Erst die Phrasen, dann der Abstieg

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Naht der Abstieg?

Panikmodus an! Diese Parole könnte beim Verein Fortuna Düsseldorf am Ende der englischen Woche nun auf dem Vormarsch sein, nachdem die Zeitungsmeute der Stadt diese Losung ja bereits nach der 1860-Pleite ausgegeben hatte. Doch nun ist es wirklich soweit: Statt sich von den Abstiegsrängen zu entfernen, verspielte die Fortuna mit der Heimniederlage gegen den KSC binnen einer Woche neun Punkte und findet sich nun selber auf dem Relegationsplatz wieder. Und wer es bis dahin noch immer nicht wahrhaben wollte, der hat endlich Gewissheit: Mehr als Klassenerhalt ist nicht drin. Und Fortuna widerlegt damit die alte Historikerthese, dernach sich Geschichte nicht wiederholt. Zu groß sind die Parallelen zu dem Abstieg in die Drittklassigkeit am Ende des vergangenen Jahrhunderts.

Warner und Mahner gab es genug, die auf den Trend hinwiesen und die Gefahr eines zusammengewürfelten Kader mit Altstars des modernen Fußballs, Jahrgang 2009. Keine Frage: ein Thomas Schaaf hätte mit diesem Kader vor sieben Jahren eine gute Rolle in der Bundesliga spielen können. Aber zum einen ist es 2016, zum anderen ist inzwischen – das sieht man in Hannover ganz gut – der Schaaf-Fußball kein moderner mehr. Aber wie das halt so ist, wenn man zu einem Verein hält: Oft sieht, hört und fühlt man die Signale – aber man glaubt nicht so recht dran. Will nicht daran glauben. Aber was soll man auch machen? Gleich die Waffen strecken? Oder doch – ganz wie es in Düsseldorf in solchen Momenten Usus ist – auf Populismus setzen?

Die Rudas-Discoposse – sicher nicht die letzte ihrer Art

Und so jagt man mit Joel Pohjanpalo derzeit die Sau durchs Dorf, die es bereits in München mit ihrem super-unnötigen Foul versaute und eh schon seit Monaten weit unter Form spielt. Klar, nach einer Heimniederlage in der lokalen Dorfdisse bis morgens um drei zu feiern, ist vor allem auch besonders dämlich, weil man in solchen Schuppen von allerlei Petzen erkannt werden könnte und somit ordentlich Futter für Denunzianten allerdeutschester Coleur liefert. Das schlimmste daran: Statt zu fragen, ob feiern zu gehen nicht eine ganz normale Reaktion eines 21-jährigen auf eine richtig bescheidene Arbeitswoche ist, gibt man der Sau noch mehr Feuer unterm Hintern und fällt auf die PR-Meldung der Dorfdisse rein. Irgendwann im Laufe des letzten Samstags äußerten sich auch einige Stimmen der Vernunft – aber wie so oft in solchen Situationen hatte die Polemik da schon längst gesiegt. Auf der Strecke blieb dabei abermals die genau Analyse der brandgefährlichen Situation. Stattdessen freut man sich auf Bratwürste und weniger Südvereine in Liga 3.

Liga 3 – nicht nur ein Abstieg für die erste Mannschaft

Man mag also meinen, dass die Fortuna keine Perspektive mehr besitzt, die Klasse zu halten. Aber diese Agonie und Vorfreude auf die tollen Drittliga-Grounds kann teuer werden. Zum einen ist ja zu sehen: Der neue Trainer Marco Kurz hat zumindest eine Idee, die umsetzbar erscheint. Wie wir schon schrieben: Dieser konservative, taktische Ansatz hat das Spiel der Fortuna verbessert. Noch reicht es nicht, aber in zwei bis drei Spieltagen kann das schon wieder anders aussehen. Daher sollte man die Mannschaft nicht abschreiben.

Außerdem: Der Club verfügt eine ganz brauchbare Reservemannschaft. Würde die Fortuna in die Dritte Liga absteigen, sie müsste die “Zwote” aus der Regionalliga abziehen. Spieler, die vielleicht eine Perspektive gehabt hätten, werden sich überlegen, ob sie Spaß dran hätten, sich via Oberliga für die Dritte Liga zu empfehlen. Der Sprung zu anderen Clubs – ein erneuter Aderlass an der Basis – könnte die Folge sein. Was zeigt: Bei den nächsten neun bis elf Spielen in dieser Saison geht es um viel mehr als nur den Erhalt der Klasse einer Mannschaft – es geht um die Zukunft des Gesamtprojekts “Fortuna Düsseldorf”.

P.S.

