In the Year 2018: Mayer und Meier

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Das Jahr 2013 – für beide Fußballclubs in diesem Blog ein richtungsweisendes. Für die Fortuna kann es am Ende des Bundesligaabstiegsjahres doch eigentlich nur noch oben gehen, oder? Wir bei Halbangst.de sind uns da nicht ganz so sicher und wagen – wie bereits in Sachen Gladbach auch schon geschehen – den Blick in die Zukunft. Fortuna 2018 – aus unserer Sicht heißt das: Rückkehr zum heißgeliebten Flingerbroich – mit bester Stimmung trotz frustrierender Gesamtsituation. Inzwischen ist das mit der ersten Liga ja auch wieder lang genug her, dass sich daran kaum noch einer erinnern kann (die meisten Ultras 2018 waren während des legendären “Halbangstspiels” eh noch im Kindergarten). Ohne weitere Umschweife also – die reichlich (hoffentlich) fiktive Fortunajahresvorschau 2018.

Meier und Mayer waren dann am Ende doch zufrieden. Im Derby gegen die TuRU gab es ein sattes 5:0, das Polster auf den Tabellenzweiten Wuppertal wuchs zur Winterpause 2017/18 auf ganze 21 Punkte. Wer alles gewinnt, könne planen, sagte Präsident Norbert Meier auf der Weihnachtsfeier. “Vor allem endlich mal wieder positiv!”, ergänzte der treue Fortunen-Macher. Auch Trainer Frank Mayer ist inzwischen froh, dass es vielleicht in absehbarer Zeit wieder Regionalliga-Fußball in Düsseldorf geben könnte. Es wäre ein starkes Signal, erklärte das Euskirchener Original aus den längst verblassten Oberligajahren von 2002 bis 2004. Dass er mit 40 Jahren ein zweites Mal den Wechsel vom Heizkörperpinsel auf den Fußballplatz schaffen würde, hätte sich Mayer selbst niemals vorstellen können. Persönlich wäre der Chefcoach der Flingeraner auch mit einem niedrigeren Tabellenplatz zufrieden gewesen. Hauptsache (halbwegs) bezahlter Fußball. Hauptsache keine Heizungsrohre mehr anstreichen müssen. Nicht, nachdem er auch ein drittes Mal durch die Meisterprüfung gefallen war. Die A-Lizenz war da irgendwie leichter zu bekommen…

Genickbruch vor fünf Jahren

Sein Chef, Vereinsboss Norbert Meier, hat noch andere Motive, als einfach mal wieder guten Fußball in Düsseldorf zu spielen und eventuell sogar aufzusteigen: Er will den entscheidenden Moment wett machen, der die Fortuna in den Abwärtsstrudel taumeln lies. Viereinhalb Jahre ist es nun her. Die Partie, in der die Wende zum Schlechten kam. “Hätten wir gegen Nürnberg im letzten Bundesliga-Heimspiel gewonnen, wir wären heute noch mindestens in der zweiten Liga!”, sagt Meier, wann immer er danach gefragt wird. So auch heute.

Aber, wie alle wissen, so kam es nicht. Man verlor dusselig mit 1:2, stieg eine Woche später ab. Konnte sich der Verein in der darauffolgenden Saison noch in der zweiten Liga konsolidieren, ging es ein Jahr später weiter bergab. Man traf in guter Tradition sportlich falsche Entscheidungen. Wie immer, wenn es bei der Fortuna mal nicht läuft. So wurde das abermalige zu lange Festhalten an einem Trainer (Köstner) zum Problem. Erst als man abgeschlagener Letzter war, wurde Köstner am 28. Spieltag der Saison 2014/2015 entlassen. Nachfolger Morales konnte nichts mehr retten.

Die jahrelange politische Abhängigkeit

Hinzu kam der Kulturwechsel in der Stadt. Ein Jahr vor dem Abstieg aus der zweiten Liga war der damalige Oberbürgermeister Elbers im Mai 2014 abgewählt worden. Der neue Rathauschef Geisel von der SPD hatte es eher mit der Hertha. Zudem sah er – anders als sein Vorgänger – Fortuna nicht als Ventil an, eigene inhaltliche Schwächen zu kaschieren. Geisel formulierte klar und deutlich: Fortuna müsse auf eigenen Beinen stehen können. So richtig diese Annahme des neuen OBs war, so falsch gewählt war der Zeitpunkt. Der von der Rheinischen Post stets wegen seiner kleinen Körpergröße verspottete Mann, entließ den Verein in die Freiheit der Wirtschaft.

