Rechnen mit zuviel Brause im Hirn

Zerdrückte Red-Bull-Dose auf dem Boden
Platte Dose im Hirn
Zerdrückte Red-Bull-Dose auf dem Boden
Platte Dose im Hirn

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man es für das lustige Klischee halten, das man so über zu reiche Österreicher hat: schmierig, größenwahnsinnig und am Ende pleite, wie alles andere auch, in was die feinen Herrschaften so investiert haben. Aber genau an dem letzten Punkt scheitert es nun mal bei Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Selbst ein derartiger “Sandler” hat inzwischen genug Marie auf der Kante, dass es schon ein paar viele Viertel über dem Durst mehr sein müssen, bis er pleite ist. Kurz: Der Matschitz hat mit seiner Plörre zuviel Geld gemacht, um darauf zu hoffen, dass sein Fußball-Projekt monetär scheitert.

Aber es gibt Hoffnung. Denn der Mateschitz Didi hat uns einen Einblick in seine Rechenkünste gewährt. Und um die scheint es nicht besonders gut bestellt. Im Interview mit der Österreichischen Nachrichtenagentur apa reagiert er auf die Frage an der Kritik gegen sein “Projekt” Red Bull Leipzig mit folgender Antwort:

“Diese sogenannte Feindschaft hält sich doch arg in Grenzen. Wenn man die Mathematik strapazieren möchte, handelt es sich hier um nullkommanullirgendwas Prozent aller Fußballinteressierten. Um die hinreichend bekannten Randgruppen, die entweder nichts verstehen oder nichts verstehen wollen oder sonstige Beweggründe haben. Zum Problem wird dieser schwer zu verstehende Aktionismus erst dadurch, dass er von den Medien aufgegriffen wird, und für so manchen Schlagzeile dienen muss.”

Eine Aussage von derartiger österreichischer Klischee-Überheblichkeit, dass man fast schon die nächste Falco-Platte auflegen möchte, will man denn auch mal das Gute am Austro-Wahn hören. Oder auch ein Fall für Wolfgang Ambros, um nicht ganz den Glauben an den “ehemaligen Opferstaat” südlich der bayrischen Grenze zu verlieren. Diese Aussage verdient es Punkt für Punkt analysiert zu werden, um ihre grenzenlose Ignoranz (oder Dummheit, da sind wir uns nicht sicher) zu zeigen. Zunächst einmal aber einen Dank an Dietrich Mateschitz. Endlich sind wir Randgruppe. Vorher waren wir ja noch nicht mal das. Aber OK, den Titel schreiben wir uns gerne an.

Kommen wir aber mal auf die “sogenannte Feindschaft” zu sprechen, die von diesen „Randgruppen“ ausgeht. Diese zu leugnen ist nur möglich, wenn man außer Leipzig kein Auswärtsspiel seines Teams mit eigenen Augen verfolgt. Egal wo RB inzwischen gespielt hat und sich Autoren von Halbangst das angeschaut haben, gab es eine feindselige Stimmung gegen den Club. Vom normalen Tribünensitzer über den Althauer bis zum Ultra – keiner mochte RB. Womit wir bei der Mathematik wären: Das sind doch sehr heterogene und auch große Gruppen, um von vereinzelten Randgruppen zu sprechen. Auch rein Zahlenmäßig dürfte sich Mateschitz da ein wenig verhauen. Wenn wir schon die rechte Angstbürger-Kacke bei Pegida in Dresden mit ihren maximal 20.000 Hanseln für eine Bewegung halten, was ist dann erst die Menge Mensch, die RB Leipzig ablehnt? Eine Weltmacht? Wir reden hier ja nicht von offener Feindschaft. Sondern von Ablehnung. Und die ist, außerhalb des Leipziger Zentralstadions, größer als der „Didi“ glauben mag. Passiert halt, wenn man sich einen Dreck um andere Vereine, Fankulturen und – ich sage es im RB-Deutsch – Standorte kümmert.

Das mit der Mathematik ist also nicht die Sache des RB-Chefs. Aber auch unabhängig der großen quantitativen Rechnung, die er aufmacht und verhaut, sollte er mal qualitativ schauen, wer sein Projekt so alles ablehnt. Wir haben mit zahlreichen Verantwortlichen im Profi-Sport gesprochen. Begeisterung über den Leipziger Gestus, gesteuert aus Österreich, gibt es bei kaum einem. Zudem trauen sich immer wieder Vereinsbosse aus der Deckung und üben Kritik. Und hierbei reden wir nicht nur über den immerwährenden Mainzer Sportchef Heidel, der gegen alles, was mehr Geld besitzt und größer als sein Karnevalsclub ist, die Kapitalismuskeule schwingt. Peter Neururer, Akki Watzke, Oliver Reck, Max Eberl und, und, und. Vom gemeinen Feuerwehrmann auf dem Trainerstuhl bis zur Manager-Spitze des Sportes: Eine Flasche Champagner machen die alle nicht auf, wenn Red Bull Leipzig bald die Spitze der Bundesliga mit einer eigenen Interpretation des Financial FairPlay erstürmt.

Alles also keine Randgruppen, denen die bösen Medien eine Plattform bieten um die Mehrheit zu beeinflussen. Apropos die Medien-Aussage von Mateschtz. Echt jetzt!? Soviel Klischee-Österreich geht ja nun wirklich nimmer. Lieber Herr Mateschitz, die Medien sind nun einmal nicht alleine ServusTV, das ganz ihnen gehört und beim Eishockey in der Übertragungstechnik (nicht im Journalistischen) einen guten Job macht. Die Medien berichten jenseits von ServusTV genauso über die ihrigen Kritiker, wie über sie selber. Die einen besser, die anderen schlechter. Ja und? Sowas nennt sich Pluralität. Aber warum wundern wir uns? Hat doch der österreichische Fußball schon die skurrilsten Vereins-Chefs produziert. Ob Frank Stronach, Hannes Kartnig oder jetzt Dietrich Mateschitz – sie alle haben immer wieder mit ihrer eigenwilligen Art überrascht, die Welt zu sehen. Ob Geld blind macht? Wir hoffen es unbedingt. Denn das hieße, der Mateschitz rechnet auch in seinem Unternehmen so, wie er es in dem Interview gezeigt hat. Und dann sollte die Bilanz von Red Bull dann doch irgendwann mal nicht mehr so gut aussehen, wie wir das alle glauben. Leiwand wär’s!

Foto-Quelle: David Reverchon unter Creative-Commons-Lizenz bearbeitet mit Pixlr-Express

3 Kommentare

  1. Äh, ich muss Sie da auf einen Fehler hinweisen. Das heißt nicht RedBull Leipzig sondern Rasenballsport Leipzig e.V.

    Das ist ein rein gemeinnütziges Projekt und völlig ehrenwert. Bitte korrigieren Sie das. Wozu zahle ich schließlich die Internet-Zwangsgebühren an meinen Provider.

    (Anm.: Als Randgruppe reden wir natürlich ausschließlich nur mit uns selber)

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  1. Presse 13.04.2015 | rotebrauseblogger

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