In der Texttiefe nicht präzise genug – unsere RP-Saisonprognose

Für die Fortuna geht es – wie für alle Zweitligisten – strammen Schrittes in die neue Spielzeit. Und somit steigt auch die Taktzahl diverser “Form-Checks”. Doch wer beobachtet eigentlich die Berichterstatter? Auch die sollten vor der Saison fit sein. Wir wagen daher den Ausblick auf die kommende RP-Saison bei der Fortuna. Denn gerade von unseren „Lieblingsjournalisten“ der Rheinischen Post erwarten wir eine starke Performance…

Saisonauftakt in Berlin und gegen Paderborn

Pünktlich zum Saisonstart geht der angestammte Fortuna-Berichterstatter Bernd Jolitz in den Urlaub. Zeit für den sich die Hände reibenden Ersatz-Mann Thomas Schulze. Er übernimmt bis zum Pokalspiel in Essen die Geschäfte. Nach zwei knappen, ergaunerten 1:0-Siegen der Fortuna herrscht in der Redaktion eitel Sonnenschein. Durch den Sieg gegen Paderborn sieht Schulze die “Fortuna am Scheideweg”: Entweder werde der Verein jetzt eine fast schon „bombensichere Ausgangslage“ für den Aufstieg „versemmeln“ und für immer „blamabel“ verschwinden. Oder an der Fortuna wird ab 2016/17 – nach dem jetzt schon zu 99,9 Prozent sicheren Aufstieg – niemand mehr vorbei kommen. Schulze schließt seinen Text mit der Forderung: Alles andere als der Titel 2017 sei eine „herbe Enttäuschung“ und ein „Tritt ins Gesicht der Fans.“

Am Montag vor dem Pokalspiel in Essen ist Bernd Jolitz noch nicht zurück in der Redaktion (Fluglotsenstreik auf Ibiza). Thomas Schulze startet somit als Stammredakteur in die Pokalwoche. Mit “Bürgerkrieg in Essen” schafft Schulze seinen ersten Hashtag bei Twitter: Unter #Buergerkrieg hagelt es amüsierte Kommentare. In der zentralen Sportredaktion nimmt man die Signale der Lokalkollegen dagegen ernst und mag nichts Lustiges an dieser Panikmache bedrohlichen Lage erkennen. Gianni Costa erinnert sich an seinen Vorschlag für Körperscanner am Stadion, der es einst auf die RP-Titelseite geschafft hatte. Gemeinsam mit Landtagskorrespondent Thomas Reisener erscheint somit am Dienstag vor dem RWE-Spiel auf Seite drei ein Neuaufguss des Blutdurst-Stücks von damals. CDU-Politiker aus dem Kulturausschuss (andere waren gerade nicht da) fordern Körperscanner an der ganzen Essener Hafenstraße (und vor allem an der dortigen Tanke) und ein absolutes Ende der Persönlichkeitsrechte rund um das Spiel. Garniert wird das Ganze von einem Leitartikel des Chefredakteurs Michael Bröcker, in dem Innenminister Ralf Jäger präventiv die Schuld an allem in Essen gegeben wird und Bröcker Rot-Grün Versagen vorwirft. Alles läuft also in geordneten Bahnen. Allerdings: Der Text von Costa hat einen Haken. Der umtriebige Mönchengladbacher Lokalpatriot („Ich liebe Shopping-Malls von der Stange“) hat zu viele Baukastensätze aus seinem üblichen Repertoire gewählt und sich selber plagiiert. Ein Fall für den… ja für wen eigentlich?

