Erreicht Trainer Kramer seine Mannschaft

Michael Liendl in Blau statt Rot-Weiß
Michael Liendl in Blau statt Rot-Weiß
Michael Liendl in Blau statt Rot-Weiß

„Heute ist jeder bessere Zweitliga-Club ein Unterhaltungskonzern.“ Das wusste schon Dirk Schümer in „Gott ist rund“ im Jahr 1998 zu vermelden. Auch bei Fortuna Düsseldorf gibt es für alle Unterhaltung en masse. Leider ist diese zurzeit für den gemeinen Fan von Rot-Weiß nicht erfreulich. Querelen in der Führungsriege und die mehr als schlechte Leistung der Mannschaft von Trainer Frank Kramer lassen gerade kein Fortunaherz höher schlagen.

Es wäre ein Leichtes gewesen, einfach ein „Kramer RAUS!“ zu fordern. Die Spieler als arbeitsunwillig zu titulieren und noch schneller in der Mannschaftstiefe aufzustocken. Was wäre an Cacau schlimm, wenn er kommen würde? Und eine Verpflichtung des ehemaligen Eigengewächs Adili Chihi, der über den Effzeh nach zu Fulham in die Vertragslosigkeit schlidderte? An beiden Spielern lässt sich nichts aussetzen, wenn sie dann auch ins Team und Konzept passen. Aber wahrscheinlich ist der ein oder der andere a. zu teuer, b. zu alt, c. unpassend für Fortuna. Und das trotz prallvoller Konten: Alle Alternativen, die kommen sollten/ könnte, sind keine Kämpfer und Fußball-Arbeiter wie bspw. Axel Bellinghausen. Und ohne die ist in dieser Liga und mit dieser Truppe nichts zu holen! Zumindest durfte Chihi mal wieder seit 2004 das Düsseldorfer Trikot im Test gegen Lüttich überstreifen. Immerhin.

Was bleibt: Die spielerische Ausrichtung von Kramer ist in weiten Teilen nicht eindeutig erkennbar. Hinzu kommt: Beim Spielaufbau oder in der Defensivarbeit  wird sich gegenseitig im Weg gestanden, nicht miteinander agiert, Einzelaktionen stehen im Vordergrund, anstatt mit dem Kollektiv zu arbeiten. Die Bindung der Mannschaftsteile untereinander ist im Spielbetrieb ansatzweise erkennbar, aber mehr nicht. Klappt es dann mal, springen auch ein paar Treffer raus. So wie der tolle Spielzug zum 1:0 gegen Paderborn (1:2).

Nun ist Vorstandsvorsitzende Dirk Kall weg und es mutet irgendwie komisch an. Dieses Intermezzo. Wer ist immer noch da? Einfache Frage – schnelle Antwort: Marcel Kronenberg und Dauerschulter-Klopfer Paul Jäger, der sich in seiner Position ähnlich wie der ehemalige Co-Trainer Uwe Klein hält. Unscheinbar. Einfach immer da. Sonst immer unauffällig. Und Jäger ist meist nur bei guten Nachrichten im Rampenlicht. Jetzt sieht „nicht „everbodys darling““ wohl eine Gelegenheit, um sich weiter zu profilieren und hofiert gegen die Vereinsphilosophie den Brauseclub oder unterstützte eine Bild-Aktion oder wollte die Fortuna-Welt retten

Ablenkung durch den Vorstand

Es ist alles nicht so leicht und einfach. Alles und jeden über einen Kamm scheren, geht nicht bei diesem sensiblen Konstrukt. Die Scharmützel in der Führungsriege lenken nur ab von der derzeitigen sportlichen Situation. Das Problem sitzt tiefer. Sie ist im Gesamtkonstrukt von Fortuna Düsseldorf verhaftet. Die vielen Rochaden der jungen Vergangenheit spielen sich in dieser und auch in der vergangenen Spielzeit in der Führungsebene ab. Das macht die Arbeit für die sportliche Leitung nicht einfacher. Egal, ob der Trainer Mike Büskens, Lorenz-Günther Köstner, Oliver Reck, Taşkın Aksoy oder Frank Kramer heißt. Das durfte Rachid Azzouzi und vor allem Vorgänger Helmut Schulte auch schon feststellen. Mein Eindruck: Der jetzige Trainer und Mannschaft machen nicht unbedingt den Eindruck, sich hängen zu lassen. So viel zum Positiven.

