Die geilste Liga Deutschlands

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Die ganze Medienwelt schwadroniert darüber, wie stark die Bundesliga nun tatsächlich zu bewerten ist. Hat sie sich dem deutschen Weltmachtstreben angeschlossen und darf sie sich als stärkste der Welt bezeichnen, die nebenher Europa regiert? Kanzlerinnenbefehl ausgeführt?! Kann nun auch der Fußball an unserem Wesen genesen? Ehrlich gesagt: Mir ist das zu blöd und zu kleinkariert. Genau solcher Diskussionen wegen werden wir nie ein cooles und weltoffenes Volk, sondern immer eine Horde verkappter Spießbürger in Dauerangst vor der Zukunft bleiben. Vielleicht sollte die Bundesliga erst einmal die geilste Liga im eigenen Land werden, bevor wir über weiteres diskutieren. Denn durch unsinnige Ligenreformen könnte ihr eine andere Liga den Rang ablaufen: die Regionalliga-West.

Zugegeben, Steile These. Die vierte Liga über der Ersten? Wie kann das sein? Sportlich gibt es da nichts zu diskutieren. Aber wir hatten uns ja bereits vor einem Jahr den Start der 4.Liga genauer angeschaut. Und kamen zu dem Ergebnis: Könnte klappen, wenn die Aufstiegsregelung nicht wäre. Jetzt, zwölf Monate später, müssen wir feststellen: Die Regionalliga ist noch attraktiver geworden, auch durch die dämliche Relegations-Regel, wonach der Meister noch lange nicht aufgestiegen ist. Was auf den ersten Blick wie der Vereinskiller schlechthin wirkt, ist auf den zweiten vielleicht die Rettung mancher Clubs. Denn deutlich mehr Geld bei höheren Kosten würden sie in der Dritten nun auch nicht einnehmen.

Tradition so weit das Auge reicht

Schauen wir vielleicht mal genauer auf die Dritte Liga: Was haben wir dort im Fußball-Westen? Den MSV Duisburg, die Reserve der Dortmunder und Preußen Münster. Für den MSV heißt das: Die Gegner wecken nun wahrlich kein gesteigertes Zuschauerinteresse. Der Gästeblock dürfte in 15 Partien leer bleiben. Das ist Geld, das fehlt. Ob dass durch die rund 800.000 Euro für die Fernsehvermarktung amortisiert wird, wenn man zugleich mehr Geld für einen wettbewerbsfähigen Kader auslegen muss? Schwer zu sagen.

Auch wenn es die Verantwortlichen beim MSV ausgeschlossen haben – die Regionalliga-West wäre eine Alternative gewesen. Zwar gibt es dort keinerlei Fernsehgelder. Aber es gibt die Möglichkeit der Einzelvermarktung. In den anderen vier Regionalligen vielleicht ein bekloppter Gedanke, aber im Westen nicht ganz falsch. Denn wer spielt dort? Echte Hochkaräter: Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Oberhausen, Alemannia Aachen, KfC Uerdingen, Wattenscheid 09, Fortuna Köln. Alles ehemalige Bundesligavereine. Dazu kommen regionale Traditionsmannschaften wie die Sportfreunde Siegen, Viktoria Köln sowie die Reserveteams von Gladbach, Düsseldorf, Bochum, Leverkusen, Schalke und sogar der Kölner. Bei so einer Auflistung wirken schon der Vorjahresmeister aus Lotte, die ewig Nervigen aus Verlbert und der Pokalhorror Verl wie Exoten. Einzig der SV Lippstadt riecht nach Provinzialität, wenn man nicht weiß, dass es der Heimatclub von Jens Langeneke ist. Haben wir wen vergessen? Ach ja – Wiedenbrück. Aber in der ersten Liga gibt es ja auch Hoffenheim. Ob der MSV da nicht einen deutlich hören Schnitt als in der dritten Liga gehabt hätte?

 Attraktiv für’s Fernsehen!

Und vielleicht sogar eine bessere Vermarktung? Ein Beispiel: Den Ligenauftakt vor einem Jahr wollten 13.000 Menschen sehen. Bei einer Partie! Oberhausen gegen Essen. Gäbe es mehr solcher Duelle, welche Rolle spielte dann die Höhe der Liga? Den Fans wäre es egal, wenn es Zweite oder Vierte wäre. Und regionale Fernsehsender könnten einzelne Partien zeigen, das Geld wandert dann ab in die Tasche des einzelnen Vereins. Ob das soviel schlechter ist, als die Dritte Liga, darf bezweifelt werden.

Problematisch wird es für den DFB vor allem, wenn die Regionalliga-West mehr Interesse weckt, als das “Premiumprodukt” Dritte Liga. Denn die Verbandsoberen haben sich diese Ligenbesetzung auf mindestens zwei Jahre betoniert: Durch den Aufstieg kann maximal ein Verein die Liga verlassen – wenn er die Relegation besteht. Das klappt nicht immer. Und unten sieht es nicht anders aus. Zunächst sehen fünf Absteiger nach viel aus. Aber die Sicherheitsanforderungen an die “Vierte” sind derart hoch, manch ein Oberligist will gar nicht aufsteigen. Von daher könnten eine Menge sportlicher Absteiger trotzdem die Klasse halten. Also bleibt die Liga wohl dauerhaft gut besetzt. Da die meisten Vereine nicht in Schulden baden, anders als in der Dritten, ist der Atem im Westen lang und das Interesse der Fans wohl auch. Zumindest ist die Liga in der kommenden Saison eine der geilsten, wenn nicht die geilste in ganz Deutschland. Ohne Auswärtsfahrten nach Hoffenheim, Augsburg, Wolfsburg, Ingolstadt, Sandhausen, Aalen, Paderborn oder Mainz!  (cu)

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