Die Schande von Essen

In Essen selber passiert dann… nichts. Außer der Tatsache, dass die Saison der Fortuna eine (un-)erwartete Wendung nimmt: Man scheidet beim RWE aus. Während Bernd Jolitz – aus dem Urlaub zurück – im Blatt schreibt: “Viertliga-Aus mit Tradition”, dichtet Thomas Schulze in der ersten Online-Fassung vier Sekunden nach dem Abpfiff: “Fortuna wirft UEFA-Cup achtlos weg”. Der Kollege weist darauf hin, dass der fest eingeplante Pokalsieg nach dem Aufstieg und der dann sicher folgenden Meisterschaft die Grundlage für das Triple mit Europa-League gewesen wäre. Er beschimpft Fans wie Spieler, dafür verantwortlich zu sein, dass er seine für Fortuna gesteckten Ziele (Dominanz aller Ligen) wieder nicht erreichen kann. So viel Größenwahn ist dann auch RP-Chefredakteur und FC-Köln-Fan Bröcker zuviel. Schulze wird zum Tischtennis versetzt, nachdem die Düsseldorfer EG bei der RP Anzeigen für fast 200.000 Euro schaltet (finanziert durch die PSD-Bank) und sich somit das Recht erkauft, Schulze als Berichterstatter ablehnen zu können.

Macht auch erst einmal alles nichts, Bernd Jolitz hat ja erst wieder Weihnachten Urlaub, ist also bis zur Winterpause anwesend. Alles also im Fluss: Die Pokalniederlage ist nach einem weiteren Sieg in der Liga – dem 1:0 in Heidenheim – schnell vergessen. Zumindest bei der RP. In seinem Video-Blog zieht Jolitz den Vergleich zu Gladbach und Lucien Favre. Besser noch: Frank Kramer würde für ihn taktisch deutlich besser die Defensive organisieren, Haggui erheblich stärker als Stranzl sein (“selbst seine Rückenschmerzen wirken effektiver”) und sowieso – im Gegensatz zu den Gladbachern haben Kramer und Sportdirektor Rachid Azzouzi mit van Duinen einen wirklichen “Holland-Knipser” verpflichtet.

Doch einen Spieltag später platzt der Knoten. Die von der RP “übersehenen” groben Abwehrpatzer, die in den ersten Spielen aus reinem Glück nicht zu Gegentoren führten, zeigen Wirkung. Der SC Freiburg gewinnt in Düsseldorf mit 5:0! In Nürnberg geht die Partie mit 1:3 verloren. Noch gibt es bei der RP keinen Grund zur Panik. Jolitz schreibt von lehrreichen Klatschen, Schulze veröffentlicht eine Seite weiter sein Exklusiv-Interview mit Timo Boll.

Nur noch zwei Punkte bis zur Rückrunde

Doch nach den Niederlagen läuft plötzlich nichts mehr rund. Bis zur Winterpause holt die Fortuna nur noch zwei Punkte. Dabei ist das 0:0 in Leipzig der sportliche Tiefpunkt. Nach dem Ausstieg von Hauptsponsor Mateschitz (“zu teuer das Ganze”) besteht das ehemalige Brauseteam nur noch aus Hobby-Fußballern. Dabei haben die Düsseldorfer noch Glück: Bei einem Alleingang auf Lars Unnerstall geht RB-Stürmer Gerald Asamoah die Puste aus. Schlimmeres kann verhindert werden. Die Rheinische Post titelt: “Stabile Abwehrleistung macht Hoffnung”. Doch ein Blick in den Videoblog der Reporter zeigt – alles nur noch Durchhalteparolen für eine zerstrittene Mannschaft. Im Bild wirkt Jolitz abgekämpft, müde und nicht mehr wirklich interessiert. Kein Wunder, dass ihm vor dem Auswärtsspiel in Paderborn der Kragen platzt: Jolitz fordert die Entlassung des bei den Fans weiterhin beliebten Frank Kramers (“Kramer-Koloss”). Zehn Wochen nachdem der Halbangst-Blog bereits auf Defizite in der Mannschaft hinwies (zeitgleich zur RP-Schlagzeile “Paul Jäger: Diese dreckigen Hunde bomben uns in die Champions-League”), hat auch die Rheinische Post verstanden. Es wird Druck gemacht.

Der bei der Fortuna auf Nährboden trifft. Der Aufsichtsrat zieht (endlich) Konsequenzen und entlässt den Vorstandschef Dirk Kall. Der hat zwar nichts mit der aktuellen sportlichen Situation zu tun, da er zum Saisonstart ein Sabbat-Jahr genommen hatte, aber es musste ja was getan werden. Im gleichen Atemzug wird Frank Kramer der Rücken gestärkt. In der RP wird dieser Schritt zähneknirschend begrüßt. In der Halbangst-Redaktion hat man nun endgültig aufgegeben und berichtet fortan nur noch über Borussia Mönchengladbach, die Düsseldorfer EG und neuerdings über Borussia Düsseldorf.

