Dilettanten!

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Fortuna-Tristesse

Es gibt gute Gründe, Frank Kramer als Trainer von Fortuna Düsseldorf zu beurlauben. Mitnichten ist er das arme Opfer einer unglücklichen sportlichen Entwicklung. Er ist nicht – wie man im Floskelsprech sagt – das schwächste Glied in der Kette. Nein. Kramer trägt sehr große Verantwortung daran, dass die Fortuna kurz vor Ende der Hinrunde auf einem Abstiegsplatz liegt. Ist doch der vermeintliche Söldner-Kader in einigen Teilen auch auf seinem Mist gewachsen. Wir erinnern uns: Nachdem Helmut Schulte als Sportdirektor in der vergangenen Rückrunde entlassen wurde, sprang Kramer schon mit ein. Damals stand er bereits als kommender Fortuna-Trainer fest und wurde daher nach dem Aus für Schulte mit in die Planungen für die aktuelle Spielzeit eingebunden. Als damals einziger mit sportlicher Kompetenz. (Oder vermutete das bereits zu diesem Zeitpunkt jemand in Vorstand oder Aufsichtsrat?) Insofern kann sich der jetzt Geschasste nicht auf die lausigen Planungen seiner Vorgänger berufen.

Auch taktisch wirkte Kramer von einem anderen Planeten. Was nach dem ersten Spiel in Berlin den Aufsichtsratvorsitzenden Marcel Kronenberg frohlocken lies, machte manchen Beobachter schon Sorgen. Das 1:1 gegen Union war nichts anderes als eine wüste Chancenprügelei. Das halbwegs brauchbare Spiel nach vorne übertünchte, dass das gesamte Defensivverhalten kein wirklicher Schwerpunkt in der Vorbereitung gewesen ist. Spätestens nach dem erschreckenden Auftritt im Pokal gegen Viertligist Rot-Weiss Essen hätte es Kramer dämmern können, dass es diese Mannschaft Einfach braucht. Zuviel taktisches Chi-Chi verstehen die Spieler nicht. Das aber hat Kramer offenbar nicht verstanden. Wenn man dann noch das nächste Spiel im DFB-Pokal, den für den Club traditionell bedeutungsvollsten Wettbewerb, zum Quasi-Testspiel umfunktioniert – tja, dann hat man nicht mehr lange.

Beurlaubt via Medien?!

Insofern: Es ist keine Überraschung, dass Frank Kramer nicht mehr Trainer der Fortuna ist. Was aber eine Überraschung ist, dass einige Herren noch immer im Amt sind. Angefangen bei der Aufsichtsrats-Spitze bis hin zum Vorstand: Eigentlich müssten sie sofort mitgehen. Alleine schon die Art, wie Fortuna erneut mit einem Trainer umgeht, ist unfassbar. Dachten wir, dass die – zumindest von der Außendarstellung – unsägliche Entlassung von Lorenz-Günther Köstners nicht zu unterbieten ist, sind wir überrascht, wie unsäglich die Beurlaubung von Frank Kramer vonstatten gegangen ist. Nicht der Verein informiert die Öffentlichkeit, nein es sind die Medien. Und es handelt sich dabei nicht einmal um eine Exklusivinfo eines Blattes, Sender oder Agentur. Mit Rheinischer-Post (die in einem buddhistisch wirkendem Video aus dem bestehenden Konjunktiv einen Indikativ macht), Express und dem Sport-Informations-Dienst vermelden gleich drei Medien die Info, dass Kramer fliegen wird.

Da hat also einer zum Hörer gegriffen und informiert. In dem sicheren Wissen: Nach dieser Berichterstattung vor der entscheidenden Sitzung, wo es um den Rausschmiss geht, wird man einen Trainer so wohl nicht mehr halten können oder wollen. Wer also auch immer die Information durchgestochen hat, derjenige hat sicher nicht mehr das Wohl des Vereines im Blick und solche schnellst möglich den Hof verlassen. Eine solche Nummer nach den ganzen Peinlichkeiten der vergangenen Monate ist nämlich das eigentlich Unfassbare. Dabei braucht man eigentlich gar nicht groß spekulieren, ist es doch egal, wer es am Ende war. Im Grunde hat – bei einer objektiven Betrachtung – keiner der derzeit handelnden Personen Gründe, noch über den Tag hinaus im Amt zu bleiben.

Die dilettantischste Vereinsführung der DFL

Da ist Paul Jäger, der nach dem Aus von Dirk Kall als Vorsitzendem jetzt den Boss gibt und mit dem dauerhaftem Verbleib an der Vereinsspitze liebäugelt. Und dass, obwohl er sicher bemerkt haben dürfte, wie große Teile in und um den Verein herum gegen ihn sind. Und Marcel Kronenberg als Chef des Kontrollgremiums? Hat er überhaupt die sportliche Bindung zur Mannschaft und zum Trainer, dass er die Leistungen im Tagesgeschäft beurteilen kann? Worum geht es Kronenberg? In Gesprächen mit dem Toten-Hosen-Onliner kommt gerne der Eindruck auf, dass die Bewahrung des alternativen Images das wichtigste ist. Und Sport? Mit dem Namen Fortuna fügt sich das – so der Eindruck – schon. Man möchte ihm entgegnen: “Du bist hier nicht auf St.Pauli, Marcel!” In Düsseldorf kommt der überwiegende Teil des Publikums nicht ausschließlich wegen des Images. Die 4.000 aus der Oberliga sind kein Fundament für einen solchen Club wie F95. Zumal: Pauli hat von solchen Fans 15.000 wenn nicht gar 20.000, die mit abstürzen würden! In Düsseldorf – da kann man sich noch so lange in die eigene Tasche lügen – sieht das anders aus.

Beide also, Jäger wie Kronenberg, sollten sich nichts vormachen. Ihre Zeit ist seit dem Wochenende nach dem Duisburg-Spiel vorbei. Nicht nur, weil sie am Ende die politische Verantwortung für die unfassbaren Umstände der Kramer-Entlassung tragen. Nein: Auch weil sie in den letzten Wochen gezeigt haben: In einer solchen Phase des Clubs geben beide nicht die richtigen Impulse, um den Verein aus der Misere zu führen. Kronenberg sollte daher den angekündigten Abschied bereits jetzt vollziehen. Und Paul Jäger? Sollte sich nach 26 Jahren im Verein fragen, ob seine Art, Fortuna zu führen, noch zeitgemäß ist. Mit großer Klappe erreichst Du heute nämlich nichts mehr. Außer, dass er die eigenen Verdienste in Schutt und Asche legt. Ob es das ist, was Paul Jäger will? Man sollte ihm vielleicht mal erklären, dass es heutzutage etwas schwieriger ist, aus der vierten Liga wieder aufzusteigen.

1 Kommentar

  1. Bravo! Ausgezeichneter Kommentar und voll ins Schwarze getroffen. Seit dem Weggang von Wolf Werner, der noch eine homogene Truppe zusammenstellen konnte, rummort es im Verein gewaltig – Machtkämpfe werden öffentlich ausgetragen und jeder versucht sich zu profilieren. Es geht nicht mehr um die “ Sache“ Fortuna für welche Sie alle verpflichtet und gewählt wurden, sondern nur noch um das eigene Überleben (und die kostenlosen VIP Karten).

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