Dass Joel Pohjanpalos tatsächlich ausschließlich wegen seines Discobesuchs suspendiert worden sein, fällt uns mehr als schwer zu glauben. Wie wir oben schon schrieben: Was bitte soll daran so schlimm gewesen sein? Klar, es war nicht klug – aber dafür eine Geldstrafe zu verhängen und den jungen Spieler in die zweite Mannschaft zu degradieren wäre eine eindeutig übertriebene Reaktion. Sollte sich in den kommenden Tagen allerdings doch herausstellen, dass Manager Azzouzi den jungen Finnen bloß allein für den Club-Besuch nach Feierabend bestraft hat, hätte Ersterer dem Verein wohl abermals einen Bärendienst erwiesen. Denn was am Ende hängen bliebe, wäre der Eindruck eines Fußballfunktionärs, der seine Entscheidungen nicht rational sondern unter dem Eindruck von medialen Meinungskampagnen trifft.

6 Kommentare

  1. Lese eure Berichte immer gerne.
    Im Prinzip habt Ihr oft recht.
    Aber jetzt mal ehrlich.
    Alles immer in Schutz zu nehmen und alle unzufriedenen Fans abzustempeln.
    1. Unser Verein ist in den letzten3 Jahren nicht wegen eines bösen Fluches so abgestürzt.
    Ob Vorstan Trainer oder Manschaft.
    Selbst die Stadt selber die ja genug an all den Fans verdient,haben ne riesen Menge Mist gebaut.
    2. Der schön gefönte hat in dieser Saison vieleicht 2-3 normale Aktionen auf den Rasen gebracht und ansonsten wie ein Fremdkörper ohne Fussballkenntnisse gewirkt.
    Für mich hätte der längst in die zwote gemusst.
    3.
    Bei aller liebe und treue und verbundenheit kann ich das ganze erklären und analysieren und entschuldigen nicht mehr hören.
    Lasst endlich Taten folgen auf dem Rasen und dann werden auch wieder mehr ins Stadion kommen und mehr Fan Artickel gekauft und die Stimmung besser.
    Das ist num mal unweigerlich so.

    • Hey Andreas,
      ich will Dir gar nicht widersprechen. Es läuft scheiße bei uns. Kann man nicht schönreden. Aber die Gründe, die nicht von Dir, sondern jetzt vom Verein vorgeschoben werden, finde ich persönlich unhaltbar. Da wird ein 21-jähriger – so schlecht er gerade auch spielen mag – gerade öffentlich degradiert und lenkt damit schön von all den anderen Baustellen ab, über die eigentlich geredet werden müsste. Anschließend streicht man auch die Teilnahme am Rosenmontagszug. Klar, auf dem Platz muss die Leistung stimmen – aber können solche Aktionen da wirklich an der Einstellung was bewirken? Ich persönlich finde, dass nicht. Die RP hat das heute schöne zusammengefasst. Die Parallelen zu 1999 sind frappierend. Und auch damals stank der Fisch ganz gewaltig und vor allem vom Kopf. Azzouzi ist der Hauptverantwortliche für die Trümmertruppe und der schießt gerade eine Blendrakete nach der nächsten ab. Ich möchte nicht in Kurz‘ Schuhen stecken. Ich wüsste keinen Trainer, der hier viel mehr gerissen bekäme als Kurz es gerade versucht. Was Azzouzi und Co. mit ihren Aktionen gerade ganz wunderbar schaffen, ist, die Verantwortung auf andere abzulenken. Doch egal ob wir am Ende absteigen oder die Klasse halten – spätestens im Mai wird sich auch die breite Fanlandschaft nicht mehr von sowas blenden lassen. Wie wir hier schon so oft geschrieben haben: Das Problem heißt schon seit langem Jäger und inzwischen auch seit einiger Zeit Azzouzi. Wenn sich vor allem am Kopf des Vereins nicht gehörig was tut, wird es auf ewig so weiter gehen wie diese Saison.

  2. Klar.
    Kann sein das man jetzt mit Sicherheit irgentwie durch solche Aktionen vom eigentlichen Prroblemen ablenken will.
    Mit Sicherheit muss es ja auch Gründe geben,die ich nicht kenne, warum Spieler auf einmal komplett versagen die eigentlich was können.
    Auch Kurz tut mir natürlich leid.
    Das Problem ist nur das es den Fans natürlich in erster Linie um das eigentliche Fussball Spiel geht und die wenigsten sich mit der Vereinsführung auseinandersetzen.
    Und die geben Ihr Geld und Ihre Freizeit für dafür aus sich so was anzuschauen und fragen sich Woche für Woche warum weshalb wieso.

  3. Ja das stimmt.
    Liebe und Hass liegen oft nah beieinander.
    Und egal in welcher Liga wir spielen.
    Fortuna kann man nicht einfach vergessen.
    Zu viele geile Momente und Erinnerungen.
    Hoffen wir das wir es schaffen.

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