(Dunkel-)rot-weiße Zukunftsaussichten

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Selber feiern geht noch

Verzagen macht sich breit unter Fortunas Anhängerschaft, so scheint es. Oder ist es bereits ein Aufgeben? Bei mir persönlich ist dieser Moment in jedem Fall schon fast erreicht. Wer hätte denn auch gedacht, dass ein Jahresrückblick auf das rot-weiße Jahr 2015 noch schlimmer ausfallen würde als mein Saisonrückblick vom Mai!? Ich nicht – auch wenn die Anzeichen dafür, dass es mit Fortuna ab dem Sommer noch weiter bergab gehen könnte, zwar auch damals schon im Ansatz zu erkennen waren. Schien mit der Verpflichtung Frank Kramers doch endlich mal der Verstand und nicht das rheinische Bauchgefühl gewonnen zu haben, das bei den letzten Trainersuchen so oft falsch gelegen hatte.

Doch es kam noch schlimmer: Dirk Kall stolperte als Vorstandsboss so viele Male über seine eigenen Worte, dass an seinem Abschied kein Weg mehr vobeiführte; Gleiches galt für die schon bald als “Söldnertruppe” in Fanforen abgestempelte erste Mannschaft, die mit den taktischen Anweisungen ihres Fußballlehrers so rein gar nichts anfangen konnte. Dieser war somit zurecht noch vor Ablauf der Jahresfrist Geschichte – hatte Frank Kramer doch dank seiner eigenen frühen Verpflichtung bei Fortuna noch vor Ablauf der vorherigen Saison selber Mitschuld an dem Kader, der seinen Vorgaben so gar nicht umsetzen konnte (oder wollte).

Blubbernder Support, blubbernde Vereinspolitik

Parallel dazu blubbert auch der Support auf den Tribünen der Mulitfunktionsarena weiter nur so vor sich hin: Dass Dissidenti und übrige Ultras nun wieder nah beieinander stehen, macht da auch keinen Unterschied. Spielbezogene Anfeuerungsrufe flammen meist am anderen Ende der Südtribüne auf, wo sie leider auch oft schnell wieder erlischen. Dass sich die Fortuna-Ultras zum 15-jähirgen Bestehen kurz vor der Winterpause noch mit einer Choreo selbst beschenkten und feierten wirkte auf viele Außenstehende wie eine Farce. Was gab es da zu feiern? Spielen Ultras und ihr Support – ganz anders als noch in den Jahren am Flinger Broich – im Verein wie im Stadion keine große Rolle mehr. Das zeigen auch ihre den Vereinsvorstand kritisierenden Spruchbänder: So richtig sie inhaltlich waren – blieben sie doch ohne jede Folgen. Mit Tapetenrollen allein lässt sich halt doch keine (Vereins-)Politik machen.

Diese machen momentan eh andere (oder auch nicht). Marcel Kronenberg, der Vielen zuerst als Fanvertreter dann als Vorsitzender des Aufsichtsrats zur Hoffnungsfigur für eine Neuordnung des Vereins von Innen heraus gereichte, nahm lieber seinen Hut, als selber die Neubesetzung des Posten des Vorstandsvorsitzenden voranzutreiben. Wirklich übel nehmen kann man ihm das nicht mehr, angesichts der Details, die inzwischen von den Vorstellungsgesprächen für den Posten an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Von einschlafenden Aufsichtsratsmitgliedern ist da die Rede – völlig offen lassen die über diese Vorgänge berichtenden Journalisten dabei allerdings die Antwort auf die Frage, ob der Vortrag des Bewerbers oder Schlafmangel des ARlers zum Wegdösen geführt haben. Apathie auf Seiten der Berichterstatter? Möglich – denn eine weitere viel wichtigere Frage wird gar nicht erst gestellt: Wer lässt solche Details und zu welchem Zweck durchsickern?

Nach Außen pfui!

