Die Funkel-Fußball-Wohltat

Lange nichts mehr von Fortuna Düsseldorf gehört?! Das hat einen einfachen Grund: Unter Friedhelm Funkel spielt die Mannschaft einen betörend biederen Fußball. Was bei anderen Clubs schlimm wäre, tut der Fortuna verdammt gut.

Die Liste der Kritik an Friedhelm Funkel – zumindest bei seinen letzten Stationen – ist lang. Da wären die Frankfurter gewesen, die das Konstrukt mit dem Trainer Friedhelm Funkel und dem Manager Heribert Bruchhagen als “Prokuristenfußball” der biedersten Sorte verschmähten. Nach langweiligen, stabilen aber auch erfolgreichen Jahren in der ersten Liga ging Funkel 2009. Er war die Anwürfe satt, dass sein Realismus die Eintracht nicht sportlich explodieren ließ.

Wie realistisch Funkels Einschätzung war, zeigte sich in der Zeit danach: Die Frankfurter stürzten ab, legten 2011 – sehr zum Dank aller Gladbach-Fans – einen der dümmlichsten Abstiege der Bundesligageschichte hin. Ohne Funkel konnte selbst Heribert Bruchhagen den Wahnsinn nicht eindämmen, der zum Absturz führen sollte.

Bochum, Frankfurt – pragmatische Teilerfolge

Nach der Zeit in Frankfurt war da dann der VfL Bochum, den Funkel trotz schwierigen Kaders direkt nach dem Abstieg in die Relegation führte. Dort scheiterte der VfL wiederum an Borussia Mönchengladbach und stieg zum ersten Mal nach einem Bundesligaabstieg nicht direkt wieder auf – ein VfL-Trauma bis heute. In Bochum halten sie Funkel immer noch vor, im Hinspiel nicht aufgemacht zu haben und offensiver bei der Borussia aufgetreten zu sein. In der Tat kann man das kritisieren, wirkten die Borussen doch arg verunsichert und nervös. Aber wer sagt eigentlich, dass ein Aufmachen des VfLs einem Marco Reus auf Gladbacher Seute nicht die Räume gegeben hätte, noch ein paar Tore zu schießen. Die hatte er nämlich zu keinem Zeitpunkt des Spiels, da Funkels Gaunerfußball das Gladbacher Kombinationsspiel erstickte.

Doch leider hält sich in Bochum durch dieses Trauma die Legende, dass der kompakte, oft langweilige Funkel-Fußball noch jedes Stadion leer gespielt hat. Dabei war Funkel auch in Bochum nur realistisch: Die Rahmenbedingungen für den VfL hatten sich längst geändert. Man war einfach nach einem Abstieg nicht mehr – wie sonst zuvor – der Zuschauer- und Geldkrösus der Zweiten Liga. Bereits 2011 gab es schon Potentere im Unterhaus, die einen Aufstieg schwieriger machten. Insofern hat Funkel auch in Bochum irgendwie alles heraus geholt, was zu machen war.

Die unstete, haarsträubende Fortuna

Was jedoch auf seinen folgenden Stationen nicht bestätigt wurde und somit die Bochumer These des antiquierten Funkel-Fußballs oberflächlich bestätigen. Allerdings waren  Alemannia Aachen und 1860 München zum Zeitpunkt seiner Anstellungen bereits hoffnungslose Fälle. Insofern sollte man die Bilanz von Friedhelm Funkel dort nicht allzu sehr überbewerten. Was sie in Düsseldorf auch nicht machen. Die Fortuna lag zum Zeitpunkt, als Funkel übernahm, irgendwo zwischen Bochum/Frankfurt und Aachen/1860: Irgendwie langweilig, bieder und stabil, aber auch überzogen in den Vorstellungen, völlig verkorkst in der Struktur und eher auf dem absteigendem Ast.

