Niemals einfach – immer Fortuna

Der Verein Fortuna Düsseldorf kann Vieles, nur Eines ganz bestimmt nicht: Seinen Anhängern das Leben einfach machen. Manchmal möchte man meinen, nur hier könne sich ein Spieler, der Monate zuvor noch unter Pfiffen des Publikums und den eigenen Tränen vom Platz schlich, zum Leistungsträger und Medien-/ Publikumsliebling wandeln, den der Verein trotzdem loswerden will. Nur hier kann der Torwarttrainer zum Erfolgscoach aufsteigen, während gleichzeitig öffentlich über einen Aufhebungsvertrag für den indisponierten Cheftrainer gemutmaßt wird. Ein echtes Dilemma.

Ganz im Ernst: Auch wenn wir bei halbangst gerne und laut unsere Meinung kundtun, in Sachen Lorenz Günther Köstner sind wir genauso ratlos, wie der Verein momentan wohl selber auch. Der Mann hat vordergründig keine schlechte Arbeit geleistet – er ist schlichtweg krank. Dafür kann er nichts. Ob er aber körperlich in naher Zukunft wieder so belastbar sein wird, dass er die Rolle eines Cheftrainers bekleiden kann? Niemand weiß das. Gleichzeitig gibt es da seine Vertretung, die momentan nicht nur guten, sonden auch erfolgreichen Fußball spielen lässt. Soll man also zukünftig lieber direkt mit dieser “Notlösung” weitermachen? Ein Blick in die Trainerkarriere von Oliver Reck lässt einen vor solchen Überlegungen eher ein wenig zurückschrecken. Nachdem Reck sich nämlich bei seinem alten Verein, dem MSV Duisburg, ebenfalls vom Torwart- zum Interims- zum Cheftrainer hochgearbeitet hatte, bedurfte es ganzer drei Niederlagen zu Beginn seiner ersten Saison im neuen Job, um diesen umgehend wieder zu verlieren. Außerdem hatte sich der sportliche Vorstand in personae Wolf Werner und Helmut Schulte noch im Winter, als die Frage nach Recks zukünftiger Rolle bei Fortuna das letzte Mal im Raum stand, deutlich gegen den gebürtigen Frankfurter als künftigen Übungsleiter ausgesprochen. Irgendwie auch keine supergute Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in der kommenden Saison.

Und dann ist da auch noch die menschliche Komponente. LGK hat einen gültigen Vertrag bei Fortuna. Momentan dürfte er, wie jeder Arbeitnehmer, der länger als sechs Wochen krankgeschrieben ist, Krankengeld erhalten. Fortuna ist also finanziell fein raus. Die feine Art wäre es allerdings nicht, ihn jetzt schlicht durch einen alten/neuen Trainer zu ersetzen. Das wäre nicht nur äußerst unfair, rein rechtlich hat Köstner auch ein Anrecht darauf, auf seinen Arbeitsplatz zurückkehren zu können (es sei denn vertraglich wurde etwas anderes vereinbart). Sicherlich nicht nur, um ihm Genesungswünsche zu überbringen, sollen Fortunas Vorstandsmitglieder Kall und Schulte LGK bereits zweimal Zuhause in Stuttgart besucht haben. Bei der zweiten Visite soll es dann bereits um das Thema “Aufhebungsvertrag” gegangen sein, kolportiert die WAZ.

Wieder mal nur Verlierer

Klar, eine solche Vertragsauflösung könnte für beide Seiten die beste Lösung sein. Sie würde Köstner vom Druck befreien, schnell gesund werden zu müssen, und ihn gleichzeitig finanziell absichern; dem Verein würde sie die nötige Klarheit zur Planung einer Saison 2014/15 mit welchem Trainer auch immer geben. Dass Fortuna mit Köstner über eine solche Option spricht, ist dabei wohl auch vollkommen legitim und könnte möglicherweise durch den erkrankten Trainer selbst ins Rollen gebracht worden sein. Dass die Tatsache, dass momentan über eine Vertragsauflösung gesprochen wird, allerdings an die Öffentlichkeit gedrungen ist, ist ein großes Unding, bei dem alle Beteiligten (mal wieder) mehr als schlecht wegkommen: Lorenz-Günther Köstner als Trainer non grata und Fortuna als erfolgsversessener Verein, dem die eigene sportliche Genesung wichtiger zu sein scheint, als eine möglichst positives Ende für seinen Mitarbeiter Köstner.

Es ist bei der Fortuna also mal wieder an der Zeit, bei der man als Verantwortlicher eigentlich nur alles falsch machen kann. Was für eine abstruse Situation angesichts der sportlichen Entwicklung in den letzten fünf Monaten. (bw)

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