Einfach loslassen

Was kommt jedes Jahr so sicher wie die Schland-Euphorie vor einem großen Fußball-Turnier? Natürlich, Eishockey-Fans wissen sofort, was ich meine: das alljährliche Sommertheater in dieser Sportart. Ging es in den vergangenen Jahren stets um Skandale, die die ganzen obersten Ligen betrafen, ist dieses Mal die DEL zumindest etwas außen vor: Dieses Jahr steht die Düsseldorfer EG mal alleine im Mittelpunkt. Wie wir es gewohnt sind, geht es um die Finanzierung einer Saison und einem möglichen Lizenz-Entzug. Wer gedacht hat, dass es in diesem Sommer ruhiger wird, der hat sich getäuscht. Vielleicht heißt es dieses Mal endgültig: Abschied nehmen von der DEL – und vielleicht ist das auch gut so.

Wer in das Fanforum der DEG schaut und sich auch bei Facebook schlau(?) macht, stößt relativ schnell auf ein einfaches Mitglied, das den ganzen Ärger ausgelöst hat. Ein unbekannter Mann hat gegen die Beschlüsse der Mitgliederversammlung vor Gericht eine einstweilige Verfügung erlangt. Damit liegen Beschlüsse erst einmal auf Eis, die für eine Lizenz unabdingbar sind. Zum Beispiel, dass der Hauptverein nicht mehr die Mehrheit der Gesellschafteranteile an der Profimannschaft halten soll. Auf dem Mitgliedertreffen im Mai wurde die Übertragung der Anteile an den russischen Investor Ponomarev beschlossen. Der Vollzug liegt jetzt nun mal auf Eis, da es wohl etwas zu lange gedauert hat, bis die Übertragung vollzogen wurde. Dadurch wurde die Verfügung auch hier gültig. Und dann fehlen da noch 1,5 Millionen Euro – zumindest als Bürgschaft – durch den russischen Geldgeber. Das zumindest berichten einige Zeitungen. Und somit – würde das alles nicht aus der Welt geschafft werden – kann die DEL der DEG die Lizenz nicht geben. Egal, ob sie im Winter eigentlich das große Freiluftspiel gegen Köln bestreiten soll oder nicht!

Und ganz ehrlich – überrascht es jemanden, dass es mal wieder soweit gekommen ist? Muss man jetzt denjenigen für einen Verhinderer halten, der die einstweilige Verfügung erwirkt hat? Ich denke: Nein! Klar, auch ich habe mich über das Timing geärgert und bin der Ansicht, dass das Ganze ein gezielter Schritt war. Aber so reagiert man nun mal als Fan. Da unterscheide ich mich nicht von anderen Anhängern. Aber dieser erste Impuls wich dann so langsam der Einsicht: Ist es nicht zu billig, jetzt auf ein Vereinsmitglied einzudreschen, dass von seinen Satzungsrechten Gebrauch macht? Nur mal zur Erinnerung: Im Fußball verdammen wir die mangelnde Mitbestimmung innerhalb RB Leipzigs, bei der Düsseldorfer EG verdammen wir denjenigen, der sie nutzt. Absurd!

Viel eher sollte die Frage sein, was das für ein Verein ist, dem wir da hinterher laufen, mit dem wir leiden? Da aller guten Dinge drei sind, wundert es mich nicht, dass wir bereits zum dritten Mal in Folge um die Lizenz zittern dürfen. Und es hat eine gewisse Kontinuität, dass die Gründe immer skurriler werden. Beim ersten Mal war es “nur” der Ausstieg des Hauptsponsors, der die Probleme bescherte. Beim zweiten Mal war es unter anderem der Glaube an einen windigen Geldgeber mit angeblicher Restaurant-Kette, die Hoffnungen auf absurde Anzeigenhilfen durch Lokalzeitungen sowie auf ein Hosen-Konzert. Dieses Mal kommt der lange als unproblematisch eingestufte Hauptverein ins Spiel. Die gesamte Wucht des Formalen trifft den Club. Man könnte sagen: Alles was schief laufen kann, kriegt die DEG problemlos hin. Bei Fortuna sollte man sich schnellstmöglich den zynischen Spruch aus Oberliga-Zeiten “Wir können alles” schützen lassen. Nicht, dass ihn die Düsseldorfer EG bald beanspruchen darf/muss.

Zumal der ganze Ärger noch eine nicht ganz unwichtige Sache an Tageslicht gebracht hat: bisher steht offenbar noch eine Bürgschaft des russischen Anteilseigners aus. Und die interessiert am Ende nun die Liga-Leitung bei der Lizenzerteilung mehr als der Ärger im Hauptverein (der mit einer kleinen Fristsetzung ausräumbar erscheint). Denn für die DEL zählt nun einmal Kohle – und die hat die DEG anscheinend noch nicht. Oder warum hat die Profi-GmbH nicht klipp und klar verkündet, dass der Etat für die kommende Spielzeit gedeckt ist, man nur die Probleme durch die aktuell nicht gültigen Beschlüsse der Mitgliederversammlung des Stammvereins hat? Es klingt alles recht seltsam. Und ganz ehrlich: Es macht misstrauisch. Da kann es inzwischen noch so professionelle Strukturen an der GmbH-Spitze der DEG geben, das ganze sieht unverändert nach Wurschteln aus.

Vielleicht ist es daher an der Zeit, zu akzeptieren, dass die DEL jetzt mal hart bleiben muss und die Lizenz nicht erteilen darf. So schwer mich das als Fan persönlich treffen würde, soviel Verständnis hätte ich als Eishockey-Interessierter. Natürlich darf es gerne anders kommen, aber wenn nicht: dann ist es halt so. Lamentieren hilft nicht. Nur noch stilles Akzeptieren, dass im Januar beim Wintergame in der Düsseldorfer Fußball-Arena nicht die DEG spielt, sondern die Kölner einen anderen, schwarz-gelben, Gegner bekommen. Aber dann haben wir ja vielleicht ein wichtiges Spiel in der Oberliga und wir müssen uns das Drama nicht angucken. Genug Krefelder wird es ja geben, denen man die schon erhaltenen Tickets zum Selbstkostenpreis weiter geben kann. Selbst das ist mir – so traurig es klingt – mittlerweile egal. (cu)

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