Einmal Bundesliga zum Luxuspreis

Das Stadion in Paderborn
Der örtliche IKEA
Das Stadion in Paderborn
Der örtliche IKEA

Am Donnerstag (26.06.2014) ist der Schrecken um die Nationalmannschaft vorbei. Hoffentlich! Daher ist es an der Zeit, sich so langsam wieder den bedeutenden fußballerischen Dingen hinzuwenden. Denn auch für Vereinsführungen in der Bundesliga ist, wie in der Politik, die WM eine wichtige Zeit. Wenn alle im “Schland-Fieber” sind, lassen sich unliebsame Entscheidungen möglichst unaufmerksam unter dem Radar der öffentlichen Empörung durchdrücken. Besonders zu beobachten ist dies in Paderborn. Ist der dortige SC zwar bald Eliteliga-Novize, aber in Sachen Fanverarsche schon ein ganz Großer.

Doch der Reihe nach: Der SC Paderborn hat den so ziemlich billigsten Aufstieg aller Zeiten hingelegt. Mit dem niedrigsten Etat der Zweiten ab in die Erste. Entsprechend groß waren die Lobpreisungen. Ob in den Medien, die das kleine Städtchen als Gegenentwurf zum überkapitalisierten Bundesliga-Fußball sahen, oder bei den Landespolitikern, die sich an den Verein ranschmissen, weil er so ein toller Underdog ist. (Schön zu beobachten an CDU-Landeschef Armin Laschet, der auch diese Ranschmeiß-Gelegenheit nicht ungenutzt ließ.)

Aber manch ein Fan, der in den vergangenen Jahren eine Dauerkarte beim Club hatte, dürfte sich gefühlt haben wie das Publikum beim FC Bayern. Zumindest in Sachen Preisstruktur. Denn der Verein hat erkannt, was die Bundesliga für die Fürths, Braunschweigs oder auch Augsburgs sein kann, will man nicht mit aller Macht und Schulden den Klassenerhalt schaffen: eine Gelddruckmaschine. Da man sich in Ostwestfalen aber offenbar nicht mit den Fernsehgeldern zufrieden geben will, greift man schnell beim Fan zu. Anders lassen sich die neuen Dauerkartenpreise nicht erklären.

image

  • Bild: Preise der kommenden Saison 2014/2015

So muss zum Beispiel derjenige, der in der vergangenen Saison auf einer der beiden Geraden ein Spiel im möbelhausartigen Stadion mit Wellblechcharme die Spiele verfolgte nun mehr als das Doppelte zahlen. Kostete die günstigste Dauerkarte dort 417 Euro für alle Zweitligaspiele gibt es eine Etage drüber den Platz für alle Partien zum charmanten Preis von 850 Euro. Ein Zuschlag um mehr als 100 Prozent! Hier ist der SC Paderborn bereits das neue Bayern. Und wer einen Kurvensitzplatz will, zahlt in Liga Eins nun 595 Euro. Zum Vergleich: bei Borussia Mönchengladbach kostet ein Sitzplatz in der Kurve maximal 330 Euro.

image

  • Bild: Preise der vergangenen Saison 2013/2014

Als erfahrener Besucher von Bundesligaspielen bleibt einem da die Spucke weg. Klar, hat der SC ein Stadion mit nur 15.000 Plätzen und muss schauen, wie er das Angebot verknappen kann, damit jeder mal zum Zug kommt. Natürlich darf in der ersten Liga, die man bei der bisherigen Kaderplanung wohl nur ein Jahr bewundern wird, auch mal ein bisschen zugelangt werden. Aber Ausbeutung? Ist das In Ordnung? Statt sich eine gewisse Chance auf ein Däumlings-Image zu geben, vergeigt man schon vor dem Start sämtliche Sympathien. Und damit wäre auch eine Frage geklärt: Paderborn ist mitnichten das neue Braunschweig oder Fürth. Damit würde man den beiden Tabellenletzten der vergangenen Jahre Unrecht tun. Eher ist man froh, wenn der Verein im kommenden Jahr ausgetauscht wird. Am besten gegen Kaiserslautern, Nürnberg oder meinetwegen auch durch Fortuna. (cu)

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*