Von den wirklichen Spaltern

Beim Spiel gegen St.Pauli in der Saison 13/14 halten die Fortuna-Ultras in Block 42 Banner gegen Politik in der Kurve hoch
Der Ex-Vorzeigeblock
Beim Spiel gegen St.Pauli in der Saison 13/14 halten die Fortuna-Ultras in Block 42 Banner gegen Politik in der Kurve hoch
Der Ex-Vorzeigeblock

Jetzt ist also auch endlich offiziell, was seit Wochen in Vereins- und Fankreisen nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde: Die Dissisdenti/F95.Antirazzista oder wie sich die Gruppe von Menschen sich auch nennen mag, werden zur kommenden Spielzeit in von Block 142 in Nummer 39 umziehen.

Ein Grund, warum dieser Vorgang so lange wie mögliche geheim gehalten wurde, war der Schutz der betroffenen rot-weißen Anhänger. Tatsächlich wurden vor einigen Tagen – so schildern es unsere Quellen – noch Block-142-Dauerkarteninhaber unter der Woche und fernab vom Stadion bedroht und auf dem Weg nach Hause von Unbekannten verfolgt. Auch der Verein hat sich auf ein mögliches Drohszenario im Stadion bereits eingestellt und mit dem Stadion-Sicherheitsdienst ein gesondertes Konzept für den 39er ausarbeitet. Als ob man noch einmal unterstreichen wolle, dass die Sorgen der Betroffenen und des Vereins tatsächlich gerechtfertigt sind, wird der Umzug von Dissisdenti/F95.Antirazzista in den Fortuna-Foren mit der ewig spießbürgerlichen Wut kommentiert, die alle Geschehnisse um diese Gruppe in den letzten zwei Jahren mehrheitlich begleitet haben.

Für mich ist dieser Vorgang die klügste Entscheidung, die der Verein treffen konnte. Dass Dissisdenti/F95.Antirazzista in Block142 abgeschoben werden mussten, war ein großer Schandfleck für einen Club, der sich nicht nur selbst für tolerant und weltoffen hält, sondern von diesem Image auch lebt (und daran auch in schlechten Zeiten Geld verdient hat). Dass die eigene Fanszene nicht in der Lage war (ist), ein kleines Grüppchen offen links (und ja – nicht selten auch nervig) agierender und ein wenig alternativ supportender Fans nicht nur zu tolerieren, sondern auch zu akzeptieren, ist noch immer beschämend. All das ist weit weg von der Einheit, die „Lumpi“ Lambertz bei seinem Abschied anmahnte. Und die wird es wohl auch so schnell nicht geben, denn an die größten Spalter im Verein traut man sich in Fankreisen wohl kaum ran.

Dem ehemaligen Vorzeigeblock schwimmen die Felle davon

Dabei sind diese auch in Fankreisen derzeit so angezählt, wie möglicherweise nie zuvor in ihrer 15-jährigen Geschichte: Es sind die Damen und Herren in Block 42 und ihr Schweigen am letzten Spieltag. Wer selbst im Moment des Abgangs des größten Idols, das Fortuna Düsseldorf in diesem Jahrtausend hervorgebracht hat, nicht in der Lage ist, sich anständig zu verabschieden, weil er seinen eigenen den Support-Boykott der restlichen Mannschaft gegenüber für bedeutender hält, scheint die eigene Wichtigkeit im Verein stark zu überinterpretieren. Dabei muss man einwerfen, dass das Wort „Boykott“ von mir stammt und nicht von den Boykottierenden. Die hatten ja richtigerweise auch auf ihrer Website angekündigt, dass das Ausbleiben dessen, was sie für Support halten, kein Boykott, sondern nur ein Ausdruck von „Resignation“ sei. Die Diskussion, ob monotoner Singsang jemals einen Sportler motiviert hat, eine Schippe drauf zu legen, erspare ich mir an dieser Stelle.

Die Mär von der unpolitischen Kurve

Stattdessen frage ich mich, wie unpolitisch es ist, wenn beim letzten Spiel von Andreas Lambertz ein Gedenktransparent für einen angeblichen Neonazi ohne größere Konsequenzen hochgehalten werden kann? Wer – wie nicht wenige in diesem Block – inzwischen die konsequente unpolitische Kurve fordert und unter anderem deswegen zulässt, dass Gruppen wie Dissisdenti/F95.Antirazzista aus dem Block geschmissen werden, untergräbt mit der Toleranz solcher Banner im Mindesten die eigene Argumentationsgrundlage. Wer in großer Zahl zum letzten Spiel von Jens Langeneke nach Uerdingen fährt, um ihm dort den Abschied zu bescheren, den auch er verdient hat, nur um diesen Abschied „Lumpi“ dann am Folgetag zu verweigern, stört den Fanfrieden mehr, als das im Vergleich lächerlich kleine Grüppchen rund um Dissisdenti/F95.Antirazzista jemals schaffen werden.

