Zwischenruf: Wider dem Bild-Whitewashing

Bei Fortuna waren Flüchtlinge schon immer willkommen
Bei Fortuna waren Flüchtlinge schon immer willkommen
Bei Fortuna schon immer willkommen

Die Sachlage ist derart einfach, dass ich mich frage, welchem Druck oder welchen vertraglichen Verpflichtungen die Bundesligavereine – und damit auch Fortuna Düsseldorf – der DFL gegenüber ausgesetzt sein mögen, dass der Verein bisher noch nicht reagiert hat: Die Bild-Zeitung oder eine Aktion der Bild-Zeitung verdient unter keinen Umständen Unterstützung – und sei es nur durch das Tragen eines Logos auf dem Trikot der Feldspieler.

Egal, wie heilig der Zweck sein mag, dem damit gedient werden soll, der größte Nutznießer dieser Unterstützung ist am Ende immer noch die Bild. Denn was die DFL scheinbar nicht begreifen kann oder will, ist, dass die Bild-Redaktion unter der Führung ihres selbstgerechten Häuptlings, Kai Diekmann, derzeit Whitewashing in wortwörtlicher Reinstform betreibt. Dabei entbehrt die Tatsache, dass Kai Diekmann den FC St. Pauli ob seiner Nicht-Teilnahme an der Bild-Refugees-Welcome-Aktion ausgerechnet in die Nähe der AfD rückte, nicht einer gewissen Ironie.

Es war gerade die Bild-Zeitung, die in den letzten Jahren im Wochentakt gegen Flüchtling gehetzt hat. Ich möchte auch behaupten, dass es diese Bild-Aktion nicht geben würde, wäre der Anteil der Flüchtlinge von den Balkanländern im August nicht auf zehn Prozent abgesunken (in den Monaten zuvor hatte die Zahl der Menschen, die von der, der AfD viel näheren, CSU gerne als “Wirtschaftsflüchtlinge” bezeichnet werden noch bis zu 45 Prozent Anteil am monatlichen Flüchtlingsstrom nach Deutschland betragen). Nun, da vor allem Menschen in Deutschland Zuflucht suchen, die aus Syrien, dem Nordirak und Afghanistan stammen, lässt bedarf es keiner Unterscheidung zwischen guten und schlechten Flüchtlingen. Für die Bild, die Chance, sich reinzuwaschen von der Mitschuld, die ihre Berichterstattung an der Entstehung von AfD und den *gidas hat. So etwas sollte kein Fußballverein unterstützen. Vor allem nicht Fortuna Düsseldorf.

Denn für einen Verein, der nicht nur Flüchtlingen, sondern auch Obdachlosen gratis Tickets für Spiele der ersten Mannschaft ermöglicht, der einmal die Woche Fußballtraining für Flüchtlingskindern anbietet und der um all solche Aktionen kein großes Aufhebens macht, kann es da eigentlich nur selbstverständlich sein, auf das Anbringen des Bild-Aktions-Logos zu verzichten. Dabei erwarte ich mir von Fortuna gar nicht, dass dies ebenso öffentlichkeitswirksam und damit auch eigennützig propagiert wird. Viel cooler wäre es, mit dem üblichen Hermes-Schulteraufdruck aufzulaufen, der auch an allen anderen Spieltagen getragen werden muss, in Bochum aufs Feld zu kommen. Den Rückhalt der eigenen Fans müsste dem Verein schon jetzt gewiss sein – dafür hat sich bereits jetzt eine zu breite Front von Fortuna-Fangruppen öffentlich gegen die Bild-Aktion positioniert.

Edit: Der Text hatte zuvor den Eindruck vermittelt, der FC St. Pauli habe seine Nichtteilnahme an der Bild-Refugee-Aktion selber verbreitet. Das war nicht der Fall und wurde entsprechend geändert.

4 Kommentare

  1. „Dabei erwarte ich mir von Fortuna gar nicht, dass dies ebenso öffentlichkeitswirksam und damit auch eigennützig wie beim FC St. Pauli propagiert wird.“
    Wie kommst du denn auf diese Behauptung? St. Pauli hat die Entscheidung nicht an der Aktion teilzunehmen ohne großes Bohei erstmal einfach nur der DFL mitgeteilt. Hochgekocht ist das Thema dann ja erst durch die Tweets von Kai Diekmann. Erst danach hat St. Pauli eine kurze Stellungnahme an die Öffentlichkeit rausgegeben, die meiner Meinung nach weit entfernt von eigennütziger Profilierung ist.
    Dem Rest des Artikels stimme ich aber voll und ganz zu! #bildnotwelcome

  2. Lässt sich Tradition eventuell doch kaufen?

    Fortuna hat Stellung bezogen und wird an dieser freiwilligen Aktion teilnehmen, obwohl die Kritik der Fans an Springer/Bild berechtigt sei.
    Ein merkwürdiges Argument. Wenn die Kritik an Bild, erst gegen Flüchtlinge zu hetzen, um dann werbewirksam eine „Willkommen“-Aktion ins Leben zu rufen, die nur der Bild wirklich nutzt, richtig ist: Wieso dann nicht verzichten? Weil:
    „Wir möchten allerdings in dieser Frage nicht unser Profil als Verein auf Kosten der Flüchtlingshilfe schärfen.“
    Genau DAS wäre sinnvoll gewesen. Damit einfach breit diskutiert wird, das diese Aktion von Bild scheinheilig ist. Keinem einzigen Flüchtling wird mit dieser Aktion konkret geholfen.
    Schade Fortuna. Wir (bin Mitglied) hätten uns wohltuend vom einheitlich denkenden und agierenden Kommerz-Fußball abheben können.
    Lässt sich Tradition eventuell doch kaufen?
    Sicherlich nicht direkt, aber eben indirekt. Durch Verbindungen zwischen DFL, DFB, Vereinen, Spielern und Verlagen/Sendern, die gleichzeitig Sponsor und unabhängiger Berichterstatter sein sollen. Das das nicht funktioniert, belegt diese Aktion hinlänglich.

    Hut ab vor St. Pauli und Union.

    • Und es ist ja auch eigentlich so unnötig. Allein weil Fortuna im Verborgenen schon so viel für Flüchtlinge macht. Jetzt steht man doppelt blöd da. Als Verein ohne Rückrat und mit zerstrittenem Gremien. Das wird eine JHV…

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