Nach Olympia bleibt der Fußball unantastbar

7693758796_28fee65f64_oDa es viele Menschen nicht mitbekommen haben: Die Olympischen Spiele von Rio sind zu Ende. Selten war ein Sportereignis so überflüssig wie dieses Event. Am Ende bleibt nur eine Erkenntnis: So ist der Fußballwahn nicht zu stoppen.

Es stimmt: Der Fußball ist überall. Selbst härteste Fußballfans hecheln hin und wieder nach einer Pause, während die hohen Summen auf dem Transfermarkt immer mehr die Züge einer Blase kriegen, deren Platzen einen lauten Knall geben wird. Es muss halt nur noch mehr Skandale auf der Ebene der Offiziellen geben, noch mehr sinnlose Wettbewerbe, noch mehr Größenwahn: Sobald ein anderes, faszinierendes Sportangebot um die Ecke kommt, kühlt es mit dem Fußball ab. So zumindest die Theorie.

Doch einen Boom, wie wir es mit Tennis, Eishockey und Motorsport in den 80er und 90er Jahren hatten, und alle drei einen zumindest anteiligen Ausgleich zum Volkssport Fußball auslösten, ist ein neuer, fußballfremder Hype nicht absehbar. Warum das so ist? Die Antwort fällt nach Rio ganz leicht: Weil sich weite Teile des übrigen Sports die schlechten Verhaltensweisen vom Fußball abschauen, ohne jedoch die Basis des Fußballs zu haben.

Doping und Korruption auch jenseits des Fußballs

Gerade bei den Olympischen Spielen wird das deutlich. Es war ein massiver Fehler, die Veranstaltung nach Brasilien zu vergeben. Zu offensichtlich die politisch-sozialen Probleme des Landes, zu offensichtlich der Widerstand in der Bevölkerung. Hinzu kommt das traurige Verhalten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Sachen Doping. Das Staatsdoping in Russland nicht mit dem kompletten Ausschluss zu sanktionieren, ist schon ein großer Realitätsverlust. Damit ist nicht stereotypes Russland-Bashing vermieden worden, sondern man hat anderen Nationen nur die Schranke oben gelassen, die vielleicht nicht so systematisch dopen wie Russland, es aber trotzdem tolerieren.

Wenn dann noch der IOC-Chef Thomas Bach von wunderbaren Spielen spricht, fühlt man sich an den irakischen Informationsminister erinnert, der 2003 den offensichtlichen Einmarsch der US-Truppen in Bagdad leugnete. Unter solchen Voraussetzungen nützen Beschwerden nichts. Wie zum Beispiel der Schwimmer in Deutschland,die den Anschluss verloren haben, weil sie zu schlecht gefördert werden. Oder das Wehklagen über negative Moduskorrekturen bei den Kanuten, das dann sinnlos bleibt. Und da nützt auch der beste Rant der Leichtathleten nichts, dass man im TV lieber ein Amateurfußballspiel zeigt, als anderen Sport. Es ist ganz einfach: Wenn die organisatorische Ebene, wie zum Beispiel das IOC, einen korrupten, intoleranten und unolympischen Eindruck macht, muss der Fußball nichts fürchten.

Das Geld bleibt im Fußball-Kreislauf

Dann bleibt das Geld eben beim Volkssport, wird weiter in die sichere Bank des Erfolgs und der Reichweite investiert. Und die gibt es halt beim Fußball. Dabei ist es ja nicht so, dass es keine Korruption im Fußball gibt. Eigentlich wurde die Sportkorruption nach heutigen Maßstäben im Fußball bei FIFA und UEFA erfunden. Auch der Fußball führt Turniere an mehr als nur umstrittenen Orten durch. Und im Fußball gibt es schnell mal kein Doping, da in einer guten Mafia-Familie die Omerta nun einmal funktioniert.

Die schlechtere FIFA – das IOC

Aber der Fußball bewegt die Massen. Warum sollte sich der Sportkonsument von einer anderen Sportart anstecken lassen, die ihn vom Fußball wegführt, wenn dort national oder auch international die gleichen Probleme vorherrschen. In die Nische geht keiner, wenn es dort auch erbärmlich ist. Man erinnere nur an den letzten Hype für eine andere Sportart. Einst waren Millionen Deutsche Radsportfans. Nachdem die Doping-Machenschaften aufflogen, landeten ebensoviele Team-Telekom-Shirts auf dem Müll.

Es ist also ziemlich schwer, dass unter solchen Voraussetzungen ein Gegengewicht zum Fußball entstehen kann. Solange selbst Randsportarten unter verschärftem Dopingverdacht stehen, das IOC eine schlechtere FIFA ist, ganze Eishockey-Jugendmannschaften komplett durch Dopingkontrollen fallen, aber die betroffene Nation trotzdem starten darf und Handball-Weltmeisterschaften in Katar über die Bühne gehen, braucht sich keiner zu wundern, gar zu knatschen, dass der Fußball alles erdrückt. Dann bleibt halt alles beim Alten und wir bekommen weiterhin mehr Dritt- und Viertligafußball im Fernsehen serviert als spannende Kanumeisterschaften oder prickelnde Leichtathletik-Zehnkämpfe.

Foto: Allstair Ross, unter Creative Commons geändert mit Pixlr-Express

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