Geh Du voran, Lorenz!

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Er stand bei noch keinem einzigen Pflichtspiel der Fortuna als Cheftrainer an der Seitenlinie. Und trotzdem hat Lorenz-Günther Köster bereits ein paar geruchsintensive Duftmarken gesetzt, die erahnen lassen, was Mannschaft und Anhänger der Rot-Weißen in der Rückrunde erwarten dürfen.

Die Interviews, die Lorenz-Günther Köster in den ersten Tagen im neuen Amt gab, waren deutlich, ehrlich, offen und ein wenig überraschend. Von “Gelassenheit” war die Rede bei Köstners Antritts-PK, davon, dass er “Nichts” versprechen könne. Auch sprach er von einer “positiven Einstellung”, mit der man zurück in die Spur der Bahn käme, mit der der Verein von der dritten in die erste Liga gefahren war. Dass die am schwersten zu lösende Aufgabe in der Defensivabteilung liegen würde, konnte allerdings der ansonsten um einen vertrauensvoll in die Zukunft blickende Haltung bemühte Köstner auch nicht verleugnen. Wie auch bei 29 Gegentreffern in der Hinrunde? Nicht nur für einen Club, dessen neuer Trainer seinen Spielern nicht verbieten will, vom “Aufstieg zu träumen”, eine nicht tolerierbar hohe Zahl.

Vorbei mit der verbalen Aufbauarbeit (in der Öffentlichkeit)

Wie lückenhaft Fortunas Abwehr derzeit noch arbeitet, offenbarten sogar die beiden ersten Testspielsiege gegen Meerssen (3:0) und Strümp (7:0). Trotz deutlicher Siege überraschte Köstner die gewohnt einseitig ergebnisorientiert denkenden Düsseldorfer mit Kritik am lückenhaften Abwehrspiel seiner Mannschaft – selbst bei niedrigklassigen Gegnern.

Was folgte,war die 0:4-Testspielklatsche in Leverkusen und der Beweis: Vor Köstner liegt noch ein langer Weg. Denn die Art und Weise, wie der Vizeherbstmeister seinen Nachbarn vorführte, offenbarte auch, dass Köstners Kritik an der Abwehrleistung seiner Truppe in den vorherigen beiden Spielen, bei Teilen der Mannschaft nicht angekommen war.

Und auch beim Wintercup am vergangenen Wochenende hatte so mancher Spieler die Botschaft nicht verstanden: Mit einer arg dürftigen Vorstellung beschloss Fortuna das eigene Turnier auf dem letzten Platz – verursacht abermals durch simpelste Stellungsfehler. “Das habe ich schon hundert Mal gesagt, aber das geht nicht in die Köpfe,” rumpelte Köstner öffentlich zum Ende des Turniers gegen die eigene Truppe.

Ab hier an deutlich

Dass Köstner kein Trainer ist, der sich auch in Zeiten der größten Krise vor die eigene Mannschaft stellt, dürfte niemand überraschen. So manchem Rot-Weiss-Essen-Fan dürften noch die wenig schmeichelnden Worte, die Köstner für Mannschaft und Verein fand, in den Ohren klingeln. Am Ende von Köstners Zeit im Ruhrgebiet war RWE abermals abgestiegen.

Was das für Fortuna heißt? Erst einmal gar nichts. Ein Trainer, der die Dinge beim Namen nennt, ist erst einmal positiv zu bewerten – so lange sich aus dem regelmäßig wiederkehrend Herumpoltern des Chefcoach kein vereinsinterner Machtkampf entwickelt. Doch danach sieht es erstmal nicht aus. Vielmehr werden sich die Spieler daran gewöhnen müssen, dass ihre Fehlleistungen auch nach Außen hin deutlich angesprochen werden. Ob dies letzten Endes zielführend ist, werden wir in wenigen Wochen wissen. (Text: bw. Bild: hbe-)

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