Der erste Anzug sitzt, aber manchmal zwickt er doch…

Zwar sind es noch ein paar Spiele bis zum Ende dieser Bundesligaspielzeit, aber trotzdem ist es jetzt schon angebracht, auf die Saison zurück- und die nächste vorauszublicken. Denn die Sache ist gelaufen, Borussia Mönchengladbach wird sich für die Europa-League qualifizieren. Platz Vier und die Champions-League-Qualifikation sind zu weit weg, aber ein Vorsprung von sechs Punkten auf Platz 8 sollte nun wahrlich nicht mehr verspielt werden. Also: Es gibt wieder Europapokal  – leider nur die Ausgabe mit den vielen späten Spielen am Donnerstagabend und den ungeliebten Sonntagsterminen in der Liga. Kein wahrer Grund zum Meckern – 2013/14 war eine Spielzeit mit viel Licht, aber eben auch einigem Schatten und einer wichtigen Erkenntnis:

Will Borussia Mönchengladbach in den nächsten Jahren weiter nach vorn kommen und möglicherweise auch mal wieder nach der Schale schielen, braucht es Ergänzungen im Kader und vor allem auch Alternativen, die ein verfahrenes Spiel kippen können. Die gibt es bislang noch nicht.

In der Hinrunde lief alles wunderbar. Borussia hatte eine Truppe, die funktionierte genauso, wie es Trainer Favre vorschwebt. Schnelles ballsicheres Spiel nach vorn, sicher in der Defensive – das war das Erfolgsrezept, zunächst nur bei Heimspielen, im zweiten Saisonviertel auch auswärts – Platz Drei war der verdiente Lohn zur Winterpause. Verletzungen fielen zunächst kaum ins Gewicht – der Ausfall von Alvaro Dominguez in der Innenverteidigung etwa wurde durch die Versetzung von Tony Jantschke in die Mitte mehr als kompensiert. Inzwischen plant Favre mit Jantschke als ständigem Innenverteidiger.

Aber schon in einigen Spielen der Hinrunde und erst recht in der zweiten Halbserie fiel auf,  dass sich niemand aus der zweiten Reihe aufdrängte, in die Stammelf zu gelangen. Wenn es mal nicht lief und Lucien Favre nun wirklich nicht mehr drumherum kam, auszuwechseln, passierte eigentlich… nichts. Branimir Hrgota für Patrick Hermann, Amin Younes für Juan Arango, Lukas Rupp egal für wen – die Wechsel blieben,gerade in der Rückrunde, fast immer wirkungslos. Die Mannschaft spielte den gleichen Stiefel weiter – entweder es lief, oder es lief eben nicht.

Manchmal hatte man gar den Eindruck, dass die Truppe selbst irgendwann im Laufe eines Spiels zu genau dieser Erkenntnis gelangt: “Mensch, heute sind wir toll drauf, uns kann keiner was”, oder eben das Gegenteil: “Och Mann, der Gegner wehrt sich ja, und es ist hier alles so mühsam, der Schiri ist auch gegen uns – Manno, wir mögen nicht mehr.”

Und so gab es eben geniale Spiele wie gegen Schalke oder – mein Highlight – das 2:2 gegen Wolfsburg und Grottenpartien etwa zu Hause gegen Leverkusen oder in Frankfurt. Und ein Spiel, das die ganze Saison repräsentiert: letzte Woche in Freiburg. Den Gegner an die Wand gespielt, nur ein Tor geschossen, blöden Ausgleich kassiert, Elfer verschossen, Rückstand und: “Manno, jetzt haben wir die Faxen aber dicke, das macht ja alles keinen Sinn. Spiel verloren, null Punkte. Wie gemein!” Das Granit Xhaka dann noch vom Platz fliegt und hinterher Schiri Gagelmann die Schuld am Ganzen gibt, passt genau ins Bild.

Borussia Mönchengladbach war immer – auch schon in den glorreichen Zeiten – dann stark, wenn das Spiel fast wie von selbst lief. Kämpfen war immer was für die anderen. Was der Mannschaft von heute im Gegensatz zu damals jedoch noch fehlt, sind die Leader, die die anderen dann doch mitziehen, wenn es mal nicht läuft. Ein Martin Stranzl, der vielleicht mal etwas lauter wird, reicht da nicht. Ob bei den bisherigen Neuverpflichtungen eine Führungspersönlichkeit dabei ist, muss sich noch herausstellen. Ich habe da so meine Zweifel.

Eines aber versprechen die Neuen, egal ob Traoré, Johnson oder Hahn. Sie werden den Arrivierten den Druck machen, den sie brauchen. Alle haben das Potenzial, in der ersten Elf zu stehen, allein das sollte ausreichen, Bequemlichkeiten auszutreiben. Eine echte Verstärkung sehe ich beim Torwart. Yann Sommer scheint mir sportlich nicht schwächer als ter Stegen, menschlich wirkt er aber ausgeglichener. Nicht gerade leistungsfördernde Scharmützel mit den eigenen Mitspielern, wie gerade in dieser Saison immer wieder gesehen, sollte es mit Sommer nicht geben.

Was fehlt noch: Zwei Positionen müssen dringend verstärkt werden. Eine in der Innenverteidigung, die Namen Mustafi und Schär werden hoch gehandelt, und vor allem: eine im Sturm. Ein kopfball- und kampfstarker Spieler, der in die Bresche springt, wenn es bei Kruse und Raffael nicht so läuft und der die anderen mitreißt, wäre für mich ein Königstransfer. Eigentlich ein Typ Luuk de Jong, hätte dieser sein Phlegma abgelegt. Aber er scheint bei Lucien Favre keine Chance mehr zu haben. Dann schon eher Josip Drmic, Borussia würde dann immer mehr zum Sammelbecken für Schweizer Nationalspieler. Auch nicht das Schlechteste…(ks)

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