Dümmliche Favre-Gerüchte

Lucien Favre beißt in einen Apfel
Hmm, leckere Gerüchte
Lucien Favre beißt in einen Apfel
Hmm, leckere Gerüchte

Es gibt einen sehr einfachen Indikator dafür, wie die Überhitzung des Fußballs dem geringem Sachverstand Vorfahrt bietet: Jedes Mal, wenn ein großer Club Trainer sucht, sprießen die Gerüchte ins Kraut. Hirn und Logik werden dabei an der Pforte zur Berichterstattung gerne abgeben. Jüngstes Beispiel ist die Debatte um die Nachfolge von Jürgen Klopp.

Dass der Mann beim BvB keine Zukunft hat, pfiffen im Ruhrgebiet die Spatzen im Ruhrgebiet schon länger vom Dach. Das dem so ist, wissen wir nun seit diesem April nun alle. Doch es ist interessant, was für “Fakten” auf einmal zusammenfabuliert werden. So kann sich – wenn man einigen Medien glauben mag – Thomas Tuchel schon jetzt auf die Bank setzen. Seine Verpflichtung ist anscheinend derat in Stein gemeißelt, wie sein Engagement eine Woche zuvor in Hamburg. Dass in Dortmund seit Wochen andere Namen gehandelt wurden – Sascha Lewandowski zum Beispiel – wird gerne übersehen, oder mangels Glamour-Faktor wohl absichtlich übersehen.

Ist man jedoch ganz ehrlich ist: Sollte der BvB so handeln, wie spekuliert wird, dann spricht das nicht besonders für die Geschäftsführung. Man wäre unvorbereitet, impulsgesteuert und schlicht unseriös. Um es mit Hans Meyer zu sagen: Gehen wir alle mal davon aus, dass sich die Verantwortlichen schon länger Gedanken um einen Plan B gemacht haben. Und dabei hat man sicher mit einigen Kandidaten gesprochen. Es mag also sein, dass Tuchel unter den Aspiranten ist. Aber er wird sicher nicht der einzige sein.

Auch wird der BvB schon vor langer Zeit ein Profil erstellt haben, wer der neue Mann sein könnte. Profile – das sollte man wissen – sind dabei meist Gedankenspiele und erst einmal losgelöst von realen Möglichkeiten. Es mag also sein, dass die Leitung um Akki Watzke, Michael Zorc und Reinhard Rauball mal gesagt haben könnte, es sollte so ein Typ wie Lucien Favre sein. Das ist an sich kein Problem, eher eine große Anerkennung für die Arbeit bei Borussia Mönchengladbach. Es wird aber zum Problem, wenn einige Medienvertreter, Berater und Fußball-Hipster daraus ableiten, der BvB wolle Favre. So wird aus einem wirtschaftlich sinnvollen Gedankenexperiment ein unhaltbarer Fakt. Und das ist ärgerlich.

Schauen wir uns nämlich nur einmal den aktuell absurden Gedanken, dass Favre nach Dortmund wechselt genauer an. Was würde er bekommen, was abgeben? Bekommen würde er einen finanziell gut geführten Club mit Potential dessen Zukunft aber erst einmal – da internationale Einnahmen fehlen könnten – noch offen ist. Er trifft zudem auf eine Mannschaft, die auf seinen vergötterten Vorgänger zugeschnitten ist, dessen Spielsystem sich jedoch deutlich von Favres unterscheidet. Im Gegenzug würde er einen Club verlassen, den er stark gemacht hat, der inzwischen Geld hat und mindestens in der Qualifikation zu Champions-League spielt und somit eine Gruppenphase sicher hat. Und er würde einen Verein verlassen, der inzwischen seine “Mätzchen” aushält und sie als liebevolle Schrulligkeiten schätzt. Warum sollte Favre das also eintauschen, wenn er kein komplett(!) Wahnsinniger ist? Bei aller sportlichen Herausforderung in Dortmund – eine gleich große oder gar größere im angenehmeren Rahmen hat er bereits in Mönchengladbach.

Entsprechend müde lächelt Sportdirektor Eberl auch über diese Spekulationen. Und auch Favre lächelt wahrscheinlich über das Gerücht. Nur gibt es halt bei ihm den Irssinns-Faktor, wenn er nach unlogischen Sachen gefragt wird. Anders kann man das folgende Zitat nicht erklären. Auf die Frage nach einem Wechsel antwortete Favre nämlich mal wieder in typischer Manier: “Ich werde nächste Saison definitiv nicht Dortmund trainieren. Mehr nicht.”

Soweit so definitiv. Ärgerlich an der der Sache ist nur die Hintertür die Favre lässt. Natürlich ist mit dem “Mehr nicht” gemeint, dass im Fußball nichts über Monate verteilt sicher ist. Mehrfach hat Favre schon betont, dass es ganz schnell gehen kann mit Misserfolgen, Entlassungen oder Trennungen. Entsprechend wird man von dem Schweizer nie ein Bekenntnis zu einer irgendwie gearteten Ewigkeit hören. Doch mit solchen Antworten gibt er natürlich den nächsten Spekulanten der Blödheit auftrieb. In München wackelt Pep Guardiola ein wenig. Und die aktuelle Aussage Favres lässt einen Wechsel zu den Bayern zu. Und somit überlegen wieder viele von vorne, ob Favre nicht auf Guardiola folgt, der ja sowieso schon so gut wie in England unterschrieben haben soll. (Laut – öhöm – englischer Medien)

Doch wie realistisch ist das nun wirklich? Unter den derzeitigen Bedingungen bleibt auch das einfach nur erfundener Murks. Sollte der Münchener Club Favre wirklich wollen, hätte er aus Magath, Klinsmann und van Gaal nichts gelernt. An der Säbener Straße haben extreme Typen selten eine Chance gehabt, über Jahre eine Mannschaft zu entwickeln. Und ein solcher ist nun mal auch Favre. Wer daher glaubt, dass Vereinsboss Rummenige, wissend um Favres nervige Art, den Mann auf Sportdirektor Sammer loslässt, glaubt auch an die Champions-League-Teilnahme des 1.FC Kölns. Es ist einfach nur Quatsch. Ein Wechsel Favres nach Bayern ist derzeit nur unter einer Bedingung möglich: Wenn der Rekordmeister Sammer entlässt und den ehemaligen Bayern-Spieler und Gladbach-Sportdirektor Max Eberl gleich mitkauft und zum starken Mann macht. Ist Eberl doch einer der wenigen Menschen im Geschäft, die Favre zu nehmen wissen. Und das weiß auch Favre – sonst hätte er nicht mehrfach schon in Gladbach seinen Vertrag verlängert und bisher stets eingehalten.

 

Foto: Schweizer Bauernverband, unter Creative-Commons-Lizenz, bearbeitet mit Pixlr-Express

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*