Vergiftete Nominierung

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Wer als Gladbacher auf den Kader der Nationalmannschaft schaut, könnte stolz sein. Im Angriff steht nur ein Name, von einem Verein: Max Kruse ist nominell einziger Stürmer im Kader, alle anderen zur Löw-Elf zugelassenen Torjäger sind unpässlich. Damit wird deutlich – bei aller Diskussion – ob es in den beiden letzten WM-Quali-Spielen überhaupt einen echten Stürmer braucht: Der Gladbacher Neuzugang wird gegen Irland und Schweden zumindest ein gewichte Rolle in den Planungen von Joachim Löw spielen. Oberflächlich eine super Sache, genauer betrachtet mal wieder ein Zeichen, dass die Tage dieser sportlichen DFB-Leitung gezählt sein müssten.

Klar, rein von den sportlichen Leistungsdaten dieser Saison ist eine Nominierung von Kruse mehr als gerechtfertigt. Fünf Tore, sechs Vorlagen – elf Punkte in der noch jungen Saison. Ein fantastischer Wert. Auch die weichen Faktoren stimmen: Kruses Präsenz auf dem Platz ist großartig, bisher ist der für 2,5 Millionen Euro aus Freiburg verpflichtete Spieler der beste Schnapper seit Marco Reus. Gepaart mit den überragenden Werten aus Freiburg, kann es eigentlich keine Zweifel geben: Der Mann gehört in die Nationalmannschaft. Aber als einziger Stürmer? Das geht dann doch zu weit.

Denn werfen wir mal einen Blick auf Kruses Karriere. Erst seit er in Freiburg spielt, hat er Konstanz. Er unterschrieb im vergangenen Winter nicht zuletzt deshalb sehr schnell in Gladbach, weil er selber wusste, dass seine Rückrundenleistungen häufig schlechter waren als in der ersten Runde. Der 25-Jährige hatte selber Zweifel an seinem Höhenflug. Und ausgeräumt sind diese noch lange nicht. Erst wenn er in Gladbach seine Leistung über eine komplette Saison bestätigt, kann man von einem wirklich herausragenden Spieler sprechen. Der Gladbacher braucht durchaus noch Zeit. Aber Zeit ist ja ein Kriterium, dass bei Joachim Löw selten zählt.

Wird zwar vordergründig bei der Nationalmannschaft immer darauf verwiesen, eher an langfristigen Planungen interessiert zu sein, ist dafür die Liste der Schnellschussnominierungen erstaunlich lang. So reichte den Hoffenheimern 2008/2009 eine grandiose Hinrunde um mit Marvin Compper, Andreas Beck und Tobias Weis drei Nationalspieldebütanten stellen zu können. Bereits im Jahr darauf zeichnete sich ab: eine dauerhafte Karriere in der DFB-Elf wird es in allen drei Fällen nicht geben. Da wären aber auch noch Marko Marin, Marcel Schäfer oder Stefan Reinartz. Und nicht zu vergessen: Marc-Andre ter Stegen. Bei all diesen Spielern, und noch einigen mehr, hätte man durchaus noch etwas beobachten können, ob es passt. Natürlich, bei Özil, Götze, Reus oder Schürrle haben die schnellen Nominierungen die Karriere mehr als befördert. Aber ein zu früher Einsatz in der Nationalmannschaft kann häufig auch zum Problem werden.

Zwar ist das bei Kruse derzeit nicht zu erwarten. Ihn aber in exponierter Stellung in die Mannschaft zu holen, wirkt wie ein vergiftetes Kompliment. Zum einen, weil es ja auch noch einen Stefan Kießling gibt. Zum anderen, weil es Kruse unnötig Druck macht. Im letzten Spiel gegen Dortmund eierte er zumindest lange rum, bis er den Elfemeter versenkte und zehn Minuten befreit spielen konnte. Spekulationen, warum er ausgerechnet jetzt ein wenig schwächelte sind durchaus erlaubt. Auch an Kruse dürften die Diskussionen um seine Nominierung als einziger Stürmer und der “Missachtung” Kießlings nicht vorbei gegangen sein. Nicht auszudenken was passiert, wenn Deutschland gegen Irland verliert und aus versehen dann doch ein Endspiel gegen Schweden hat, in dem Ibrahimovc zuschlägt und der Neu-Borusse eine Hundertprozentige liegen lässt. Szenarien, die im Fußball nun wirklich nicht selten sind. Für diesen Fall kann ich nur schon einmal gratulieren und “Danke” sagen – denn ob Kruse schon soweit ist, so etwas schnell zu verpacken? Wir können dann nur hoffen, dass ter Stegen ihm ein guter Psychiater ist. Denn der kennt sich ja bestens damit aus, durch den DFB eine Nummer kleiner gemacht zu werden. (cu)

Foto: skabat169

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