Mit der Aussicht auf Nutzlosigleit – Olympia in NRW

olympiaAn Rhein und Ruhr geht wieder ein Gespenst um. Nein, Joachim Erwin ist nicht auferstanden. Nur eine der wirren Ideen des einstigen Düsseldorfer Oberbürgermeisters ist zurück aus der Gruft: Olympia an Rhein und Ruhr.

Was schon für 2012 nicht funktionierte, soll nun also in der Variante 2028 angedacht werden: Olympia an Rhein und Ruhr. Wir erinnern uns. Zu Beginn des Jahrtausends setzte sich der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin an die Spitze einer Bewegung, die olympischen Spiele nach Düsseldorf unter dem Sammelbegriff “Rhein-Ruhr” zu holen. Seitens der Landespolitik war man auch schnell dabei.

Nachhaltige Spiele sollten es werden, da – so sagte man damals – die meisten Sportanlagen bereits vorhanden waren. (Immer wieder gerne erwähnt: Die Regattastrecken in Duisburg.) Und der Umbau des Rheinstadions sollte eine Laufbahn beinhalten, was die Arena tauglich für ein Olympiastadion gemacht hätte. Diverse Peinlichkeiten, Großmannssüchte und Cello-Einlagen später stand Leipzig als Bewerberstadt, Düsseldorf war düpiert und am Ende bekam eh London die Spiele.

In der Rückschau witzig, in der Perspektive schaurig

Wer damals als kritischer Begleiter dabei war, schmunzelt heute über diese Zeit. Irgendwie hatte der ganze Bewerbungstort ja schon was. Wo sonst kumulierten sich Provinz, Herrschaftsanspruch und Irrsinn jemals wieder so schön in einem Event als damals bei der Bewerbung von Rhein und Ruhr. Eine ganz so schlimme Zeit war es also nicht. Eher eine lustige.

Dieses Gefühl ändert sich schlagartig, wenn ich dann an den jetzigen Vorschlag denke. Eine erneute Olympiabewerbung lässt mir persönlich einen kalten Schauer den Rücken runter laufen. Noch einmal der ganze Quatsch? Sollte Olympia 2024 in keiner europäischen Stadt stattfinden – was sich in einem Jahr entscheidet – scheint das Drama wieder seinen Lauf zu nehmen. Die CDU im Land hat sich schon erklärt, Olympia dann für Rhein und Ruhr zu wollen, deutlich ablehnende Töne sucht man seitens der NRW-SPD ebenfalls vergebens. Insofern: Egal wer nach der kommenden Landtagswahl im Mai regiert: Gibt es eine Chance auf Olympia, wird es wieder wahnsinnig.

Die Nachhaltigkeits-Lüge wäre wieder da

Wir werden wieder den Blödsinn der “nachhaltigen Spiele” hören, von der Regattabahn in Duisburg, den Pferdeflächen in Aachen und den großartigen Fußballstadien. Nur wird es dann noch weniger der Wahrheit entsprechen. Bei der Bewerbung zur Jahrtausendwende hatte Deutschland gerade erst den Zuschlag für die Fußball-WM 2006 bekommen, einige Stadionbauten waren noch nicht ganz auf dem Weg. So hätte man in Düsseldorf durchaus aus der Arena auch ein Leichtathletikstadion machen können. Die damals dritt- später viertklassige Fortuna wäre nicht in der Lage gewesen, dem zu widersprechen.

Jetzt, 15 Jahre später, sieht die Welt anders aus. Nahezu alle Stadien sind für den Fußball neu gebaut worden. Ohne Tartanbahn. Und dabei bleibt es auch: Kein BvB, kein Schalke, keine Fortuna, kein Gladbach oder Köln wird so blöd sein, sich eine Laufbahn ins Stadion bauen zu lassen. (Was übrigens eine unbezahlbare architektonische Herausforderung wäre, zumindest für Demokratien, in denen man nicht über ein Sklavenheer wie in Katar verfügt.) Und damit sind wir beim Kernproblem. Wie können Spiele nachhaltig sein, für die es am Essential schlechthin fehlt? Es gibt einfach kein Olympiastadion, will man nicht die Wattenscheider Lohrheide zum 60.000er ausbauen und die Anwohner ausgrenzen.

Mit der Aussicht auf Nutzlosigkeit

Seriös bleibt nur eine Lösung: Man muss ein neues, unnützes Olympiastadion in die Landschaft klatschen. Wer Spaß an Klagen von Bürgerinitiativen hat, kann ja gerne die ultimative Herausforderung wählen und das Ding auf die Düsseldorfer Rheinwiesen setzen. Mit der Aussicht auf Nutzlosigkeit nach den Spielen wird das sicher jeder Anwohner genial finden.

Die Idee der nachhaltigen Spiele wäre so natürlich eine Lüge. Rhein-Ruhr 2028 wäre eine ebenso finanzielle Idiotie wie alle anderen Spiele der vergangenen Jahre. Es würden Milliarden für Sachen ausgegeben, die am Ende keine Existenzberechtigung mehr hätten aber teuer im Unterhalt wären. Da nützt es nix, tolle Fußballstadien, eine Kölnarena und einen Dome in Düsseldorf zu haben. (Ach ja – und eine Regattabahn in Duisburg.) Der Rest müsste teuer und wenig nachhaltig gebaut werden.

Schüsse auf ein totes Pferd

Ohne also nur einmal an das allgemeine Dopingproblem des Sports und dem daraus resultierenden Imageschaden gedacht zu haben, bleibt es am Ende dabei: Spiele an Rhein und Ruhr sind heute mehr Quatsch als sie es damals waren. Wenn man nicht besonderen Spaß an Kommunal- und Regionalpolitikern hat, die von eigenem Weltruhm schwadronieren und träumen, während sie zielgenau in große Fettnäpfe rennen, der sollte nicht für Olympia sein.

Aber wahrscheinlich wird das Thema sowieso bald von der Bildfläche verschwinden. Oder wie fragte mich ein Kollege, der schon damals über den Olympia-Wahn berichtete: “Warum sollte man ein eh schon totgerittenes Pferd erschießen? Ist sinnlos!”

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*