltsamer Tag. Während das deutsche Eishockey die überaus schlechte Nachricht verpacken musste, dass die Hamburg Freezers aus der Liga aussteigen, gab es noch eine andere Seite. Die Stadt Düsseldorf und die DEG bestätigten offiziell das, worüber wir, der WDR und die Westdeutsche Zeitung seit Wochen berichten: Ja, es stand schlecht um den Verein! So richtig schlecht! Aber es wurde auch auch ein deutliches Bekenntnis zum Profieishockey in der Stadt abgegeben, indem alle noch einmal einspringen. Die jetzigen Gesellschafter, die Politik aber auch die Sponsoren haben sich mehr als nur bemüht, zumindest für die kommenden drei Jahre eine Sicherheit für die Deutsche Eishockey Liga zu bieten.

Das ist somit ein historischer Tag für den Verein. Drei Jahre Planungssicherheit, das ist eine große Sache für einen Club, der seit dem Metro-Ausstieg im Jahr 2012 nicht mehr den Schutzschirm schier unendlicher Geldquellen besitzt. Soviel Komfort war selten. Aber das alles ist auch die letzte Chance für die DEG im Profieishockey.

Stadthilfen müssen wohl begründet sein

Natürlich wird das in Zeiten der Aufbruchstimmung und des Optimismus kaum jemand gerne hören wollen: Aber es sollte das letzte Mal sein, dass dem Verein mit städtischen Mitteln geholfen wird. Die gestundeten Mieten für Dome, Brehmstraße und Trainingshalle belaufen sich auf einen höheren Millionenbetrag. Für eine Stadt, die über hohe finanzielle Rücklagen verfügt, ist das sicher kein Problem. Nur ist Düsseldorf keine solche Stadt mehr. Dafür hat Joachim Erwin (CDU) schon in seinen letzten Amts- und Lebensjahren gesorgt, indem er Begann das von ihm klug angehäufte Kapital zu verbraten. Und dessen feudaler Nachfolger Elbers (CDU) samt Partei frönten schlussendlich ohne Unterlass dem stadtplanerischem “savoir vivre” des guten Polsters. Der jetzige Oberbürgermeister Geisel kann mit seiner Verwaltung eben nicht mehr auf dreistellige „Millionpölsterchen“ zugreifen.

Um es klar zu sagen: Düsseldorf hat eigentlich nicht mehr das Geld, um einen Eishockeyverein grundlos zu alimentieren. Das kann man nur machen, wenn es gute Konzepte gibt, die eine glaubwürdige Perspektive eröffnen, irgendwann das Geld zu bekommen, welches einem der Verein schuldet. Und ein solches Konzept ist scheint gefunden. Der Geschäftsführer Paul Specht muss gehen. Natürlich – und das muss man ihm zugute halten – hat er einen Job gemacht, den keiner will. Aber auch solche Aufgaben kann man engagiert und gut erfüllen. Specht hat das Gegenteil geleistet. Sollte sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin tatsächlich aus dem Profisportmanagment abseits des Fußballs kommen und Erfahrung mitbringen, ist das eine Verbesserung. Zumindest wurde ein solcher Wunsch deutlich von Verein und Stadt formuliert.

Gesellschafterstruktur stimmt

Zudem gibt es jetzt eine brauchbare Gesellschafterstruktur. Nicht ausschließlich weil die Brüder Hoberg enthusiastische Eishockeyfans mit viel Geld sind. Die beiden sind vor allem die Figuren für einen unbändigen Positivismus. Aber unter geht, dass der gut aufgestellte Stammverein nach unseren Informationen wieder stärker in die Geschäfte eingebunden wird. Und vor allem, dass mit der Unternehmer-Familie Völkel auch Leute am Verein beteiligt sind, die in dem Verein keine städtische, sondern eine regionale Marke sehen. Statt zögerlich über Werbeaufsteller in Neuss oder Erkrath zu diskutieren, ist es vielleicht ganz klug, nach Sponsoren in Remscheid, Solingen, Mönchengladbach oder sonstigen für den Düsseldorfer nahezu hinterwäldlerischen Gegenden (Viersen) zu suchen. Denn auch dort sitzen Firmen mit Geld und vielleicht der Freude am Eishockey.

Und so bleibt: Ja, die Perspektive für die DEG ist so gut wie lange nicht mehr, die Stadthilfen sind berechtigt. Aber: Wenn sich in drei Jahren – also im Jahr 2020, ein Jahr vor der Kommunalwahl – die DEG nicht selber tragen kann, sollten die Verantwortlichen in der Stadt gedanklich tief in sich gehen und weitere Hilfen nicht unbedingt gewähren. Man sollte die Akzeptanz von Subvention für einen Eishockeyclub nämlich weder überschätzen und vor allem noch überstrapazieren. Weitere indirekte Hilfen über das Immaterielle hinaus könnten schlechter aufgefasst werden, als man heute glauben will. Insofern: Die neue DEG hat noch einmal eine Chance bekommen. Es ist die letzte, die sie hat und sollte sie nutzen.

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