Eingeständnis einer Fehlentscheidung

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Letzter Fortuna-Auftritt. (Rechte: Sue Rudolph)

Nun ist er also weg – der “Riese” Reck, wie ihn die Bild-Zeitung schon die ganze Saison über tituliert hatte. Der Abschuss folgte einen Tag nach einer weiteren desolaten Leistung Fortunas vor heimischen Publikum. Dass Oliver Reck nicht (mehr) der richtige Mann für dieses Team war, ließ sich dabei gar nicht so sehr an dem Einbruch festmachen, der auf den 1:0-Führungstreffer und die darauf folgende Einwechslung von Andreas Lambertz folgte, und zu einer 1:3-Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg führte. Vielmehr war es ein kleiner Einwurf des Düsseldorfer Chefcoaches während der Pressekonferenz nach dem Spiel. In dieser kreidete Oliver Reck den Einbruch in den letzten 20 Minuten der Partie alleine der Mannschaft an – kein Zeichen von Fehlersuche bei sich selbst, den gerade momentan sehr formschwachen Lambertz zum Verteidigen einer knappen 1:0-Führung zu bringen. Schuld an der Heimniederlage war in diesem Moment nur die Mannschaft.

So klein diese Momentaufnahme nur gewesen sein mag, gibt sie doch eine Einblick in ein Mannschafts-Trainerverhältnis, das wir vom Spielfeldrand in den letzten Wochen und Monaten immer häufiger glaubten, erahnt zu haben. Zu oft liefen die taktischen Neuformationen Recks in letzter Zeit ins Leere. Zu unmotiviert und verzagt agierten Recks Spieler auf dem Platz. Das Pulver des großen Motivators Reck, der Fortuna in den letzten eineinhalb Jahren in zwei schwierigen Situation meisterlich aus der Klemme geholfen hatte, es schien am gestrigen Sonntagnachmittag endgültig verschossen.

Doch die, die Oliver Reck jetzt ziehen lassen, müssen sich auch fragen lassen, ob es soweit überhaupt hätte kommen dürfen. Vor allem, da der Rausschmiss Recks nun von Sportvorstand Schulte derart kommentiert wird, dass sich der Verein Fortuna Düsseldorf – entgegen allen Beteuerungen vor und während der laufenden Saison – sich durchaus noch als Aufstiegskandidat sieht. Das ist nur logisch bei einer derart schwachen 2. Liga, in der Fortuna selbst jetzt noch realistische Chancen hätte, sollte man nun die Kehrtwende schaffen.

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Oliver Reck

Wenn man allerdings den Aufstieg will, warum hat man sich dann bei der Verpflichtung Recks als Cheftrainer abermals – wie schon bei Mike Büskens – gegen den Verstand und für das Bauchgefühl “Reck” entschieden? Einen Aufstieg mit und durch Reck einzuplanen, wäre viel zu spekulativ gewesen – dafür ist er auf seinem einzigen vorherigen Posten als Cheftrainer (beim MSV Duisburg) viel zu viel schuldig geblieben. In seinen Zeiten als Interimstrainer der Fortuna hatte er vor allem durch die Ansprache der Mannschaft überzeugt und nicht durch taktische Meisterleistungen. Wer jetzt Reck wegen des Wunsches auf eine Rückkehr “in die Erfolgsspur” beurlaubt, muss sich fragen, ob er nicht von Anfang an den falschen Mann für einen kurzfristigen Erfolg/Aufstieg verpflichtet hat.

Am Ende war es vielleicht auch die Angst vor größeren finanziellen Ausfällen beim Dauerkartenverkauf für die kommende Saison, die Oliver Reck den Job kosteten. Wie der hier oft gescholtene RP-Redakteur Bernd Jolitz in seinem Videoblog gestern analysierte, selbst wenn der Aufstieg passé sein sollte, wird man mit diesem spielerischen Auftreten nicht derart viele Dauerkarten wie in der Vergangenheit verkauft bekommen. Zu groß ist bereits das Raunen der “Eventys” auf den Tribünen, zu viel haben die langen Fanstreitigkeiten der Stimmung geschadet, wegen derer viele auch die Arena besuchen.

Für den Verein kann es jetzt eigentlich nur heißen: kein neues Trainerexperiment. Dafür sind Büskens und Reck zu spektakulär gescheitert. Wenn man vielleicht noch in dieser, spätestens aber in der kommenden Saison um den Aufstieg mitspielen will, gibt es momentan eigentlich nur einen Mann (abgesehen von Armin Veh, der aus vielerlei Gründen nicht nach Düsseldorf kommen sollte), der jetzt kommen müsste: Jos Luhukay – der kennt sich im Rheinland nämlich aus, wäre bei der Fortuna nah an seiner Heimat Venlo und hat schon oft bewiesen: Einen Traditionsverein stabil in die erste Liga führen, das kann er.

Bildrechte: Thomas Rodenbücher (xtranews.de), veröffentlicht unter creativecommons-Lizenz, bearbeitet mit pixlr-express.

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