Wer ist der Verein?

image

In erster Instanz hat der Einspruch von RB Leipzig gegen die Lizensierungsauflagen nichts gebracht. Die DFL hat die Beschwerden des Vereins abgelehnt. Jetzt bleibt dem Club nur noch der Gang vor das Lizensierungsgericht der Fußball-Liga. Ob dieser Einspruch jedoch erfolgreich sein wird, ist nach heute fraglicher denn je. Das wirklich Interessante an der heutigen Entscheidung ist nämlich nicht sie selber, sondern die Reaktion RB Leipzigs. Die Krisenkommunikation des Vereins ist mindestens ausbaufähig.

Wäre man nämlich bösartig, könnte man von einer Demaskierung sprechen. Nach der Entscheidung der DFL äußert sich der Geldgeber des Vereins (und somit kein Vereinsoffizieller). Red-Bull-Chef Mateschitz lässt via “Leipziger Volkszeitung” erklären, dass er denkt, er sei im “falschen Film”. Man verlange von ihm, dass er auf jedwedes Mitspracherecht im Club verzichten müsse, und das angesichts einer Investition in dreistelliger Millionenhöhe. Eine äußerst interessante Sichtweise. Der Geldgeber sieht sich scheinbar nicht an Regeln gebunden, die selbst weit über den Profifußball hinaus gehen. Mitbestimmung ist ein zentrales Element eines eingetragenen Vereins in Deutschland. Das muss auch einem österreichischen Unternehmen wie RB klar gewesen sein, als es für seinen Marketingplan in Leipzig dieses Konstrukt des e.V. wählte. Jetzt von einer Entmündigung zu sprechen, weil die DFL eine günstigere, einfachere, bessere Mitbestimmung für interessierte Mitglieder einfordert, zeigt was das Unternehmen Red Bull, das hinter dem Verein RB Leipzig steht, von der “lästigen Demokratie” hält. Ein Finanzamt, das was auf sich hält, müsste spätestens nach diesen Äußerungen noch einmal genau schauen, ob RB Leipzig weiter die Form des e.V. behalten darf. Gemeinnutz und somit auch eventuelle steuerliche Sonderregeln stehen jetzt mehr denn je auf dem Prüfstand.

Noch entlarvender ist die Krisenkommunikation des Vereins. Wäre man dort gut aufgestellt, hätte der Geschäftsführer oder der Pressechef des Vereins via Pressemitteilung Stellung bezogen. Und zwar in eigenen Worten. Nur so kann man sich des Eindrucks erwehren, nur die Meinung des omnipotenten Geldgebers vertreten zu können. Nur so kann man Eigenständigkeit zumindest andeuten. Stattdessen lässt RB Leipzig via Twitter erklären:

image

Wenn jetzt noch jemand Fragen dazu hat, wer in dem Verein wirklich das Sagen hat, dann hätten wir hiermit die Antwort. Einen wirklichen Verein gibt es nicht, nur ein Marketingkonstrukt. Erstaunlich ist zudem, dass RB scheinbar den Kompromiss ablehnt, im Wissen um die daraus entstehenden Probleme garstiger Vereinsmitglieder in Hülle und Fülle. Sollte der Verein also nicht daran gearbeitet haben, die Lizenzbedingungen, die nicht nur nachteilig für RB sind, umzusetzen, dann wäre dies das Ende des Projekts “Rasenballsport Leipzig”. Und die Stadt wäre um eine traurige Fußballgeschichte reicher.

Die Schuld daran trägt dabei allerdings nicht die DFL oder gar der Investor. Die Schuldfrage ist wäre sicherlich viel mehr beim DFB zu suchen, der RB Leipzig mehr als einmal hat gewähren lassen. Und auch die Leipziger Fußball-Szene muss sich Fragen gefallen lassen: zum Beispiel, ob die Gier nach großem Fußball wirklich alles rechtfertigt. Für uns übrige Fußballfans wird die Debatte um RB Leipzig dennoch ein Gutes haben. Egal wie das Ganze am Ende ausgeht. Denn RB hat eine wichtige Frage aufgeworfen: Wie lange können wir es uns noch erlauben, mit Hilfe der wackligen 50+1-Regel eine angebliche Fußballromantik vorzuleben, während man auf der anderen Seite von der ewig druckenden Geldmaschine träumt. Der Profifußball muss bald eine Entscheidung fällen. Entweder er behält sich die Romantik vor und verzichtet auf ein ewig gehetztes “Immer-Weiter-Schneller-Höher” oder er muss zukünftig die Kapitalisierungsmöglichkeiten aller Vereine überdenken. Der jetzige Zustand führt nur zu einer zwangsläufigen Frage: “Wer wird das nächste große RB Leipzig?” (cu)

(Oberes Foto: Groundhopping Merseburg unter CC-Lizenz bearbeitet mit PixlrExpress)

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*