Fußballfriedhof bleibt Fußballfriedhof

Es gibt einen wunderbaren Gesang aus den Anfängen meiner Zeit als aktiver Fan. Mitte der 90er sang man langgezogen “Fußballfriedhof Uerdingen”. Damals wie heute waren die Zuschauerzahlen beim heutigen KFC unterirdisch. Nur mit dem Unterschied: Gewundert hat es damals keinen. Das ist heute offenbar anders.

Als der KFC Uerdingen in die Dritte Liga aufstieg, waren sie wieder da – die Artikel von der Rückkehr eines weiteren, längst vergessenen Traditionsclubs. So, als wäre Rot-Weiss Essen wieder aus der Tristesse der Fünft- bis Viertklassigkeit entkommen, Waldhof Mannheim und die Kickers Offenbach wieder auf dem Weg nach oben wie der FC Saarbrücken.

Jahrhundertspiel und Pokalsieg

Das mag angesichts der Tradition angemessen sein: Bayer damals, heute KFC Uerdingen war ein Club, der seit den 70ern irgendwie ein Faktor im deutschen Fußball war. Der kleine Werksverein, deutlich weniger alimentiert vom Chemie-Konzern als das Pendant in Leverkusen, am Ende fallen gelassen. Aber immerhin Pokalsieger und verantwortlich für das Jahrhundertspiel gegen Dynamo Dresden.

Aber eben auch gefangen zwischen den großen und größeren Clubs der Nachbarstädte. Ein Werksverein mit den direkten Nachbarn Mönchengladbach, Düsseldorf und Duisburg hatte es nicht einfach. Warum mit Uerdingen identifizieren, wenn es in der Nachbarstadt mehr Tradition und Erfolg gab, und das ohne Konzernbindung?

Pokalsieger gegen Meister? Nicht ausverkauft!

Uerdingen in Duisburg

Als am ersten Spieltag 1985/86 der amtierende Pokalsieger den amtieren Meister Bayern München empfing, wollten nur 26.000 Zuschauer den 1:0-Sieg der Krefelder sehen. 2.000 Tickets blieben liegen. Selbst in den Zeiten jenseits der heutigen Zuschauerzahlen ein Wert, den man in den angesprochenen Nachbarstädten so und vor allem in dieser Konstellation nicht erlebt hätte.

Noch drastischer fällt das ganze aus, wenn man sich den insgesamten Zuschauerschnitt anschaut, der statistisch bisher erfasst wurde. Nur in zwei Spielzeiten (seit 1972) fanden sich im Schnitt mehr als 15.000 Zuschauer in der Grotenburg ein. Bedenkt man dazu noch den oft hohen Anteil an Gästefans (zumindest zu Bundesliga-Zeiten) wird deutlich, wie historisch gewachsen das geringe Interesse an dem Verein ist.

Scheinriese auf dem Friedhof

Entsprechend geschichtsvergessen wirkt es, wenn sich der Investor Mikael Ponomarev über den geringen Zuspruch in der dritten Liga wundert: Wären bei Rot-Weiss Essen in der dritten Liga sicher regelmäßig über 10.000 Zuschauer da, beträgt die Streuung beim KFC irgendeine vierstellige Zahl mit einer drei oder vier vorne. Also dem Schnitt der Krefeld Pinguine – in schlechten Zeiten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Grotenburg erst später tauglich für die Dritte Liga sein wird. Die aktuelle Spielstätte in Duisburg ist einen Katzensprung von Krefeld entfernt.

Um es klar zu sagen: Uerdingen ist ein traditionsreicher Standort, mit einer treuen Fanbase, die selbst die fünfte Liga mehrfach über sich hat ergehen lassen. Aber es ist eben nicht so, dass mit dem KFC ein schlafender Riese erwachen würde. Eher handelt es sich um einen Scheinriesen, der weiter friedlich auf einem Fußballfriedhof schlummert – unweit eines ganz netten Zoos.

1 Kommentar

  1. Und was ist die „Message“ dieses Artikels? Uerdingen hatte es im Ballungsraum zwischen Düsseldorf, Meiderich und dem rechtsoffenen Kappesland schon immer schwer und heute auch?

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