Politiker raus aus dem Aufsichtsrat

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas GeiselBei Fortuna Düsseldorf könnte sich ein interessanter Wechsel im Aufsichtsrat ergeben. Eben erst gewählt gibt es schon eine neue Stelle in dem Kontrollgremium. Und – wenn man der Rheinischen Post glauben mag – läuft sich jemand warm, von dem wir es so schnell am wenigsten erwartet hätten: Neu-Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Unabhängig davon, ob die RP mit ihrer Berichterstattung richtig liegt, dass es zu diesem Wechsel schneller als erwartet kommen könne, an Geisels langfristiger Ambition, ein Mandat bei der Fortuna zu bekommen, ist was dran. Hatte er sich doch vor der Wahl bei uns im Halbangst-Blog selber als Aufsichtsratsmitglied ins Spiel gebracht. Jetzt, da es anscheinend konkret wird: Wir können vor diesem Schritt nur warnen!

Es ist nämlich eine ganze Latte an Punkten, die uns erschaudern lassen, wenn sich die Stadtspitze wieder bei der Fortuna an den Bestimmer-Tisch setzt. Am wichtigsten ist hierbei vor allem, dass es einer Professionalisierung nicht zuträglich ist, wenn Kommunalpolitiker Einfluss auf einen Verein haben. Das Beispiel des Ex-OB Joachim Erwin mal außen vorgelassen, der als AR-Mitglied der sportlichen Entwicklung mit seinem Größenwahn nicht selten im Weg stand. Nein, es sind die Beispiele aus anderen Standorten, die zeigen, dass es im modernen Fußball eine Distanz zwischen Politik und Club geben sollte. Das jüngste Beispiel ist Werder Bremen. Ein gewisser Willi Lemke hatte aus seinem politischen Mandat diverse Ansprüche hergeleitet, die sicher nicht zuträglich waren. Und schaut man sich die Vergangenheit des 1.FC Kölns (zu Zeiten von Fritz Schramma) oder des 1. FC Kaiserslauterns (fast so schlimm und kompliziert politisch verflochten wie der ganze Nürburgring-Komplex) an, stellt man fest, wie sehr parteipolitische Interessen diese Clubs aus der Polit-Provinz fast zerstört hätten. In beidem Fällen dauern die Aufräumarbeiten an.

Daher sollte man in Düsseldorf gewarnt sein: Der Fortuna geht es wirtschaftlich gut wie nie, der Verein entwickelt sich langsam aber stetig. Da braucht es keine Interessensverquickung mit dem Rathaus. Wer sagt nämlich, dass Thomas Geisel die Füße still hält, wenn die städtische Arena ausschließlich von der Fortuna benutzt wird, weil keine Konzerte mehr stattfinden? Wird der Aufsichtsrat Geisel dann hohe, schuldenbasierte Spielerkäufe fordern, da die Fortuna in Liga Zwei nicht genug Einnahmen für die städtische Arena-Gesellschaft generiert und somit Verluste im Haushalt entstehen? Auch wenn Geisel nicht der Typ für ein solches Verhalten zu sein scheint, wer will so etwas sicher ausschließen?

Und da wäre zudem die politische Glaubwürdigkeit. Geisel hat sein Amt mit dem Versprechen eines Kulturwandels angetreten. Viele Menschen haben ihn gewählt, weil sie die Selbstbedienungsmentalität der CDU und des damaligen OB Elbers (der – nur am Rande – kein Mitglied des Fortuna-Aufsichtsrates sein wollte) einfach satt hatten. Welches Signal hätte es, wenn Geisel auf einmal Teil des Kontrollgremiums bei der Fortuna wäre? Es würde wie die klassische Ruhrgebiets-SPD wirken. Frei nach dem Wahlspruch: Mein Land, meine Beute. Geisel wurde aber genau deswegen gewählt, weil er all das nicht verkörpert.

Der letzte Grund, warum es eine schlechte Idee ist, dass Geisel ein Amt im Aufsichtsrat der Fortuna anstrebt, mag politisch zwar der softeste sein, für viele Fortuna-Anhänger aber gleichzeitig der wichtigste: Hertha-Fan und Fortuna-Sympathisant Thomas Geisel kaufen bisher nur wenige Fans die zur Schau gestellte Zuneigung zum größten Fußballverein seiner Wahlheimat Düsseldorf ab. Klar hilft es regelmäßig Heimspiele zu besuchen. Und auch die Anwesenheit bei einem Auswärtskick der Fortuna erhöht langsam aber allmählich die Glaubwürdigkeit. Jedoch: Eine Vereinsmitgliedschaft sowohl bei Fortuna Düsseldorf als auch beim Erzrivalen Hertha BSC schafft das nicht.

Vielleicht sollte sich Herr Geisel vielmehr darauf besinnen, dass er als Oberbürgermeister auch ohne Mandat einem Verein helfen kann. Nur ein Stichwort: schnelle Baugenehmigungen für Infrastruktur.

Von daher: Finger weg von Ämtern in Profivereinen. Dann klappt’s auch mit dem Erfolg: Für Verein wie Politiker. (BW/CU)

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