Journalistische Haltungsfragen in Derbyzeiten

8649206791_a098752d93_oWährend der Länderspielpause vor dem Derby Gladbach gegen Köln ist viel über den Trainer der Gladbacher geschrieben worden. Fakt ist: Er ist erwartbar noch im Amt. Was den ein oder anderen Kollegen zu Verrenkungen der besonderen Art bringt.

Zugegeben, nach dem Berlin-Spiel haben wir zumindest bei der Überschrift auf die Kacke gehauen, haben das Ende einer Amtszeit prognostiziert. Es war der erfolgreichste Text in der Geschichte des Blogs. Aber war er auch populistisch? Laut Rheinischer Post schon – da haben wir ein Tribunal gebildet. Was uns ein wenig amüsiert hat. In sprachlicher Hinsicht, da man vor Nutzung des Begriffs Tribunal sich vielleicht mal mit ihm auseinandersetzen sollte. Uns zum obersten überstaatlichen Gericht zu erklären, ist zwar ehrenhaft, aber nicht angemessen. Außerdem weichen wir auch in dem besagten Text nicht von unserer Linie ab.

Wir bleiben kritisch bei Schubert, so von wegen fehlender Spielidentität, Geschwindigkeit und Trainingslehre. Haben wir alles schon geschrieben. Auch der jetzt schon vom RP-Kollegen Karsten Kellermann in dem Text, in dem er uns “Tribunal” nennt, geschriebene Lattek-Vergleich ist uns vor Wochen schon aus der wortreichen Feder geflossen. Viele haben es als Lob gesehen – Kellermann und unsere Gladbach-Sektion hier im Blog wissen jedoch beide genau, dass man in Mönchengladbach nicht lobt, wenn man jemanden mit Lattek vergleicht.

Borussia und die Trainerlegende waren nie eine Liebesbeziehung, trotz aller Titel. Diese waren immer stets das Erbe Weisweilers. Und genau das sagt dieser Vergleich aus, wendet man ihn auf Schubert an: Der aktuelle Favre-Nachfolger ist nur der bequeme Erbe des geliebten Monsieurs. Insofern ist es etwas unredlich, auf einmal die Kritik auf Blogs zu lenken, wenn man selber an vorderster Front mitmacht.

Dabei ist das aktuell nicht schlimm: Selbst die ebenfalls von der Rheinischen Post zitierten Blogger-Freunde von torfabrik.de sind nicht weit weg von uns. Klar, sie ziehen keine so scharfe Schlussfolgerung wie wir. Aber wer sich den Text “Der Blick geht nach unten” mal genauer anschaut, könnte ihn für ein Konstrukt ein- und desselben Autors halten, der auch hier “Das Ende einer Amtszeit” geschrieben hat. Allerdings entstanden beide in völliger Unkenntnis voneinander. Beide sprechen in ruhigen Worten (eine Überschrift macht noch nicht den ganzen Text) von einem fehlenden Spielstil. Die unklare Rolle Tony Jantschkes wird unisono als Beleg für die Überforderung der Spieler gewählt, entstanden durch ständige Umstellungen und zu hoher, erzwungener Flexibilität. Torfabrik wie wir kommen zu dem Schluss, dass man selbst die besten und intelligentesten Spieler überfordern kann. Aussagen, die man auch in einem weiteren “Fantext” findet: bei den Kollegen von seitenwahl.de. Auch wenn die Schlussfolgerung nicht überall die gleiche ist, der Tenor ist eindeutig und sachlich jeweils begründet:

It’s the coaching, stupid!

Insofern macht es sich Kollege Kellermann da etwas einfach, uns in einen Topf zu werfen mit denen, die schon nach zwei Niederlagen krakeelen. Wir haben hier noch nie groß auf Ergebnisse geschaut. Und wir stehen zu unseren Haltungen und wechseln sie nicht wöchentlich. Oder bleiben zumindest konsistent. Anders als so manche Zeitung.

Foto: The Stadium Guide, erschienen unter CC-Lizenz, geändert mit pixlr-express

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