Längst nicht mehr unantastbar

Bei den Vereinsverantwortlichen dürfte diese Erkenntnis in der abgeschlossenen Saison langsam aber sicher auch herangereift sein. Und vermutlich weiß man im Block 42 bereits, dass die Privilegien, die die eigenen Vor-Vorgänger in den Oberligazeiten für die Gruppe mit Recht erarbeitet haben, längst zur Disposition stehen.

Natürlich ist auch der 42er nicht alleine daran schuld, dass durch die Düsseldorfer Fanszene ein Riss geht. Die Alleingänge, die in diesem Block immer wieder entstanden – wie die großartigen Choreos der vergangenen Jahre – hatten oft auch eine einende Kraft, die das rot-weiße Wir-Gefühl beschworen. In dieser Saison wurde dafür allerdings ausschließlich die eigene Bedeutung gefeiert – sei es mit Bengalos am Rheinufer oder durch das Einstellen des Supports der ersten Mannschaft. Das kann man natürlich nach der Sommerpause auch so fortführen. Möglicherweise wird sich dann aber bei noch mehr Fans die Erkenntnis verstärken, dass das Kontraproduktivste für eine wieder erstarkende rot-weiße Fanlandschaft eine Einzelgruppe ist, die sich immer wieder als primus inter pares hervortut, nur um gleichzeitig zu behaupten, das man genau das eigentlich gar nicht vorhabe. Und wer sich so eines Eindruckes irgendwann nicht mehr erwehren kann, muss eventuell damit rechnen, dass es einem genauso ergeht, wie einer viel kleineren Gruppe, der man genau dieses einst vorgeworfen hatte …

14 Kommentare

  1. Totale falsch Informationen.
    Übelste hetze gegen die Fanszene.
    Dissidenti hält keine Absprachen ein und entzieht sich jeder Diskussion.

  2. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, haben die Ultras sich durchaus verabschiedet – statt von Lumpi allerdings lieber von einem Neofaschisten.

  3. Die Sticker-Hegemonie im Düsseldorfer Stadtteil Flingern haben die sog. Ultras Düsseldorf schon lange nicht mehr. 🙂
    Die Toleranz (gegenüber Neonazis und rechten Hools) kotzt nicht nur Fans der Fortuna an.

    Mit der Überschrift „Die Plage kehrt zurück: Düsseldorfer Ultras wieder im Stadion“ widmetet sich ein regionales Neonaziportal noch vor 2 Jahren zu den damals zumindest noch halbwegs als Nazigegener zu bezeichneten Ultras Düsseldorf.

  4. Die ersten Risse in der Fanlandschaft haben sich doch schon zur Hinrunde 2012/13 gezeigt, als allseits bekannte Krawallmacher und Altgediente, die sich dem Vernehmen nach überwiegend in den obersten reihen der Blöcke 162 und 163 aufhielten und ihre politische Gesinnung frei zur Schau stellen konnten, meinten, zuletzt beim Auswärtsspiel in Mainz unseren allseits geliebten Capo und, so möchte ich einfach mal behaupten, kreativen Kopf und Kleber des Blocks 42, wenn nicht sogar der gesamten Süd einfach mal so zusammenprügelten.
    Es hat mich nicht gewundert, dass er sich unter Ignoranz der F95-Verantwortlichen zurückgezogen hat und damit den Anfang vom ende eingeleutet hat.
    Danach, unter wahrscheinlich dem Druck von weiteren Repressalien jener Überbleibsel der 80er-Jahre-Stehplatzblockkultur, wurde die Mär vom unpolitischen Block immer lauter und öfter hinausposaunt.
    Kleiner Exkurs: Hier sei gesagt, dass der Sport an sich noch nie unpolitisch war und immer politisch sein wird.
    Ich als regelmäßiger Stadiongänger seit meiner Rückkehr nach Düsseldorf zur Rückrunde 2009/10 musste leider feststellen, dass der Support von da an immer weniger spielbezogen wurde, Gesänge teilweise über 10-15 Minuten monoton, fast schon koranschulenmäßig wiederholt wurde.
    Höhepunkt des Ganzen war dann die Auseinandersetzung F95-Unterstützer (um es mal vorsichtig auszudrücken), die gewissen Elementen von Atletico Madrid nicht abgeneigt sind, mit eben jenen Dissidenten, die darauf hin verbannt wurden.
    Dies stellt schlichtweg eine Perversion der (seitdem anscheinend nur noch geheuchelten) Toleranz und Offenheit der rot-weissen Kurve dar.
    Wenn man bei Heimspielen die Dissidenti auf der Warsteiner so sah, taten sie mir leid, zumal sie teilweise mehr Stimmung machten und die Mannschaft anfeuerten, als der 42er oder die Süd als Ganzes.
    Von daher begrüße ich die Rückkehr der Dissidenti auf die Süd.
    Der Block 42 und die Ultras sollten sich mal überlegen, ob sie nicht zu ihren Wurzeln zurückkehren möchten: Zur Unterstützung der Mannschaft als oberstes Gebot, vereint mit der konsequenten Botschaft der toleranten und offenen Kurve.
    Protestiert lieber gegen einen rechter Gewalt tatenlos zusehenden Vorstand, als gegen eine zusammengewürfelte Mannschaft, die es in der Rückrunde 2014/15 schlichtweg einfach nicht besser konnte.

