Immer wieder Daems

Der moderne Fußball steht für neue Stadien, besseres Entertainment, aber vor allem auch für ein sehr athletisches, schnelles Spiel. Der Preis dafür wirkt manchmal hoch: über die Gefahr teurerer Tickets, der mangelnden Tradition durch Konzernvereine ist viel geschrieben worden. Aber auch über die Vereinstreue. Während Spieler vor den mittleren 90ern gerne Mal lange, manche auch ewig, bei ihren Heimat-Vereinen blieben, ist der stetige Vereinswechsel symbolhaft für das heutige Geschäft. Fans von Borussia Mönchengladbach können davon ein Lied singen: Marco Reus, Dante, Marc-Andre ter Stegen – Identifikationsfiguren für ein paar Jahre. Aber in Gladbach kann man auch das Hohelied auf einen Profi anstimmen, den es in dieser Form fast schon gar nicht mehr gibt: Gemeint ist Filip Daems.

Abgeschrieben war er auch dieses Mal. In der Hinrunde hatte der 35-Jährige dann endgültig seinen Stammplatz auf der linken Seite abgeben dürfen. Mehr als zwei Jahre hatte Oscar Wendt versucht, Daems links in der Viererkette zu verdrängen. Bis zum Ende der Saison 2012/2013 gab es jedoch für den Schweden kein Vorbeikommen an dem Belgier. Daems ist ein Paradox des modernen Fußballs. Wie sich mal wieder in diesen Tagen zeigt. Da hatte man keinen Pfifferling auf den eigentlichen Kapitän der Borussia mehr setzen wollen, hatte den (nicht unwichtigen) Umbruch auf seiner Position in Kauf genommen, da passierte es: Wendt startete spielerisch schlecht in die Rückrunde und hatte dann auch noch Pech, dass er sich in Bremen schwerer am Knie verletzte. Und auf einmal sind alle wieder froh, dass es “Opa Daems” gibt.

Der Treue aus dem Schlußverkauf

Vorerst ist Daems also wieder eine gesetzte Größe. Da passt es dann auch, dass er seinen Vertrag bei der Borussia bis 2015 verlängert hat. Sollte danach Schluss sein, wird der Mann zehn Jahre für die Borussia gespielt haben. Als wichtiger Spieler des Clubs! Wo findet sich das heute noch? Dabei kam Daems 2004/2005 zur Borussia, wo man am Ende keinem Profi einen Vorwurf hätte machen können, wenn er direkt wieder abgehauen wäre. 14 Spieler kamen damals in der ersten Borussia-Park-Saison, alleine sieben in der Winterpause, als der damalige Trainer Dick Advocaat “kongenial” mit dem da noch sehr großmannssüchtigen Präsidenten Königs den Geruch von Europa zum stinkenden Abstiegsmoloch machte. Darunter waren so “treue Vasallen” wie Bernd Thijs, Craig Moore oder der in Gladbach unvergessene Wesley Sonck (Mögen sie in der Fußballhölle schmoren!). Auch die Rentenbeiträge eines Giovanne Elber (Trainingskiebitzbeobachtung: “Er läuft unrund.”) zahlte man damals gerne. Zu dieser Zeit war für den Boulevard noch nicht die in der Regionalliga dümpelnde Fortuna das “Kaufhaus des Westens”, sondern die Borussia. Unter dem Reigen der Neuverpflichtungen war aber auch jener Filip Deams. Er kam im Winter aus der Türkei, galt als Ergänzung.

Niemand konnte ahnen, dass der Mann am Ende mal Kapitän der Borussia sein würde, aus der auch noch ein seriöser Club mit europäischen Ambitionen und Gehversuchen wurde. Dabei ist es ein eher glücklicher Umstand, dass der Belgier seine ersten Jahre bei der Borussia sportlich überlebt hat. Wahrscheinlich hätte er spätestens nach dem Abstieg 2006/2007 das Weite gesucht, wenn er nicht die ganze Saison über verletzt ausgefallen wäre. So erschien auch ein Platz im Kader eines größeren Zweitligisten, das war die Borussia 2007/2008 nun einmal, als attraktiv. Es war die richtige Entscheidung.

Jede Saison ein bisschen schneller

Zwar lieferten die ersten Jahre nach dem Wiederaufstieg nicht unbedingt Argumente, Mönchengladbach einen tollen Ort für Spieler zu nennen. Aber inzwischen war Daems ein wichtiger Teil der Mannschaft. Ob als Außenverteidiger oder Innenverteidiger, “verlässlich” war und ist für ihn das Stichwort. Seit einem Spiel im April 2009 bei Eintracht Frankfurt sogar vom Punkt. In dieser Partie schoss er seinen ersten Elfmeter für die Borussia und verwandelte. Seitdem läuft Daems, steht er auf dem Platz, immer für die Borussia an. Und er hat nie verschossen. In der Liga stehen inzwischen zwölf Elfmetertore hintereinander auf seinem Zettel, noch ein paar mehr und er ist Rekordhalter der Liga.

Diese Chance wird Daems zumindest jetzt erhalten, für die nächsten Wochen wird Lucien Favre ihn wegen Wendts Ausfall aufstellen müssen. Wahrscheinlich ohne Probleme damit zu haben. Denn der Belgier ist auch in einer anderen Sache ein Mysterium: je älter er wird, umso schneller läuft er. Vor allem, seit Favre Trainer ist. Wir sind also gespannt, um wieviel schneller “Opa” in der Winterpause mal wieder geworden ist. Gegen Hoffenheim werden wir es sehen. Bis dahin verneigen wir uns vor einem Fußballer, der – trotz aller Unauffälligkeit – nicht alltäglich ist und freuen uns über die Vertragsverlängerung. (cu)

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