Auch wenn die Zahlen gegen Fußball-Lehrer Kramer sprechen, denn er hat nur in vier Partien Punkte holen können (ein Sieg, drei Remis): Hier sehe ich immer noch Potenzial. Klar ist, wenn ein Trainer, der nach 10 Partien und einer kompletten Vorbereitung seine Mannschaft nicht versteht, hat er ganz bestimmt etwas falsch gemacht.  Seinem Team seine Philosophie mit auf dem Weg geben, das ist essentiel, auch für die Entwicklung und den Erfolg. Nun könnte man sagen, der Chefcoach erreicht seine Untergebenen nicht. Er konnte – damals noch mit Schulte – seine (fast) Wunsch-Spieler verpflichten. Vor allem die letzten Neuzugänge versprachen und versprechen viel Potenzial. Kerem Demirbay beispielsweise: ausgezeichneter Technik, Blick fürs Wesentliche, sieht Fortuna  zwar als Sprungbrett wie Jonathan Tah es tat. Aber er konnte sich und seine Kollegen noch nicht allzu oft in Szene setzen. Oder Karim Haggui als zentraler Schalter und Verteiler in der Defensive. Erfahrung satt und abgeklärt, der die jüngeren Spieler um sich herum mit aufbauen kann.

Alles ist nach seinen Vorstellungen von Kramer umgesetzt worden. Mit diesen vorhandenen Möglichkeiten muss der F95-Coach sich hinterfragen. Und sich hinterfragen lassen. Beispielsweise wieso sein Team so ideenlos „auftrumpft“. Und der nominelle Spielmacher Liendl jetzt bei den Löwen in München weilt, statt weiter die Geschicke mit mehr Kramer-Rückhalt in Düsseldorf zu lenken. Ach, der letzte Abgang mit Michael Liendl hat mehr Ruhe im Mittelfeld beschert. Passiert halt nix in der Schaltzentrale. Weil die Spieler, die für den Aufbau zuständig sind, für die passende Spielgestaltung einfach taktisch nicht richtig gebrieft werden. Also auch hier ein klares Trainer-Manko.

Wieso steht bisher nur ein Dreier auf der Habenseite: Die Kramer-Elf ist in der Offensive eher so semi-gefährlich und daraus folgt: Wieso treffen die Stürmer zuhauf Latte oder Pfosten, anstatt die Kugel  zwischen das Gebälk zu hämmern. Nur Paderborn (5 Tore) und die beiden Letzten mit 1860 München (7) und dem MSV Duisburg (8) haben weniger oder gleich viel getroffen wie Düsseldorf. Ein Unding bei diesen Angreifern und dem Verschenken der eigenen Qualität.

Vielleicht hat Norbert Meier das sensible Konstrukt F95 während seiner Zusammenarbeit mit Wolf Werner einfach besser verstanden. Trotz der vielen Fehlschüsse im Einkauf. Vielleicht war Meier wirklich genau der Deckel auf den Topf, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Dennoch können wir uns hier immer noch nicht davon lösen, dass er einen maßgebenden Teil Verantwortung für den Niedergang, den wir oft angemerkt haben: Nach dem Aufstieg in Bundesliga und spätestens nach der Niederlage gegen Augsburg war Meier das Problem an der Spitze und nicht in der Lage, für den mehr als möglichen Klassenerhalt zu sorgen. Ähnlich wie bei Oliver Reck, nur halt anders herum. Mit seiner Leistung als Headcoach sicherte sich Düsseldorf den Klassenerhalt. Bei beiden hat die Führungsriege einfach nicht geschaltet und Weitblick bewiesen. Natürlich mit Kronenberg und Jäger als Mit-Entscheidungsträger an der Spitze. Da fehlte in allen Belangen der Sachverstand über die Gremien hinweg.

Was ist nun aber die Parallele? Es gibt keine. Nach sehr erfolgreichen Jahren im Unterhaus der Bundesliga hat sich zumindest das Monitäre in Düsseldorf wieder eingependelt.
Nach der Länderspiel-Pause muss dann wieder beim nächsten Heimspiel auf dem Rasen gezeigt werden, dass wir zumindest mit dem Abstieg nichts zu tun haben (wollen). Und vielleicht hören wir wieder das abgewandelte „Der Meier hat ge…“ im Stadion einmal mehr als Bielefelder Toransagen. Auch wenn Frank Mayer nichts dafür kann …

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