  5. @Soul City (sog. Ultras)
    Ich bitte um Aufklärung, was konkret an dem Blog-Artikel oder den letzten Kommentaren Schämens wert ist? Der Hinweis darauf, dass es wohl Tendenzen in der Fanszene gibt, die rechtsoffen sind und eine unpolitische Kurve fordern?
    Und kann mir einer mal klar sagen, weshalb der ehemalige Vorsänger Niko nicht mehr Vorsänger ist?

  6. Darauf kannst du lange warten. Etwas konkretes kommt von den UD nie. Sonst gibt es nachher noch Ärger mit dem Bushwhackers. Wie damals mit dem 11 Freunde Text. Da hieß es immer nur: Das stimmt alles nicht. Bei Fortuna gibt es keine Nazis. Niko hat von sich aufgehört. Klar, träumt weiter. Es wird immer vor den ach so unpolitischen Hooligans gekuscht, die mit ihren Nazifreunden aus Madrid saufen gehen und linke Fans angreifen und bedrohen. Fortuna, Fanprojekt und Polizei gucken weg. Mit Ultras hat UD nichts eh mehr zu tun. Ein lächerlicher Haufen ist das geworden. Keine Stimmung, keine Aktionen. Nicht mal für Lumpi haben die einen Abschied hinbekommen. Peinlich und ohne Inhalt. Auf einem Niveau mit Ahlen.

    • Danke für den Hinweis.
      Kann ich die Antwort so verstehen, dass Bushwhackers den (möglicherweise kleinen, zumindest im Vergleich zu den Bushwhackers) Jungs von UD Haue angedroht haben? Das wohl irgend jemand oder irgendeine Gruppe dem ehemaligen Vorsänger Niko sehr eindrücklich nahegelegt haben, auf seine Rolle zu verzichten und doch (man ist doch unter Kumpels, ne) über das Gespräch unter Männern (das eventuell sehr einseitig verlief) nichts weiter preiszugeben, geht ja keinen was an, oder?
      Habe ich das so richtig verstanden? Meine Güte, leben wir in Apulien?

      • Niko hat nicht von sich aus aufgehört, aber auch nicht wegen der Ohrfeige in Mainz, er wurde auch nicht gezwungen – UD hat einfach keinen Bock mehr auf das Rockstargehabe des Posers gehabt! UD wurden auch keine prügel angedroht von irgendwelchen elementen aus den eigenen reihen… da kann ich aber nicht für dissidenti sprechen, die nach dem ersten umzug, nach spielende, mit einem gepflegten „wir kriegen euch alle“ am block 42 vorbei zogen. Absoluter Schwachsinn, was sich hier dissidentisympathisanten aus den Fingern ziehen. @jürgen – du hast das schon richtig verstanden, was derjenige meint, verbreiten zu müssen, nur muss man das nicht unbedingt für bare münze nehmen. aus den kreisen bekommst du immer nur eine sehr, sehr geschönte sicht der dinge, wie es ihnen gerade gefällt – leiden alle vermehrt an dem Langstrumpf-Syndrom.

        was im übrigen die sogenannten nazifreunde in madrid angeht – dass die schon vor längerer Zeit die politisch extrem rechten aus der eigenen kurve getreten haben, sollte man nicht verschweigen, ebenso, dass dissidenti selbst freundschaften unterhält, wie z. b. über das alerta-netzwerk zu atletic bilbao…. wer die vereinsgeschichte der beiden kennt, könnte glatt meinen, dass dissidenti und anhang da bewusst auf der politschiene rum reiten und machen wir uns mal nichts vor – jammern wegen ner frentefahne ist und war aber sowas von daneben. Die Fahne hing mindestens 18 Monate bei jedem heimspiel in block 160, warum kommt man nicht einfach mal hoch, wie es sich für eine fanszene gehört und spricht die leute an. kann man alles klären – nur anscheinend dissidenti nicht. ich hab auch nichts im umfeld gehört, dass man sich an der dissidenti-freundschaft mit inferno babelsberg stört… es interessiert schlichtweg keinen. ich frage mich vor allem, von welchen drohungen und linken fans hier die rede ist… vielleicht sollten dissidenti einfach aus dem stadion bleiben und sich gänzlich der politik widmen und irgendwelchen hornochsen von der hogesa vor der tür auflauern – da täten sie dann tatsächlich mal ein gutes werk! ansonsten sucht euch ne andere plattform für euer politikgedöns. ich geh ins stadion um fortuna zu sehen und nicht mich politisch von ein paar kadergenossen belehren zu lassen. sollte rechts mal wieder versuchen fuss zu fassen, keine sorge, die werden dann schon entsorgt…. wie immer – nur macht da dissidenti sich bestimmt nicht selbst die finger schmutzig!

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