Gnade für Löw-Bierhoff-Flick?

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Es ist ja kein Geheimnis für die Leser dieses Blogs: Es gibt hier eine klare Schlagseite gegen die Nationalmannschaft. Warum? Das dokumentieren wir nach fast jeder Länderspielpause. Ob auf Reisen, am Fernseher oder in der Kneipe – stets geht uns mehrheitlich die Löw-Truppe am Arsch vorbei. Doch nicht alle schließen sich bei uns dieser totalen Verachtung an, denn es gibt durchaus sachliche Argumente, die Entwicklung der DFB-Elf auch positiv zu sehen. Diese wirklich ganz kleine Kontroverse in der Redaktion wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten.

Der Kollege mfb hat schon Recht, auch wenn sein Verhältnis zu Löws Mannschaft ambivalent ist: Selten hat eine Nationalmannschaft schöner gespielt. Was das Fußballerische angeht, hat die DFB-Elf seit Jahren eine beachtenswerte Stabilität entwickelt. Man weiß, dass man attraktiven Fußball bekommt. Das ist ein Verdienst von Joachim Löw, diesem Argument muss ich mich beugen. Mehr noch, ich muss akzeptieren, dass der vorgelebte Geist bei der Nachwuchsförderung auch für meinen Verein positiv ist. Durch den Rumpelfußball der DFB-Elf in der Post-Vogts-Ära ist einiges in Bewegung gekommen. Jugendleistungszentren, wie in Gladbach, versorgen die DFB-Elf mit hervorragenden Kandidaten.

Denke ich sogar weiter, bin ich ganz froh, dass die Nationalelf international nicht mehr beschämend ist. Klar, bleibt für mich die WM 2002 ein Highlight meines Fanlebens. Unverdient ins Finale, mit maximaler Rumpelei. Das Unterzahl-Tor von Marco Bode gegen Kamerun ist für mich bis heute eines der schönsten, das ich kenne. Auch muss ich heute noch lachen, wenn ich Rudi Völler penetrant “Irländer” sagen höre, selbst nachdem ihn die Journalisten darauf hingewiesen hatten, dass es Iren heißen muss. Dass man im Finale auch noch unverdient nicht Weltmeister geworden ist, lässt mich bis heute mit einem schelmischen Grinsen zurück. Ja, man war besser als Brasilien. Wäre Neuvilles Freistoß gegen Brasilien nicht gegen den Pfosten gekracht, sondern ins Tor, tja, man hätte was zu feiern gehabt. Auf dem Frankfurter Römer, mehrheitlich mit Jeanshemd und Schnäuzer im Gesicht, statt mit schwarz-rot-goldenen Blumenketten und Olli Pocher an der Siegessäule in Berlin.

Aber ich muss eingestehen: Hätten wir so weiter gemacht wie unter Völler, wären wir heute wie England. Nur ohne geile Liga. An dem Punkt hat mein Mitblogger Recht. Und dabei wäre es auch geblieben. Vielleicht hätte ich mich ja noch so ein bisschen mit dem Ganzen versöhnen können. Allerdings machte der Kollege einen entscheidenden Fehler: Er zeigte in einigen Punkten Verständnis, Gründe für meine Verachtung zu haben und auch er sei wegen dieser im Bezug auf die Nationalelf etwas gespalten. Dabei bezog er sich unter anderem auf das Bierhoff-Interview im Kicker. Das Gespräch mit dem Produktmanager aus Essen-Süd hatte ich jedoch nicht gelesen! Also lieber mal selber nachschauen. Und was sagt der Sportdirektor der Truppe darin? Folgendes:

“Für den Wert der Sponsoren ist entscheidend, dass wir Emotionen wecken. In deren Werteskala ist eine sympathische, imageträchtige und attraktiv spielende deutsche Mannschaft vielleicht wertiger als eine, die 2014 den Titel holt und dann langweiligen Fußball spielt.”

Und genau deshalb verachte ich dieses “System Bierhoff-Löw-Flick”. Ich mag Fußball, weil dem Ergebnis der Sponsor scheißegal ist. Der Sport besitzt eine egalitäre Kraft. Und das gilt auch für die Nationalelf! Die Ergebnisse kommen im Sinne des Sports zu Stande, und nicht für den Kotau vor den Sponsoren. Als ich die Aussage von Olli B. las, wünschte ich mir, dass ein gewisser Michael B. nach dem verlorenen Finale bei der EM 2008 doch vollends durchgezogen hätte.Ich selber gönne diesem Manager nur noch eins: den schmutzigsten WM-Titel aller Zeiten, der auf einer Unsportlichkeit im Finale beruht! Auf dass er sich daran an seinem Käsekuchen verschluckt. Es bleibt dabei: Schluss mit sachlich! God save the Queen! (cu)

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