Überhaupt die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins – auch wenn Medienabteilungen in den meisten Sportvereinen eh nur eine marginale Rolle in der Außendarstellung spielen, stellt sich gerade bei Fortuna die Frage, ob die PR-Profis am Arena-Sportpark überhaupt mitreden dürfen (oder wie viel ihr Wort vereinsintern gilt). Hätte man Dirk Kalls Wortlautinterviews vom Sommer einer restriktiveren (oder überhaupt einer) Autorisierung unterzogen, er wäre möglicherweise noch im Amt. Auch als Kerim Demirbay sich vor wenigen Wochen abfällig über Bibiana Steinhaus äußerte, wirkte der Verein in Durchführung und Darstellung der darauf folgenden Entschuldigungsaktion kommunikationstechnisch mehr als hilflos. Nachdem Demirbays Strafe wie erhofft reduziert worden war, polterte Interimsvereinsboss Paul Jäger auf einer RP-Talkrunde raus, dass es ihm bei der unglücklichen Entschuldigungsaktion eh nur darum ging, dass sein Spieler maximal bis zur Winterpause gesperrt bleibe. Die Frage, was man von einem Verein ohne Frauenfußballverein auch anderes erwarten wolle, ließe sich an dieser Stelle natürlich einwerfen. Und ja, da wäre sicherlich was dran. Aber warum greift sich Düsseldorfs Sportpresse so eine Steilvorlage nicht raus, um den eh überfälligen Übergangsvorsitzenden ein wenig vor sich her zu treiben? Vielleicht möchte man es sich ja ganz schlicht mit seiner eigenen besten Quelle für Vereinsinterna nicht verderben…

Das Problem heißt Jäger

Wo wir gerdade beim Thema Paul Jäger sind – die wirklich einzige Person, die von der Vakanz auf dem Posten des Vorstandsvorsitzenden profitiert – ist der Mann, der sich schon einmal Hoffnung auf den Job machte und durchfiel. Nun sitzt der Finanzchef schon seit zwei Monaten dort, wo er möglicherweise eh schon lange glaubt, hinzugehören. Dass unter Jägers Interimsführung die Nachricht von der Verpflichtung eines neuen Trainers abermals nicht über die Vereinspressestelle sondern über einen Dritten kam (laut RP-Infos erst aus Kaiserslauterer dann sogar aus F95-Vereinskreisen), lässt erahnen, dass Jäger vorerst nicht viel daran gelegen ist, die Außendarstellung des Vereins unter Kontrolle zu bekommen.

Möchte man da Marco Kurz wirklich zu seinem neuen Job in Düsseldorf beglückwünschen? Ich weiß es nicht. Genauso ratlos wie die meisten Fortunen vor Kurz’ Person stehen, stehe ich vor den Aussichten auf das, was uns alle in diesem Jahr erwarten wird. Auch wenn es sportlich plötzlich wieder laufen sollte, wer kümmert sich um die anderen Baustellen? Gerade jetzt müssten dringend die beiden offenen Personalien im Vorstand von starken Personen besetzt werden, die aus professionellem wie privatem Antrieb handeln (und Willens sind, sich einem Paul Jäger entgegenzustellen). Fraglich ist, ob der momentane Aufsichtsrat in der Lage ist, diese Personen zu finden. Doch selbst bei Fortuna Düsseldorf stirbt auch die Hoffnung erst zu allerletzt.

2 Kommentare

  1. Azouzzi und Jäger, Fortunas Totengräber.
    Die haben immer noch nicht kapiert, wo es am Ende der Saison hingehen kann.
    Nach dem heutigen Spiel gegen Münster muß man mit allem rechnen, Vorbereitung hin oder her.

  2. 0:2 gegen Münster 3. Liga zu Hause! Originalton Trainer: Cheftrainer Marco Kurz: „Wir haben eine schwache Partie abgeliefert. Wir waren nicht mutig und nicht entschlossen genug. In vielen Situationen haben wir uns den Schneid abkaufen lassen – das darf so nicht sein. So ein Spiel darf in der Form nicht mehr vorkommen. Vielleicht war es zum richtigen Zeitpunkt, dann muss aber auch die richtige Reaktion folgen. Das erwarte ich von meiner Mannschaft. Es gibt für diesen Auftritt keine Entschuldigung. Die Grundtugenden darf ich von meinem Team immer erwarten.“
    Genau das gleiche Statement habe ich diese Saison schon x-mal gehört. Nur, „wenn so ein Spiel so nicht mehr vorkommen darf“, es aber jedes 2. Spiel wieder solche Leistungen gibt dann muss ich doch irgendwann mal der Mannschaft Unvermögen attestieren und Neuzugänge holen und nicht ständig Blabla vom ach so konkurrenzfähigen Kader labern. Nein wir sind nicht Konkurrenzfähig, noch nichtmal gegen 3. Liga
    Abstieg wir kommen!!!

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