Fast ein Wunder

Spiel des MSV bei Duisburg 1900
Der Beginn des Weges
Spiel des MSV bei Duisburg 1900
Der Beginn des Weges

Ganz objektiv betrachtet ging es mit dem MSV Duisburg schneller wieder aufwärts als erwartet. Seit dem vorletzten Spieltag stehen die Duisburger als Aufsteiger in die Zweite Liga fest. Überraschend souverän und mit herausragender Heimstärke schaffte der Verein die Rückkehr in den Kreis der 36 Bundesligisten. Ist es schon auf die Saison betrachtet überraschend, dass die MeideRiecher den Aufstieg gepackt haben, ist es, noch ein weiteres Jahr zurück geschaut, nahezu ein Wunder.

Rückblende: Im Juni 2013 spielt der MSV ein Freundschaftsspiel beim Duisburger SV 1900. Gegen den Amateurclub kommen Hunderte auf die Bezirkssportanlage – sie wollen ihre Solidarität mit ihrem Verein ausdrücken, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich mausetot ist. Es ist das letzte Spiel, bevor der Einspruch gegen den Lizenzentzug seitens der DFL endgültig abgeschmettert wird. Nur ein paar Tage nach der Partie bei dem Duisburger Amateurligisten ist der MSV selbst eher ein Club für die Kreisliga. Der ruhmreiche Verein liegt in Trümmern: eben noch Zweitligist, jetzt am Boden. Die Wochen nach dem endgültigen Verlust der Lizenz werden ein Wechselbad zwischen Zittern, Bangen und wenig Hoffnung. Oberliga? Regionalliga? Vielleicht doch noch wenigstens Dritte Liga und ein Rest von Profifußball? Kompletter Neuanfang in der Kreisklasse? Alles war möglich.

Am Ende sollte – in einer Phase größter Solidarität – die Lizenz für die Dritte Liga stehen. Mit einem Mini-Kader ging es in die Saison 2013/2014. Wer es gut mit dem MSV meinte, hoffte auf einen Mittelfeldplatz, ganz skeptische Zeitgenossen sahen die Duisburger vorm Abstieg auch aus dieser Klasse. Doch man übersah: An der Wedau herrschte Aufbruchstimmung. Das Theater vor dem Lizenzentzug –  die windigen Finanzierungen, die persönlichen Eitelkeiten, mit dem großen Knall war man auch von einigem Ballast befreit. Man war wieder mehr ein Fußball-Club als das Spielzeug eines gernegroßen Bauunternehmers und Stadionfinanziers..

Natürlich – die pekuniäre Situation war weiterhin schlecht. Aber damit ließ es sich besser leben und spielen. Die erste Drittliga-Spielzeit beendete der MSV als stabiler Siebter. Und in der Sommerpause ging auch wieder die Rechnerei los, ob das finanziell auch alles so passt. Aber man konnte in eine weitere Saison gehen, hatte sogar einen leicht verbesserten Kader. Mit dem es dann zum Aufstieg reichte. Eine wahnsinnige Leistung, bedenkt man, dass es auch in der dritten Liga Mannschaften gab, die personell und finanziell besser als der MSV aufgestellt waren.

Gerade das wird sich aber als Bürde in der kommenden Zweitliga-Spielzeit erweisen. Mit dieser aktuellen Mannschaft wird das Überleben und der Klassenerhalt schwer fallen. Außerdem wird die vereinsübergreifende Solidarität wegfallen. Nahmen vor zwei Jahren noch Kölner, Dortmunder, Gladbacher wie auch Schalker und Düsseldorfer an einem Soli-Marsch teil, wird nun keiner mehr den MSV stützen wollen, wenn es in der Zweiten Liga nicht mehr läuft. Wie wir einst schon schrieben: Sobald sie wieder pöbeln, ist es vorbei mit der Hilfe und Empathie. Aber auch das sind Folgen des Aufstiegs: Schluss mit dem Mitleid! Der MSV wird Teil einer interessanteren Zweiten Liga sein, in der er sich alleine behaupten muss. Allein der Aufstieg ist fast schon so sensationell wie die Champions League-Teilnahme der Gladbacher. Und auch dazu kann man dem MSV nur gratulieren.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*