Bröcker macht den Neven duMont…

Die RP dagegen macht natürlich weiter. Nach den nächsten Niederlagen braucht Fortuna ein Wunder, um nicht in die 3.Liga abzusteigen. Nach 21 Spieltagen hat die Mannschaft nur elf Punkte und ist somit auf dem vorletzten Platz abgestürzt (Nur der inzwischen in “KIK Leipzig” umbenannte RB-Trümmerkörper ist noch schlechter). In Flingern wird gehandelt. Kramer, Azzouzi und Co-Trainer Peter Hermann müssen gehen. Der Aufsichtsrat verschanzt sich, der neue Vorstandsboss Paul Jäger geht in die Offensive – natürlich via Rheinische Post. In einem, für seine Verhältnisse, langem Interview zeigt er sich auf einer halben Seite kämpferisch (“Der neue Trainer wird es retten. Wir suchen einen Pfundskerl!”). Die Zeitungsleitung wittert die Chance.

Man erinnert sich daran, wie solche Situationen in Köln oft gelaufen sein sollen. Dort hatte die verstorbene Verleger-Legende Alfred Neven DuMont gerne mal den Trainer bestimmt und bezahlt – um die Fallhöhe zu bestimmen (Für Macht, Macht, Macht und noch mehr Macht). Nachdem Matthäus, Daum und Klinsmann abwinken, wird Massimo Morales auf Kosten der RP zurückgeholt. Auch Thomas Berthold konnte wieder für ein Engagement gewonnen werden.

Am nächsten Tag jubiliert Bernd Jolitz in einem Kommentar: “Mit Massimo Morales und Thomas Berthold ist endlich wieder Fußballsachverstand an den Flinger Broich zurückgekehrt.” Ein ähnliches Statement sehen die Zuschauer dann auf dem RP-Lokalsender Center.TV, gleich vor der Vorstellung der neuen Moderatorin der Stammtischsendung “Alt ohne Filter”. Die Frau von Thomas Berthold hat die Sendung von AfD-Politiker Wolfgang Osinski übernommen. Fortuna ist wieder ein Thema in der Stadt, nachdem der Zuschauerschnitt auf 6.000 Zuschauer eingeknickt war.

Es sollte nichts helfen

Und es passiert was. Massimo Morales gewinnt fünf Spiele in Folge. RP-Chefredakteur Bröcker lässt sich als Retter der Fortuna feiern (“Für die Fortuna vergesse ich sogar den FC”). Im Moment des Erfolges begeht er jedoch einen riesigen Fehler. Nachdem Bernd Jolitz einige Kritik an dem “Traumduo” aus Oberliga-Zeiten geübt hatte, kommt Thomas Schulze wieder zurück auf den Fortuna-Stuhl. Umgehend macht er sich ran und rechnet vor dem Heimspiel gegen St.Pauli mit Ex-Trainer Frank Kramer ab. Blöd nur, dass er in dem Artikel die Hälfte der aktuellen Mannschaft als “fett”, “dämlich”, “versoffen” und “faul” bezeichnet. Es ist ein Skandal erster Güte, die vom Sportlichen ablenkt. Das wichtige Pauli-Spiel geht verloren und auch die restlichen Spiele gehen schief. Nach einer Auswärtsniederlage in Duisburg steht die Fortuna als Absteiger fest. Bei der Rheinischen Post hat man nun endgültig aufgegeben und berichtet fortan nur noch über Borussia Mönchengladbach, die Düsseldorfer EG und neuerdings wieder über Borussia Düsseldorf. Nur noch die taz aus Berlin macht eine größere Geschichte über den Abstieg des Traditionsvereines. Dort berichtet ein in der Stadt bekannter Autor über den “Fortuna-Messi Bello.” Unter der Überschrift: “Fortuna will in Liga 3 kein Karnevalsverein sein” verbreitet der langjährige Fortuna-Beobachter eine Aufbruchstimmung. Und trifft als erster Printjournalist seit Jahren den Nerv der verbliebenen Fans…

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