Die Telekom und das Eishockey

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Magenta-Hockey ab 2016/17

In diesen Wochen und Monaten wird viel über Fernsehgelder diskutiert. Im Fußball hat die englische Premier League einen Vertrag abschließen können, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Die Bundesliga will den Anschluss nicht verlieren, und hofft bei den anstehenden Verhandlungen mehr Geld zu generieren. Und das mit einer Liga, der immer mehr die Traditionsvereine und somit die Einschaltimpulse abhanden kommen. In diesem Fahrwasser musste nebenher die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) über einen neuen TV-Partner verhandeln.

Der Vertrag mit dem österreichischen Sender ServusTV und dem dazugehörigen Online-Portal laola1.tv läuft zum Ende der Spielzeit aus. Die Medien des RedBull-Erfinders Dietrich Mateschitz hatten vor vier Jahren das Eishockey wieder ins frei empfangbare Fernsehen gehoben und online – via Stream – zumindest von allen Spielen Zusammenschnitte bereit gestellt. Zwar gab es pro Woche nur zwei Live-Spiele zu sehen, allerdings war das nach Jahren im PayTV, in denen Sky die DEL am Ende nur noch wie die peinliche Verwandtschaft behandelte, ein Quantensprung für die Liga. Die Bildqualität der Übertragungen ist auf höchstem Niveau, bei den Livepartien wird handwerklich ordentlich kommentiert und eingeordnet. Dass aufgrund der Vermarktung für mehr Reichweite kritische Aspekte, wie die große Zahl an zweitklassigen Spielern aus dem Ausland und den häufig unterirdischen Schiedsrichterleistungen oft unter den Tisch fallen – geschenkt.

Ein sinnvoller Deal

Als Eishockeyfan war man froh über das kostenfreie Angebot, selbst wenn es im Grunde von RedBull produziert wurde. Und die Vereine waren es auch, spülte der Deal mit ServusTV in Kombination mit einem Ligasponsor den Clubs pro Spielzeit rund 350.000 Euro in die Kasse. Bei Clubetats zwischen vier und zehn Millionen Euro eine stattliche Summe. Doch ab der kommenden Saison ist alles anders: Die Deutsche Telekom ist für die nächsten Jahre der neue Medienpartner, der die DEL grundsätzlich übertragen wird. Stand jetzt, ist das Eishockey also wieder ins Bezahlfernsehen zurück gewandert. Wer kein Kunde des Entertain-Angebotes der Telekom ist, wird monatlich zahlen müssen, seinen Club im Fernsehen – zumindest live – sehen zu können. (Hören kann man das Ganze wohl auch weiter über die Fanradios.)

Logisch, dass einige Fans enttäuscht sind, froh über die bisher kostenfreie Übertragung. Aber der Deal ergibt aus vielen Gründen Sinn. Da ist der Anbieter als solcher. Die Telekom hat bereits die Rechte an der Basketball-Bundesliga. Für nahezu die meisten Endgeräte bietet der Internetanbieter alle Spiele live an, Zusammenschnitte der Partien sowie sogar die weltbeste Liga des Sports, die nordamerikanische NBA. Gratis für Entertainkunden, der Rest zahlt mindestens zehn Euro im Monat. Wer sich wirklich für die Liga interessiert, hat hier ein gleichwertiges,wenn nicht sogar besseres, Angebot zum Fußball. Und das – im Vergleich zum günstigsten Fußball-Abo, zu deutlich geringeren Kosten. Das Eishockey hat also einen Partner gewählt, der den Wunsch vieler Fans, alle Partien live zu zeigen, erfüllen kann.

Vereine haben finanzielle Sicherheiten

Dass dafür – davon kann man ausgehen – mehr Geld als bisher fließt, könnte den Deal noch interessanter machen. Zudem er ja nicht gänzlich die Vertreibung des Eishockeys aus dem frei empfangbaren Fernsehen bedeutet. Im Gegenteil: Eine Übertragung auf “normalen” Sendern ist geplant, nur zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend geklärt. Auch hier zeigt der Blick auf die Basketball-Bundesliga – eine Co-Existenz von Free- und Pay-TV ist möglich. Es gibt einzelne, aber dennoch nicht wenige Spiele auf Sport1 live, gleiches ist wohl – ohne noch festen Sender – für die DEL geplant.

Und hier hat das Eishockey eine Chance, auf bekannteren Sendern (als ServusTV) die seit Jahren zunehmende Reichweite noch zu steigern. Fakt ist: Der Sport ist die Nummer zwei hinter dem Fußball. Die Zuschauerzahlen in den Stadien sind deutlich höher als beim Handball und Basketball, Eishockey hat – trotz aller Skandale der älteren Ligageschichte – immer noch einen guten Ruf. So ist es wahrscheinlich, dass es durchaus ein Trumpf sein kann, vereinzelte Spiele flexibel, für frei empfangbare Sender, zu vermarkten. Geht man davon aus, dass der Telekom Deal sicherlich etwas mehr Geld in die Kassen spült, als der mit ServusTV, dann hat er sich für die Liga gelohnt. Zumindest in Zeiten, in denen der Fußball alles erdrückt, die Übertragungsmöglichkeiten technisch vielfältiger sind und die öffentlich-rechtlichen Sender kein Interesse an teuren Gesamtpaketen für Randsportarten haben.

Und da wäre noch eine Sache: Der Zustand, dass eine Firma des RedBull-Chefs Mateschitz Fernsehrechte an einer Liga hält in der auch noch mit RedBull München ein eigenes Team spielt, hat balb ein Ende. In der DEL gibt es kein “Telekom-Team”. Zumindest noch nicht. Anders als im Basketball – dort spielen die “Telekom Baskets” aus Bonn. Die sind dort allerdings kein Spitzenteam und hoch finanziert.

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