Jupp Heynckes – der Empathie-Trainer

Mach’s noch einmal, Jupp. Oder warum die Rückkehr des Gladbachers zu Rekordmeister Bayern München etwas mit Mitgefühl zu tun hat.

Zum vierten Mal übernimmt Jupp Heynckes den Trainerposten beim Rekordmeister Bayern München. Warum fällt mir dazu „Mach’s noch einmal, Sam“ und Woody Allen ein? Wahrscheinlich, weil das ziemlich verrückt ist, und ich, ehrlich gesagt, nicht mehr ganz durchblicke.

Die Einen, überwiegend Bayern-Fans, feiern das, was wir in den letzten Tagen erlebt haben, als großen Coup. Andere, auch die meisten Kommentatoren in den Medien, halten die Entscheidung der Münchner Vereinsspitze für den 72-jährigen eher für ein Armutszeugnis. Und Heynckes selbst bezeichnet seine Rückkehr aus dem Ruhestand vom Bauernhof in Schwalmtal auf die Champions- und Bundesliga-Bühne als Freundschaftsdienst gegenüber seinem alten Buddys Uli Hoeneß. Alles wenig überraschend.

Geburt eines neuen Trainertypus?

Aber kann er es wirklich noch einmal machen? Den Karren wieder in die Spur bringen, die Mannschaft begeistern, den Ansprüchen der der Clubführung gerecht werden, Titel gewinnen? Was wird von Heynckes überhaupt erwartet? Ist die Auferstehung des Don Jupp reine Gefühlsduselei, haben die knallharten Bayern-Bosse einen weichen Keks bekommen und keinen Plan mehr? Wir wissen es nicht. Die nächsten Monate werden spannend. So oder so.

Denn vielleicht stehen wir gerade sogar am Anfang einer neuen Epoche. Womöglich erleben wir die Geburt eines neuen Trainer-Typus. Heißt es doch, das besondere Qualitätsmerkmal des Übungsleiters Heynckes sei seine große Empathie. Da können die Konzept-Trainer schon mal ihre Laptops zuklappen, die Jungspunde noch eine Ehrenrunde laufen und die harten Hunde und Dompteure Ketten und Peitschen einpacken. Denn Einfühlungsvermögen, Mitgefühl und Anteilnahme sind die neuen Qualitätsmerkmale des erfolgreichen Fußball-Lehrers.

Die Sache mit dem Cholesterin

Weltmeistertrainer Jogi Löw hat das sofort erkannt. Heynckes’ Rückkehr nach München sei eine „sehr gute Lösung, wegen der hohen Empathie-Werte, die er hat.“ So weit sind wir schon? Cholesterin-, Blutzucker- und Laktatwerte – und jetzt ist auch Empathie messbar. Wer hat das geschafft, Dr. Müller-Wohlfahrt oder Heynckes Schäferhund Cando? Kuscheln in der Kabine, Stuhlkreis um den Elfmeterpunkt. Wie können wir alle dem Thomas helfen, damit er wieder das Tor trifft? Und die neue Brille von dem Jerome finden wir alle wirklich ganz toll. Oder ist jetzt nur der Uli ein bisschen gefühlig geworden und will, dass der Jupp dabei hilft, dass alle ihn liebhaben?

Aber was ist, wenn es sich mit der Empathie so verhält, wie mit den Cholesterinen? Da gibt es ja auch die guten und die schlechten. Was, wenn sich die Bayern vor lauter Mitgefühl für die Freunde aus Dortmund, Leipzig oder Mönchengladbach die Hucke voll hauen lassen? Andererseits galt ja schon der junge Trainer Jupp Heynckes als verbissen und sichtlich reizbar, deshalb nannten ihn die Spieler schon damals „Osram“. Also: Mach’s noch einmal, Jupp. Ob da noch etwas Glut ist oder nur noch kalter Rauch, ob es Gewinner gibt oder nur Verlierer, ob Heynckes selbst am Ende unsere Anteilnahme benötigt, wir werden es erleben.

Einer hat übrigens schon gewonnen: Zweitligist Fortuna Düsseldorf. Der bekommt eine nie dagewesene Ablösesumme von knapp zwei Millionen Euro für Heynckes-Freund und Co-Trainer Peter Hermann. Und die Fans wissen schon wer schuld ist, wenn Fortuna nicht aufsteigt. Denn jetzt klauen die Bayern der Konkurrenz schon die Assistenten weg.

Foto: Doha Stadium Plus Qatar, erschienen unter Creative Commons, bearbeitet mit Pixl-Xpres

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