Bis zum Aufstieg in die erste Liga im Jahr 2012 hatte die Fortuna über Jahre in fast jeder Spielzeit eine positive Bilanz: Es gab mehr Siege zu feiern als Niederlagen. Natürlich führte das nicht immer zwangsläufig zu Aufstiegen aus der Ober-, der Regional-, der Dritten respektive der Zweiten Bundesliga. Aber: Wer zur Fortuna ging, der konnte in der Mehrheit der Fälle einen Punktgewinn erwarten. Seit der Erstligazeit hat sich das fundamental geändert. Da verliert die Fortuna pro Spielzeit in der Regel mehr als sie gewinnt. Das hat zwar nur einen, nicht so wirklich schlimmen Abstieg zur Folge gehabt, führte aber zu sehr viel Zweitligafrust.

Funkel nimmt den Club wie er ist

Dieser Unmut wurde mit allerlei Wahnsinn und Überschätzung der realistischen Lage versucht zu bekämpfen. Und so gaben sich Trainer die Klinke in die Hand, die entweder unfähig (Kurz, Reck, Köstner) oder überfahig (Kramer, in der Selbstwahrnehmung Aksoy, in Teilen auch Büskens) erschienen, wurden Spieler verpflichtet, die nicht ins Gefüge passten, aber aktuell in der ersten Liga zu überzeugen wissen, und da gab es Offizielle, die entweder für einen dummen Spruch in der Bildzeitung ihr Haus verschenken würden, oder von Punkkonzerten in Logen schwärmten, statt zu verstehen, wie prekär es um den Club steht.

All das sollte bei der Leistungsbewertung von Friedhelm Funkel herangezogen werden. Was der 62-Jährige nämlich aktuell leistet, ist aller Ehren wert. Er stabilisiert die Fortuna. Zum ersten Mal seit Jahren kann auch der Laie ein System erkennen. Funkel setzt auf die ganz biederen Dinge, er spielt ein vormodernes 4-4-2 aus der Zeit, als es noch nicht von Lucien Favre optimiert wurde. Das ist im Zweifel schlechter Fußball, wie gegen Fürth oder Karlsruhe. Aber es ist nun einmal nicht ohne Erfolg. In dieser Spielzeit hat die Fortuna noch keine Klatsche bekommen, wirkte nicht einmal kopflos wie ein Hühnerhaufen sondern maximal einfallslos, was zu langweiligen Unentschieden führte.

Die Entwicklung wendet sich langsam ins Positive

Als wäre das nicht schon Positives im Negativen genug, hat das alles ja auch eine durch und durch gute Seite: In der Stabilität entsteht ein schmaler Raum für individuelle Freiheit und Risiken. Zu sehen an der Entwicklung eines Ihlas Bebou. Der 22-Jährige kann sich was trauen, auch mal Scheiße spielen, dafür sich aber den Ball zum entscheidenden Elfmeter schnappen und ihn wunderbar verwandeln ohne gleich Panik haben zu müssen, für den kompletten Einbruch zu stehen, weil das ganze Team fragil ist. So erklären sich dann auch sehr feine Spiele wie gegen Bochum oder Stuttgart, die Wende von Sandhausen, wo aus einem schnellen 0:2 ein 2:2 wurde. Und da erklärt sich auch, warum die Niederlage in Braunschweig unglücklich war.

Die Fortuna entwickelt sich also langsam mal wieder nach vorne. Nach den vergangenen Jahren braucht es vielleicht keine Innovation und Revolution, die alle überfordert. Vielleicht ist es gerade diese biedere Eintönigkeit des Funkel-Fußballs, die ein einzelnes Spiel zum Horror machen kann, aber in der Summe den Verein für das Erste wieder auf ein normales Level zurück holt. Alles weitere an Zukunftsplanung kann man daher erst einmal in Ruhe angehen – Friedhelm Funkel sei Dank, hat die Fortuna wieder Zeit zum Nachdenken über die nächsten Schritte bekommen.

Bild: Quelle xtranews.de

1 Kommentar

  1. Fern von dem was du hier sehr gut beschrieben und erklärt hast, stelle ich mir öfter mal die Frage was eigentlich mit dem ein oder anderen Club passiert ist.
    Ich erinnere mich, dass Rostock vor ca. 10 Jahren in der Bundesliga war, genauso wie Greuter Fürth oder Allemannia Aachen.
    Es ist durchaus interessant wie sich diese Vereine entwickelt haben bzw. wie weit z.B Hansa Rostock zurückgefallen ist.

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