Doch die kluge Idee hatte einen Haken. Als Geisels Vorgänger ad hoc neuer Vereinspräsident werden wollte, füllte er damit umgehend ein im Vereinsvorstand entstandenes Vakuum. Lokal führende Wirtschaftsprüfer hatten Elbers zudem in höchsten Tönen des Amtes für würdig erklärt. (Düsseldorfer Jonges, Düsseldorfer Comitee Carneval sowie die Schützenoberbruderschaft.) Die Anwesenden auf der Jahreshauptversammlung jubilierten und wählten ihn einstimmig ins Amt. Dass der überwiegenden Zahl der Mitglieder bei einer “Parteibuchprüfung” zuvor das Stimmrecht entzogen wurde, verschwieg man dezent. (mit Ausnahme der inzwischen nur noch als Tumblr-Blog erscheinenden NRZ hielt keiner der berichtetenden “Journalisten” von RP, Express, Bild und WZ diesen Vorgang für erwähnenswert oder gar problematisch. Junge Nachwuchskollgen und -kolleginnen – allesamt Stars des Web 2.0 – verstanden ihn zudem mangels Kenntnisse außerhalb Twitters garnicht oder waren damit überfordert für die Anreise zur Mitgliederversammlung am Bahnhofsschalter Zugtickets zu buchen.)

Elbers machte sich gleich nach seiner Wahl ans Werk und holte externen “Sachverstand”. Aber Christina Begale, Thomas Berthold und Angela Erwin hatten nicht immer ein glückliches Händchen. So wurde Anfang 2015 mit dem Bau von “Sansibar-Logen” am Flinger Broich – obwohl dort zu diesem Zeitpunkt weiterhin nur die Reserve kickte – nahezu sämtliches Kapital der Fortuna verbrannt. (Elbers: “Warum kommt denn keiner in die Loge, alle Menschen lieben doch Sylt?” Begale: “Weil die Wi…er vom DFB den zugesagten Antrag, uns für die Champions-Legue zu melden, abgelehnt haben, die Str…er!”). In Folge all dessen musste F95 am Ende das Aachener Schicksal erleiden und ging in die Insolvenz.

Oberbürgermeister Geisel trug es mit Fassung, blühte doch 2016 die Sportstadt Düsseldorf durch den Meistertitel der Düsseldorfer EG gegen Überaschungsfinalist und DEL-Aufsteiger Riessersee wieder auf. (“Preiiiiibiissschhh, die Entscheidung”) Und durch die neue NFL-Europe war auch die Auslastung der Stockumer Rheinmetall-Arena gewährleistet. Für die verbleibenden 900 Dauerkarteninhaber der Fortuna hies es also: Lizenzentzug, Neustart in der Oberliga. Mal wieder.

Altes Liedgut und eine Google-Suche

Was dann folgte, kann nur als Aneinanderreihung glücklicher Zufälle in die Vereinsgeschichte eingehen: Am ersten Spieltag der Saison 2016/17 war eine kleine Gruppe ewiggestriger Fußballfans derart von der Rückkehr an den Flingerbroich verzückt, dass sie das vorherrschende Liedgut der Saison 03/04 noch einmal zum Besten gaben. Der Song “Der Mayer hat gefickt, olé, olé!” veranlasste den als Interimspräsident eingesetzten Alex Spengler bei Google sowohl nach Frank Mayer als auch nach Norbert Meier zu suchen. Ergebnis: Der eine bereitet sich gerade auf die dritte und letzte Meisterprüfung bei der Handwerkskammer vor; der andere erholte sich von einem Ausflug als Cheftrainer bei FK Dordoi Bischkek.

Es sollte noch bis zum Ende der Saison dauern, bis das neue Führungsduo Meier/Mayer auf ihre Posten einnehmen konnte. Zuvor und abermals nur durch Glück (und das Nicht-Melden von Landesligameister SV Adler Osterfeld für die Oberliga) stieg die immer noch von Massimo Morales geleitete Truppe nicht auch aus Liga 5 ab. Immerhin war bei aller Dramatik genug Material für einen inzwischen dritten Legenden-Film entstanden.

Ein weiterer Kreuzzug ins Glück

Und somit erinnert zum Jahreswechsel 2017/18 (zu) Vieles an einst vergangene Zeiten. Und das bei einem Verein, der trotzdem immer noch glaubt, es könne keinen Geileren neben ihm geben. Norbert Meier freut sich, endlich mal wieder in Deutschland tätig sein zu dürfen. Frank Mayer hofft auf eine letzte Chance, nicht bis zur derzeit diskutierten Rente mit 71 Heizungsrohre anstreichen zu müssen. Und die Fans von Fortuna Düsseldorf? Die wissen, dass es immer noch schlimmer kommen kann. (bw/cu)

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