Spitzenreiter und Aufstiegskandidat

Zweitligist Fortuna Düsseldorf hat bisher alles richtig gemacht. Und sogar Trainer Friedhelm Funkel kommt langsam ins Schwärmen.

„25 Punkte reichen nicht für den Klassenerhalt.“ Das wäre doch eigentlich das Fazit gewesen, das Friedhelm Funkel nach dem 2:0 Sieg in Bielefeld hätte ziehen müssen. Gewundert hätte sich jedenfalls kaum jemand, wenn Fortuna Düsseldorfs Trainer auch nach dem achten Erfolg in zehn Liga-Spielen einmal mehr auf die Euphoriebremse getreten und diesen Spruch rausgehauen hätte.

Kaum zu glauben, aber der Mann kann auch anders. „So kommen wir meinen Vorstellungen, wie man Fußball spielen sollte, schon relativ nahe“, kommentierte Friedhelm Funkel den Auftritt seiner Mannschaft. „Ich bin rundum zufrieden.“ Beim Tor von Florian Neuhaus zum 2:0 nach einem sensationellen Solo soll er sogar „mit der Zunge geschnalzt“ haben.

Kluge Weichenstellungen?!

Kein Widerspruch. Nach dem zehnten Spieltag steht die launische Fortuna mit 25 Punkten und 20:10 Toren souverän an der Tabellenspitze der Zweiten Liga, mit drei Zählern Vorsprung vor Holstein Kiel und sogar mit acht Punkten vor dem Tabellenvierten. Das hätte nach der Talfahrt seit dem Bundesligaabstieg 2013/14 mit insgesamt neun Trainerwechseln und einer Zittersaison nach der anderen niemand erwartet.

Doch schon in der letzten, verkorksten Spielzeit haben Trainerteam und Vorstand die Saat ausgebracht, die jetzt aufgeht. Dank kluger Weichenstellung, geschickter Kaderplanung und dem nötigen Glück schaut die Fortuna nun von ganz oben auf die Tabelle.

Breiter Kader,  qualitiativ gleichwertige Spieler

Wahrscheinlich ist kein anderer Kader der Liga so breit und qualitativ gleichwertig aufgestellt, alle Neuzugänge sind eingeschlagen, jede Position ist doppelt besetzt, schon um die Ersatzbank wird die Fortuna von der Konkurrenz beneidet. Vor allem im Angriff und dem offensiven Mittelfeld läuft es im Moment wie geschmiert. Geführt von dem 35-jährigen Kapitän Oliver Fink sind Spieler wie Sobottka, Neuhaus oder Hennings Garanten für den Erfolg.

Und dann gelang dem Verein der Geniestreich: Während bei manchen Fans wegen des Verkaufs des dribbel- und sprintstarken Angreifern Ilhas Bebou an Hannover 96 mittlere Panik ausbrach, wurde ein 22-Jähriger namens Benito Raman vorgestellt, der in kürzester Zeit auf dem Weg zum Vollstrecker und Publikumsliebling ist. Fünf Millionen für Bebou kassiert, und mit der Leihgabe von Standard Lüttich mehr als gleichwertigen Ersatz gefunden.

Bellinghausen als Co-Trainer vielleicht nicht ganz irritierend

Mit dem Abschied von Co-Trainer Peter Hermann Anfang Oktober ließ der nächste Schock nicht lange auf sich warten. Der beste seiner Zunft folgte dem Ruf von Jupp Heynckes zu Bayern München. Doch der Vorstand um Robert Schäfer präsentierte umgehend mit dem Duo Thomas Kleine und Axel Bellinghausen eine auf den ersten Blick vielleicht irritierende, aber doch sehr gescheite Alternative. Standen die Fans dem smarten Managertypen Schäfer bisher eher reserviert gegenüber dürfte der Vorstand mit der Beförderung des Fortuna-Urgesteins „Bello“ die Herzen der Fans erreicht – und der Vereinskasse weitere zwei Millionen Euro zugeführt – haben.

Unter dem Strich muss man der Fortuna bisher also tatsächlich zugestehen – alles richtig gemacht!

Übrigens, die 25 Punkte, die die Düsseldorfer jetzt auf dem Konto haben, sind schon ein ordentliches Pfund. Nur zweimal in diesem Jahrtausend haben Zweitligisten, die am 10. Spieltag mit 25 Zählern an der Tabellenspitze standen, den Aufstieg noch vergeigt (Mainz in 2001/02 und Braunschweig im letzten Jahr). Und keine Bange, Friedhelm Funkel wird schon wieder Gründe zum Knurren und Granteln finden. Dafür passen er und die Fortuna einfach zu gut zusammen.

 

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